http://www.faz.net/-gqe-77hyp

Neuer Chef beim Hauptstadtflughafen : Mehdorn will Vertrauen wieder herstellen

  • Aktualisiert am

Hartmut Mehdorn soll möglichst schnell einen Eröffnungstermin für den Hauptstadtflughafen finden Bild: dapd

Hartmut Mehdorn wird von Montag an neuer Geschäftsführer des Berliner Hauptstadtflughafens. Er zieht sich bei Air Berlin komplett zurück. Klaus Wowereit lobt Mehdorn, der ein strengeres Nachtflugverbot ablehnt - und nicht über sein Gehalt reden will.

          Der ehemalige Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, tritt sein neues Amt als Chef des Berliner Pannenflughafens BER bereits am Montagmorgen an. Mehdorn sei für drei Jahre verpflichtet worden, sagte der Aufsichtsratschef des Flughafens, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), vor Journalisten in Berlin. Er habe bereits „vor einigen Tagen alles vertrauensvoll“ mit Mehdorn besprochen, der Aufsichtsrat habe den 70-Jährigen am Freitagmorgen zum Vorsitzenden des BER bestellt.

          Mehdorn verfüge über eine „reiche Berufserfahrung“, das Flugwesen sei ihm „wahrlich nicht fremd“, er habe die Fluggesellschaft Airberlin geführt und am Airbus mitgebaut. Auch die „politische Gemengelage“ von Personen und Strukturen sei ihm geläufig. Mehdorn selbst sagte, er wolle sich bemühen, das Vertrauen in den Flughafen wieder herzustellen. Er werde alles tun, um die Fertigstellung des BER zu beschleunigen und wünsche sich für diese „schwierige“ Aufgabe auch „Vorschusslorbeeren“. Er werde sich zunächst „ein Stück einarbeiten müssen“ und zu gegebener Zeit „Maßnahmen vermelden“.

          Mehdorn zieht sich deswegen vollständig bei Air Berlin zurück. Nach seinem Abgang als Vorstandschef bei Air Berlin im Januar war er noch im Verwaltungsrat der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft geblieben. „Ich werde mein Mandat bei der Air Berlin niederlegen, damit es da keinen Konflikt gibt“, kündigte Mehdorn bei seiner Präsentation. Air Berlin ist der wichtigste Kunde des Flughafens und hat wegen der verzögerten Eröffnung auf Schadenersatz geklagt. Mehdorn will derweil die Höhe seines Gehaltes nicht offenlegen. Über Geld wolle er nicht reden, sagte Mehdorn. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll Mehdorn mehr als eine halbe Million Euro im Jahr verdienen - allerdings auch deutlich weniger als eine Million Euro.

          Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) betonte, Mehdorn habe die Unterstützung aller drei Gesellschafter - Berlin, Brandenburg und der Bund. Mehdorn habe „in der Tat Ecken und Kanten, die wir ihm auch nicht mehr abschleifen werden“. Hier werde es sicher eine „Spannung“ geben, die aber „produktiv“ sei. Wowereit äußerte den Wunsch, dass mit Mehdorns Hilfe nun „so zügig wie möglich“ ein Eröffnungstermin sichergestellt werden könne.

          Peter Ramsauer
          Peter Ramsauer : Bild: AFP

          Mehdorn lehnte bei der Präsentation ein strengeres Nachtflugverbot ab: „Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung“. Er wolle „sehen, ob es nicht andere Kompromisslinien gibt“. In anderen Hauptstädten gebe es auch keine Restriktion der Flugzeiten - Berlin müsse sich an diese internationalen Standards gewöhnen. Ein strengeres Nachtflugverbot sei schlecht für Flughafen und Standort, sagte Mehdorn. Aufsichtsrats-Chef Platzeck setzt sich als Brandenburgs Ministerpräsident für mehr Nachtruhe am Flughafen ein. Er will das bisher geplante Flugverbot auf die Zeit von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr ausdehnen.

          Der ehemalige Chef des BER, Rainer Schwarz, war im Januar entlassen worden, nachdem die Eröffnung des neuen Großflughafens mehrfach verschoben worden war. Zuletzt hatten die Planer den Termin im Oktober 2013 absagen müssen, weil noch zu viele technische Mängel an der Baustelle zu beseitigen sind. Der als Chefberater vorgesehene ehemalige Chef der Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, hatte vor einigen Tagen abgesagt.

