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Obama-Besuch in Berlin : Angela Merkel im #Neuland der Häme

Spott im Netz für die Kanzlerin Bild: F.A.Z.

„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Angela Merkel. Im Internet wird der Berlin-Besuch von Barack Obama deswegen unfreiwillig zum Aufreger. Dabei hat Merkel recht.

          „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Pressekonferenz mit Barack Obama gesagt. Es ging um den Datenschutz im Internet, um die Frage, wie sich Staaten einerseits vor Terroristen schützen, andererseits die Freiheit ihrer Bürger bewahren können. Zum Lachen ist daran nichts. Eigentlich.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Im Internet aber sieht das anders aus. In Zeiten der Echtzeitkommunikation über Kurznachrichtendienste wie Twitter kann man Kalauer und Schenkelklopfer raushauen ohne darüber nachdenken zu müssen, wie unreflektiert und verletzend sie sind. So auch hier: „Das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt?“, fragten die ersten Internetspezialisten auf Twitter. Und es sollte am Mittwoch nur wenige Minuten dauern, bis der sogenannte Hashtag #Neuland der meistverbreitete in Deutschland war.

          Für Menschen, für die das Neuland ist: Ein Hashtag kennzeichnet ein Wort mit vorangestelltem Doppelkreuz (eben dem Zeichen „#“). So werden Themen verschlagwortet, in sozialen Netzwerken wie Twitter und seit neuestem auch Facebook; sie erleichtern das Auffinden der entsprechend gekennzeichneten Nachrichten. Als Journalist kann man an Hashtag-Ranglisten erkennen, welche Themen gerade bewegen - und am Obama-Besuch war nach dieser Pressekonferenz fast nichts anderes mehr wichtig als die Tatsache, dass Merkel behauptet hatte, das Netz sei Neuland.

          Ha Ha. Dabei hat Merkel recht. Es mögen zwar sehr viele Menschen im Internet sein. Wer sich in seinem Bekanntenkreis aber genauer umhört, wer wie viele Dienste seines neuen Handys wie intensiv nutzt, wer wirklich auf Twitter engagiert ist oder andere Social-Media-Plattformen nutzt, wird feststellen, dass er als (überzeugter) Twitter-Nutzer zu einer winzigen Minderheit gehört.

          „Internet wird umbenannt in #Neuland“

          Dabei hat das Medium viele Vorteile und bietet einiges mehr als nur die Möglichkeit, sich über Belanglosigkeiten auszutauschen oder andere Menschen lächerlich zu machen. Allein darum ging es aber den Erfindern des Hashtags „#Neuland“: Dutzende Tweets pro Minute zu dem Thema folgten: „Internet wird umbenannt in #Neuland. Klingt auch gleich viel deutscher. Explorer heißt jetzt Entdecker. Unser Prism heißt Stasi. Passt.“ „Wo kriege ich eigentlich dieses Internet? Sorry, ist halt alles noch ein bisschen #Neuland für mich.“ Und so weiter.

          Zu lesen ist aber auch, wenn auch seltener: „Mutti hat Recht: im Bezug auf Recht und Regeln ist das Internet nach wie vor #Neuland. Bei Sitte und Anstand auch, wie ich wieder merke.“ Genau das ist der Punkt. Nun wird es einer Bundeskanzlerin gleichgültiger sein als anderen, ob Hohn über sie ausgeschüttet wird.

          Überall ist Verhältnismäßigkeit gefragt

          Doch zu oft geschieht das auch bei Menschen, die sich mit Wellen der Entrüstung nicht so gut auskennen. Es wird mit Unterstellungen gearbeitet, eine echte Diskussion ist kaum möglich. Das muss sich ändern: „Es geht um die Einsicht, dass nur eine gemäßigte, zivile Ausdrucksweise uns die Welt erfahrbar macht“, schrieb der wegen seiner Bücher von der Mafia gejagte Italiener Roberto Saviano dazu jüngst in der „Zeit“.

          Wir alle betreten mit diesen Formen der Kommunikation, die eben noch nicht 20 Jahre alt sind, Neuland. Genau so, wie Behörden, die auf der Suche nach Kriminellen sind. Überall ist Verhältnismäßigkeit gefragt. Auch das ist ein Wort der Kanzlerin, über das sich das Netz erregt hat. #Hallo? Es ist eines der Grundlagen unseres Rechtsstaats.

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