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Not der Grünen : Göring-Eckardts Projekt ist gescheitert

Hat sich in der Fraktion klar durchgesetzt: Katrin Göring-Eckardt Bild: dpa

Katrin Göring-Eckardt sollte die Grünen zur Mitte hin öffnen. Das ging schief. Jetzt ist sie das Symbol für den Misserfolg der Partei: Mit Volksbeglückung ist beim Bürger kein Staat zu machen.

          Die Disziplin Wählerbeschimpfung lag den Grünen immer schon besonders gut, am 22. September aber haben sie es zur Meisterschaft gebracht: die Gesellschaft sei „noch nicht reif“ für ihre Ideen, blaffte Spitzenkandidat Jürgen Trittin am Wahlabend. Um dann, in alter linkssektiererischer Tradition, etwas von einer Verschwörung zu raunen, Großkapital und so. Keine zwei Tage später war der Mann als politischer Frontmann erledigt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wer sich hält, geradezu ans Amt klammert, ist der andere Teil des Spitzenduos: Katrin Göring-Eckardt, kurz „KGE“. So einig die Partei ist im Urteil über den „grottenschlechten Wahlkampf“ (Joschka Fischer), so seltsam sind die Folgen. Nicht die Stammklientel – Trittins Beritt – versagte den Grünen die Gefolgschaft, gescheitert ist das Projekt „KGE“, die Öffnung zur bildungs- und wirtschaftsnahen Mittelschicht durch die Theologin (ohne Abschluss) aus dem Osten. Diese Zielgruppe bockte. Gedacht war das anders. Göring-Eckardt, „die schon aussieht nach Bücherregalen bis unter die Decke“, wie der „Stern“ spottete, hätte die Latte-macchiato-Gemeinde sammeln sollen, jene Kreise, die früher – zu Gerhard Schröders Zeiten – als „Neue Mitte“ etikettiert wurden und heute als postmodernes Bürgertum firmieren: gebildet, aufstiegswillig, gut verdienend, umweltbewusst.

          Die Grünen jedoch haben sich bitter verschätzt, „KGE“, ihre Symbolfigur, hat sich vertan. Die Frau, die einst die „Agenda 2010“ als „revolutionäre Umbruchphase“ bejubelt hatte, wähnte den Zeitgeist reif für einen Rollenwechsel: gestern begeisterte Reformerin, heute mitfühlende Sozialpolitikerin – im Zweifel links, stets unter dem Label „Gerechtigkeit“.

          „Rohr im Wind“

          Um Spitzenkandidatin in grüner Urwahl zu werden, träufelt „KGE“ sich Demut aufs Haupt, bekennt sich mitschuldig an neoliberalen Irrwegen unter rot-grüner Regentschaft. Deutschland nennt sie fortan ein „ungerechtes Land“, beruft sich darauf, dass 75 Prozent der Bevölkerung das angeblich genauso sehen. Der Agenda-Sound in Göring-Eckardt verstummt, stattdessen erklingt der hohe, moralische Ton des protestantischen Kirchentags, jene Ecke, in die sich „KGE“ geflüchtet hatte, als politisch nicht viel ging.

          Dort hat sie dann den Linksschwenk mitvollzogen, wie er in der evangelischen Kirche insgesamt zu beobachten ist: Eine „Ökonomie des Genug“ wird gepredigt, von den Kanzeln erklingt das Lob auf die Hartz-IV-Empfänger. Wer für die Steuern aufkommt, wird eher wenig thematisiert. Umverteilung heißt hier Barmherzigkeit, wahlweise Solidarität. Von Menschen, die Transferleistungen erhalten, könne die Gesellschaft viel lernen, predigt Katrin Göring-Eckardt. Unter ihren Sympathisanten spricht sich freilich herum, dass es keiner großen Reichtümer bedarf, um zum Zielobjekt grüner Klassenkämpfer zu werden: Steuern rauf, Sozialabgaben rauf – der Staat weiß am besten, wo das Geld gebraucht wird. „Der Wohlstand muss anders verteilt werden“, tönt Göring-Eckardt. Am Ende hat die Zielgruppe die Botschaft so verstanden, wie sie gemeint war: als Drohung.

          „Wir sind als etatistische Partei aufgetreten. Da ist eine Gereiztheit auch bei Menschen zu spüren, die uns mögen“, geben zerknirschte Realos nun zu, und ihre Frontfrau „KGE“, zu DDR-Zeiten „FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda“, sieht sich eingeholt von früheren Urteilen: inhaltlich geschmeidig, taktisch beweglich. Als „Rohr im Wind“ hatten sie ihre internen Gegner schon vor zehn Jahren geschmäht. „Sie trägt keinen Rucksack voller fester Überzeugungen mit sich herum“, gab eine Spitzen-Grüne später zu Protokoll. Machtinstinkt wird ihr allenthalben zugeschrieben, in den Abstufungen von „eiskalt-strategisch“ bis „abgebrüht“. So ähnlich klingt auch die Kritik an Angela Merkel. An der Kanzlerin stört Katrin Göring-Eckardt vor allem eines: „Mich regt total auf, dass sie keine innere Linie hat.“

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