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Neues Papier zu Engpässen : Netzbetreiber fürchten Stromausfall an Weihnachten

Lichtermeer zu Weihnachten? Oder müssen wir uns rückbesinnen und zum Kerzenschein zurückkehren? Bild: dpa

Europas Stromnetzbetreiber sehen in einem neuen Papier für den Winter eine kritische Versorgungslage in Deutschland voraus. Ausgerechnet zu Weihnachten könnten die Lichterketten an den Tannenbäumen ausgehen.

          Europas Stromnetzbetreiber warnen vor Versorgungsengpässen an Weihnachten in Deutschland. Dann könne es kritisch werden, stellt der Verband europäischer Netzbetreiber Entso-E in seinem nun vorgelegten Ausblick auf den Winter fest. Deutsche Netzbetreiber bestätigten die Analyse, wiesen aber darauf hin, sie hätten ausreichend Vorsorge getroffen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre könnte der Zeitraum um Weihnachten mit einem großen Stromüberschuss im deutschen Netz kritisch werden“, heißt es in dem Entso-E-Papier. Das könnte zu Preiseinbrüchen an der Strombörse und starken Frequenzschwankungen im Netz führen, weshalb die Netzbetreiber gezwungen sein könnten, Notfallreserven zu mobilisieren. Voriges Jahr war die Lage bei hoher Windstromeinspeisung an Weihnachten und zudem sehr milden Temperaturen kritisch gewesen.

          Große Kälte und Windstille könnten Probleme bringen

          Die deutschen Netzbetreiber würden wohl auch diesen Winter um die Aufrechterhaltung der Versorgung kämpfen müsse, heißt es in dem Report. Das gelte vor allem für Zeiten hoher Windstromeinspeisung im Norden und hohen Verbrauchs im Süden. Denn noch reichen die innerdeutschen Leitungen für den Stromtransport und die Steuerung der elektrischen Flüsse nicht aus. In dem Papier wird ferner auf das ungelöste Problem fehlender Kraftwerke in Süddeutschland hingewiesen, die auch für die Stabilität des Stromnetzes gebraucht werden.

          Als zweites Krisenszenario für die Wintermonate beschreibt der Report eine Zeit anhaltend großer Kälte und Windstille, bei der zugleich nicht ausreichend Gas für die Stromerzeugung zur Verfügung steht. Eine solche Krise, die allerdings ohne Abschaltungen gemeistert werden konnte, hatte es im Februar 2012 gegeben. Zwar sollen die Lieferverträge großer Gaskraftwerke inzwischen so umgestellt worden sein, dass sie im Zweifel nicht mehr unterbrochen werden können, weil andere Kunden bevorzugt werden. Doch wird in dem Entso-E-Report in Frage gestellt, ob ausreichende Mengen Gas bereitstünden. Zwar gebe es dafür aktuell keine Anzeichen, doch schreiben die Autoren weiter: „Grundsätzlich könnte es zu einer Krise der Gasversorgung und zu einer Reduzierung des Stromangebotes kommen.“

          „Beide Szenarien können zutreffen, aber wir haben das bei unseren Vorkehrungen für die Winterreserve berücksichtigt“, sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet, der für weite Teile Süd- und Norddeutschlands zuständig ist, auf Anfrage. Die Netzbetreiber hatten in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur ihre in- und ausländischen Reservekapazitäten auf 4,5 Gigawatt aufgestockt.

          In dem Entso-E-Report werden auch Zahlen für den Zubau an regenerativen Energien in Deutschland in diesem Jahr genannt. So werde die Erzeugungskapazität für Solarstrom (Photovoltaik) um 5,1 auf 36,3 Gigawatt wachsen, die für Windstrom um 3,7 auf 34,3 Gigawatt. Das reicht rechnerisch beinahe aus, die deutsche Stromnachfrage zu decken. 2012 wurde die Lastspitze laut Branchenverband BDEW mit 81,2 Gigawatt am 7. Dezember gemessen.

          Alles in allem zeichnet der Bericht für Europa ein weitgehend entspanntes Bild von Angebot und Nachfrage in der Winterstromversorgung. Die Analyse zeige, dass zwar einige Staaten, darunter Kroatien, Finnland, Lettland, Polen, Schweden und Ungarn, auf Importe angewiesen seien, um ihren Bedarf zu decken. Doch reiche das grenzüberschreitende Elektrizitätsangebot aus, ihre Bedürfnisse zu decken.

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