          Hartmut Mehdorn
          Hartmut Mehdorn : Bild: dpa

          „Ich freue mich, dass wir Hartmut Mehdorn als neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der FBB gewinnen konnten“, erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Freitag in Berlin. Er  erklärte, Mehdorn habe „in verschiedenen Funktionen bei bedeutenden deutschen Unternehmen große Erfolge“ zu verzeichnen. Er besitze „hervorragende Management-Fähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz“. Mehdorn folge „auch ein Stück weit einer patriotischen Berufung“, eine solche „Herausforderung von nationaler Tragweite anzupacken“.

          Die deutsche Luftfahrtbranche begrüßte die Berufung Mehdorns. Es sei gut, dass die Hängepartie endlich vorüber sei, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Klaus-Peter Siegloch, am Freitag. Nun müssten alle Beteiligten mit aller Kraft zusammenarbeiten, damit der Flughafen BER eröffnet werden könne. Wichtig sei auch, die mit der Region erarbeiteten und vom Bundesverwaltungsgericht bestätigten Betriebszeiten des Airports durchzusetzen. Sie gehörten wesentlich zur Planungssicherheit. Das Land Brandenburg will längere Zeiten der Nachtruhe erreichen.

          Klaus Wowereit
          Klaus Wowereit : Bild: dapd

          Nach Ansicht von Grünen-Fraktionschefin Renate Künast ist die Berufung Mehdorns indes ein Fehler. „So setzt sich die Flughafengesellschaft endgültig dem Gespött aus“, sagte Künast „Spiegel online“. „Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat zuverlässig vom Gegenteil.“ Gebraucht werde ein erfahrener Manager, Mehdorn dagegen habe als Bahnchef zehn Jahre lang das „Milliardengrab“ Stuttgart 21 betrieben.

          Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring zeigt sich skeptisch, ob Mehdorn das Chaos am Pannenflughafen BER schnell wird beenden können. Der designierte neue Geschäftsführer „kann Führung und harte Hand“ und kenne sich mit Fluggesellschaften aus, sagte Döring am Freitag dem Berliner „Tagesspiegel“. „Aber ob er das Chaos am BER wirklich richten kann, das muss man erst noch sehen. Denn es fehlt vor allem auch Führung im Detail, und da kennt sich Mehdorn beim BER auch nicht aus.“ Mehdorn allein könne das Projekt sicherlich nicht retten. 

          Der 70 Jahre alte Mehdorn war erst im Januar als Vorstandschef von Air Berlin abgetreten. Er verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung als Spitzenmanager von Großkonzernen. Mehdorn gehörte unter anderem dem Vorstand der EADS-Vorläufergesellschaft Dasa an, führte die Heidelberger Druckmaschinen AG, stand an der Spitze der Deutschen Bahn und zuletzt der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin. Er gilt als tatkräftig, durchsetzungsstark und verfügt aus seiner Zeit bei der Bahn auch über langjährige Erfahrungen in der Führung eines Staatsunternehmens.

          Quelle: FAZ.NET/Reuters/dpa/AFP

          Weitere Themen

          Ehrenrunde sorgt für Diskussionen Video-Seite öffnen

          Air-Berlin-Flug : Ehrenrunde sorgt für Diskussionen

          Ein Manöver am Flughafen Düsseldorf am Montag könnte einem Air-Berlin-Piloten vielleicht noch Ärger einbringen. Auf seinem letzten Langstrecken Flug von Miami nach Düsseldorf zieht der Flugkapitän statt zu landen hoch und saust noch einmal am Tower vorbei. Das Luftfahrtbundesamt forderte Air Berlin auf, Stellung zu dem Vorfall zu nehmen.

          Führungschaos in der Bahn

          Neuer Vorstand : Führungschaos in der Bahn

          Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn scheitert abermals mit der Besetzung des Vorstands. Die für Donnerstag anberaumte Aufsichtsratssitzung ist abgesagt, Cargo-Chef Jürgen Wilder gibt auf.

          Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht Video-Seite öffnen

          Düsseldorf : Dogan Akhanli bei Rückkehr nach Deutschland bedroht

          Der deutschtürkische Schriftsteller Dogan Akhanli ist bei Rückkehr nach Deutschland am Flughafen in Düsseldorf beschimpft und bedroht worden. Am Ausgangsbereich rief ihm ein unbekannter Mann auf türkisch zu, er sei ein Landesverräter. Auch dieses Land, gemeint war wohl Deutschland, könne ihn nicht beschützen.

          Topmeldungen

          Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen.

          „Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

          Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.
          Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kann im Katalonien-Konflikt auf die Unterstützung aus der Opposition hoffen.

          Konflikt in Spanien : Selten harmonisch

          Von der Minderheitsregierung zur gefühlten großen Koalition: Die Katalonien-Krise eint die Parteien in Madrid. Sie wollen die Wahl eines neuen Regionalparlaments in Katalonien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.