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Ökostrom : Energiewende bringt Pumpspeicher in Nöte

Förder-Paradox: Pumpspeicherkraftwerke wie die Talsperre Tambach-Dietharz in Thüringen sind für die Energiewende nötig - und werden durch ebendiese unrentabel. Bild: dpa

Weil immer mehr Ökostrom auf den Markt kommt, rentieren sich Pumpspeicher-Kraftwerke kaum. Dabei sind sie für die Energiewende nötig.

          Als der Energiekonzern Vattenfall Ende vorigen Monats sein Pumpspeicherwerk im sachsen-anhaltischen Wendefurth nach zweijähriger Modernisierung wieder in Betrieb nahm, kam Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) eigens in den Harz, um für die 40-Millionen-Euro-Investition zu danken. Denn solche Stromspeicher sind rar in Deutschland. Keine Rede zur Energiewende, in der ihre Bedeutung nicht hervorgehen wird, um das schwankende Angebot von Wind- und Sonnenstrom auszubalancieren. Die Bundesregierung fördert eigens Photovoltaik-Stromspeicher für den Hausgebrauch und investiert zig Millionen Euro in die Speicherforschung.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Doch im gleichen Atemzug beklagen die großen Speicherbetreiber, dass sie genau wegen der Energiewende kaum noch etwas an ihren Wasserkraftbatterien verdienen. Das hat die Regierung jetzt auch schriftlich: Noch unveröffentlichte Gutachten für das Wirtschaftsministerium kommen zu dem Schluss, dass Pumpspeicher zwar wichtig, auf Sicht aber nicht wirtschaftlich zu betreiben seien. Die wirtschaftliche Situation für neue Pumpspeicherkraftwerke sei „mittel- und langfristig mit großen Unwägbarkeiten behaftet“. Bestehende Anlagen dürften geringe Renditen erzielen, sogar eine „vorübergehende Stilllegung von Anlagen“ sei möglich, stellen die Gutachter fest.

          Ein ernüchterndes Ergebnis

          Sie haben die Situation der Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz verglichen, wo sie eine ungleich größeres Volumen und Bedeutung haben. Die geringsten Deckungsbeiträge wurden für die Schweiz errechnet, die höchsten, aber ebenfalls ungenügenden, für Anlagen in Österreich. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Die ermittelten Deckungsbeiträge dürften in der Regel nicht zur Refinanzierung von Neuinvestitionen in Pumpspeicherkraftwerke ausreichen.“

          Dabei seien die Kraftwerke volkswirtschaftlich sinnvoll: Zumindest in der längeren Frist dürften sie eine zunehmend wichtige Rolle bekommen. Allerdings schreiben die von den drei Regierungen beauftragten Gutachter, Juristen, Ingenieure und Ökonomen auch: „Es ist jedoch nicht absehbar, inwiefern sich dies auch auf individualwirtschaftlicher Ebene widerspiegeln wird.“

          Geförderter Ökostrom verdrängt teurere Erzeuger

          Grund für die schwindende Wirtschaftlichkeit der Pumpspeicherkraftwerke ist die Energiewende. Denn mit Hunderttausenden Kleinstkraftwerken, die Wind- und Sonnenergie nutzen, ist ein Überangebot an Elektrizität entstanden, das andere Erzeuger aus dem Markt drängt. Nachfragespitzen in der Mittagszeit werden weitgehend durch die Photovoltaik abgedeckt. Da der eigens geförderte Ökostrom an der Börse nichts kostet, verdrängt er teurere Erzeuger. Das unterscheidet Gaskraftwerke, die meist stillstehen, nicht von teuren Pumpspeichern. Damit wird deren Geschäftsmodell zerstört, Strom zu erzeugen, wenn er besonders knapp und teuer ist, und ihn zu nutzen, um Wasser in Reservoirs zu pumpen, wenn der Strom – etwa nachts – besonders billig ist. Fallen die Wasserkraftwerke künftig aus, fällt allerdings auch ihre Speicher- und Reserveleistung weg.

          Neubauprojekte für Pumpspeicher in Deutschland sind inzwischen begraben, nicht nur wegen des Widerstands von Naturschützern und Anwohnern, die keine Bergkuppen zu Speicherseen umfunktioniert sehen wollen. Auch Vattenfall würde heute die vor Jahren getroffene Modernisierungsentscheidung für das Kraftwerk in Wendefurth wohl kaum noch einmal treffen, ist man sich in der Branche sicher. Da würde auch die zeitweise Befreiung von Netzkosten nicht helfen.

          Die Schweden sind mit einer Kapazität von etwa 3000 Megawatt die größten deutschen Pumpspeicherbetreiber mit Anlagen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein – und sie leiden an ihrem Engagement. Deutschland-Chef Tuomo Hatakka preist die Kurzzeitspeicher einerseits als wichtige Werkzeuge, um die Stabilität des Stromversorgungssystems und die Zuverlässigkeit der Stromversorgung zu sichern. Er sagt aber auch: „So wichtig die Entwicklung und Förderung neuer Speichertechnologien ist, so wichtig ist es, vorhandene Pumpspeicherwerke nicht wirtschaftlich aus dem Markt zu verdrängen.“ Konkret verlangt er, dass Wasserkraftanlagen keine Kosten für die Nutzung des Stromnetzes zahlen sollen, aus dem sie die Elektrizität für den Betrieb ihrer gewaltigen Pumpen beziehen.

          Schützenhilfe dafür bekommt er nun von den Gutachtern. Vor allem sei „zu gewährleisten, dass Pumpspeicherwerke aufgrund ihrer Doppelrolle als Erzeuger und Letztverbraucher von Strom durch energierechtliche Entgelte, Umlagen und Abgaben keine Doppelbelastungen erfahren“, heißt es im juristischen Teil. Das allein dürfte aber kaum ausreichen. Die Gutachter haben eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen zusammengestellt, angefangen vom Netzausbau, den Übertragungsstellen an den Grenzen, der Vereinheitlichung des Rechtsrahmens. Nicht zuletzt empfehlen sie, verklausuliert, staatliche Hilfen: „Eine langfristige trilaterale Kooperation, insbesondere zur gemeinsamen Kostentragung von Neuinvestitionen, könnte geeignet sein, Nettovorteile aus der Errichtung von Pumpspeicherkraftwerken zu realisieren, die sich sonst nicht einstellen würden.“

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