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Ökonomenpanel : Wirtschaftswissenschaftler gegen Schulz’ Ideen

Schröders Erbe Bild: dpa

Der deutschen Wirtschaft geht es blendend, insbesondere dem Arbeitsmarkt. Deutschlands führende Wirtschaftsprofessoren sind sich einig, woran das liegt.

          Finger weg von den Reformen des Arbeitsmarktes durch die „Agenda 2010“ – das sagt die große Mehrheit der deutschen Volkswirte. Fast 90 Prozent der Ökonomieprofessoren schreiben diesen Reformen eine starke oder sehr starke Wirkung auf die günstige Entwicklung der Arbeitslosigkeit und die Zunahme der Beschäftigung zu. Das ergibt das Ökonomenpanel, eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts in Zusammenarbeit mit der F.A.Z., unter den Wirtschaftsprofessoren an deutschen Universitäten. Rund 130 Professoren nahmen an der Umfrage teil. Die Agenda 2010 war ein Reformpaket der rot-grünen Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) vor fast anderthalb Jahrzehnten. Der aktuelle SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will diese Reformen in Teilen rückgängig machen. Das stößt auf Ablehnung unter den Wirtschaftsprofessoren.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die arbeitsmarktpolitischen Versprechen des SPD-Kanzlerkandidaten werden abgelehnt. Während Schulz fordert, die Möglichkeit der „sachgrundlosen Befristung“ von Arbeitsverhältnissen aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zu streichen, was eine befristete Einstellung schwieriger machen würde, hält die große Mehrheit der Ökonomen das für eine schlechte Idee. 74 Prozent sagen Nein zu diesem Vorstoß. Auch Schulz‘ Vorschlag, das Arbeitslosengeld I für Bezieher unter 50 Jahren über die bisherigen 12 Monate auszuweiten, stößt auf Ablehnung. 81 Prozent der Ökonomen halten die 12 Monate für „genau richtig“.

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          Mehr als drei Viertel der antwortenden Ökonomen halten Schulz’ Wahlkampfvorschlag eines „Arbeitslosengelds Q“ für „nicht sinnvoll“. Darunter versteht Schulz eine Ausweitung des Arbeitslosengeldes I auf bis zu 48 Monate bei gleichzeitiger Koppelung an berufliche Weiterbildungsmaßnahmen. In der Umfrage wurden die Vorschläge ohne Nennung des SPD-Kandidaten Schulz aufgeführt. Knapp zwei Drittel der Ökonomen sind auch gegen einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung, wie ihn Schulz wünscht. Die Einführung des Mindestlohnes sieht die überwiegende Zahl der Ökonomen immer noch skeptisch. Gut 60 Prozent sagen, der Mindestlohn sei keine notwendige Ergänzung der Agenda 2010 gewesen.

          Nach Ansicht des Ifo-Wissenschaftlers Niklas Potrafke, der das Ifo-Zentrum für öffentliche Finanzen leitet und das Ökonomenpanel betreut, sind die Ergebnisse der Umfrage eine Bestätigung dafür, dass die Wirtschaftswissenschaft die Liberalisierung des Arbeitsmarktes durch die Regierung Schröder wertschätze. „Gerhard Schröders Agenda 2010 wird reichlich Respekt gezollt, der Einführung des Mindestlohnes aber keineswegs“, sagte Potrafke.

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