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Neuer Bundestag : Jeder zehnte Abgeordnete hat Wirtschaft studiert

Viele Parlamentarier geben als Beruf „Wirtschaftsberater“ an. Bild: dpa

Die FDP muss weichen. Wo sitzt jetzt wirtschaftlicher Sachverstand im Parlament? Gibt es noch Unternehmer und Freiberufler? Ein Blick in den neuen Bundestag.

          Im frisch gewählten 18. Bundestag sind Selbständige und Unternehmer in der Minderheit. Doch wer nicht nur nach großen Namen sucht, findet einiges an Wirtschaftssachverstand. Ein Unternehmerbeispiel: Hans Michelbach, direkt gewählter CSU-Abgeordneter aus dem Wahlkreis Coburg/Kronach. Der Groß- und Einzelhandelskaufmann, der seit 1994 im Bundestag sitzt, ist Kaufhauseigentümer. Als wirtschaftspolitisches Aushängeschild der Unionsfraktion fungiert außerdem seit vielen Jahren Michael Fuchs, promovierter Apotheker und Chef einer größeren Unternehmens- und Immobiliengruppe in Koblenz. Ebenfalls Unternehmer ist der Berliner Raumausstatter Frank Steffel, dessen Firmengrupppe 700 Mitarbeiter hat und der seinen Wahlkreis in Reinickendorf zum zweiten Mal gewann.

          Henrike Roßbach

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Auch Christian Freiherr von Stetten, für die CDU seit 2002 als direkt gewählter Abgeordneter aus Schwäbisch Hall im Bundestag, ist Unternehmer. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion gründete noch als Student sein erstes Unternehmen. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter der Stetten Bau in Künzelsau, einem Maklerunternehmen. Philipp Murmann wiederum, ebenfalls CDU, gehört das 100 Mitarbeiter große Familienunternehmen Zöllner aus Kiel, das Signalanlagen baut; von Signalhörnern für Schiffe bis zu automatischen Warnanlagen für Gleise. Und der CDU-Abgeordnete Thomas Jarzombek ist geschäftsführender Gesellschafter der IT-Service-Firma Releon in Düsseldorf.

          Eher selten sind Unternehmer bei SPD, Grünen und Linken vertreten. Aber auch dort bestätigen Ausnahmen die Regel: Der Grüne Thomas Gambke, seit 2009 im Bundestag, ist der einzige „echte“ Unternehmer seiner Fraktion. Nach einer Karriere beim Spezialglashersteller Schott gründete er 2006 Lithoglas, ein Betrieb mit 15 Beschäftigten. Der Volkswirt Axel Troost, seit 1984 geschäftsführender Gesellschafter des Bremer Progress-Instituts für Wirtschaftsforschung, sitzt seit 2005 für die Linken im Parlament. Der Linke Diether Dehm führt als Tätigkeiten „Liedermacher, Unterhaltungsmanager und Buchautor“ auf. Ähnlich schillernd ist der Lebenslauf des Neulings Karl-Heinz (Charles M.) Huber (CDU), der als Schauspieler bekannt wurde und zudem die Berufe „Zahntechniker, Filmschaffender, Autor, Berater für Afrikafragen“ angibt.

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          Wegen des guten Wahlergebnisses kommen für die CDU weitere Neulinge mit Wirtschaftserfahrung nach Berlin. Etwa Helmut Nowak, Chef des Leverkusener Brillenherstellers Meitzner & Meitzner. Oder Stefan Albani, geschäftsführender Gesellschafter eines Hörzentrums in Oldenburg, und Roy Kühne, