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Veröffentlicht: 27.09.2014, 16:11 Uhr

Niederlande Frauenquote mit Nebenwirkungen

In den Niederlanden sorgen Äußerungen eines Spitzenmanager zum Thema Frauenquote für Wirbel. Geht die Förderung von Frauen zulasten hochqualifizierter Männer mit Migrationshintergrund?

von , Brüssel
© dpa Die Frauenquote zeigt in Holland unerwünschte Nebeneffekte

Die Niederlande waren nach Norwegen das zweite Land, das konkrete, wenn auch nicht rechtsverbindliche Vorgaben für den Frauenanteil in Spitzenpositionen von Unternehmen erlassen hat. Mit dem Telekomkonzern KPN scheint ein führendes Unternehmen des Landes eine Abkehr von der gezielten Erhöhung des Frauenanteils vollzogen zu haben. Diesen Eindruck hat zumindest der für Chancengleichheit zuständige KPN-Programmdirektor Jasper Rynders im Gespräch mit der Zeitschrift „Intermediair“ erweckt. Als Grund hatte er insbesondere angeführt, die Anwerbung von Frauen für Spitzenpositionen sei auf Kosten hochqualifizierter Männer mit Migrationshintergrund gegangen. „Die auf Frauen ausgerichtete Politik hat nur zum Teil die von uns ins Auge gefasste Veränderung gebracht“, sagte Rynders in dem Interview, das am Freitag für erhebliches Aufsehen gesorgt hat.

Michael Stabenow Folgen:

Der Vorstandsvorsitzende Eelco Blok relativierte die Aussagen von Rynders. KPN prüfe bei Stellenausschreibungen sorgfältig, ob geeignete Frauen unter den Bewerbern seien. Sein Unternehmen sei aber auch bemüht, den Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund sowie von homosexuellen Frauen und Männern im Management zu erhöhen. KPN hatte 2009 eine interne Quotenregelung beschlossen und ist mit einem Frauenanteil von knapp 30 Prozent im Aufsichtsrat den vom Parlament für 2016 ins Auge gefassten Anteil nahe gekommen.

Ministerin mahnt zu größerer Vielfalt

KPN-Direktor Rynders hatte in dem Interview gesagt, sein Unternehmen wende seit längerem keine spezifische Frauenquote mehr an. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen sei deutlich gestiegen. „Wir mussten in den vergangenen Jahren aus einem begrenzten Reservoir an Frauen schöpfen, da alle große Unternehmen in demselben Teich fischen“, sagte Rynders. Angeworben worden seien vor allem „weiße, zwischen 40 und 50 Jahre alte Frauen mit höherer Ausbildung und dem gleichen gesellschaftlichen Hintergrund“. Dass aus dem Ausland stammende männliche Bewerber das Nachsehen gehabt hätten, sei angesichts der Veränderungen der niederländischen Gesellschaft ein „unerwünschter Nebeneffekt.“

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Die für Gleichberechtigung zuständige Ministerin Jet Bussemaker hatte kürzlich beklagt, der Frauenanteil in Aufsichtsräten steige nach wie vor zu langsam an. Dennoch reagierte sie mit Interesse auf die Erkenntnisse von KPN zu den unerwünschten Nebenwirkungen von Frauenquoten. „Sie gelangen zu dem Schluss, dass Männer mit Migrationshintergrund benachteiligt werden und die Frauen eigentlich den Männern gleichen, die schon da sind“, sagte die sozialdemokratische Politikerin. Ziel müsse eine größere Vielfalt sein. Die Niederlande haben zwar die Zielmarke von 30 Prozent für den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen in Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern vorgegeben. Eine gesetzliche Verpflichtung, insbesondere den Plan der Europäischen Kommission für eine Frauenquote von mindestens 40 Prozent in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen bis spätestens 2020, lehnt die Regierung strikt ab.

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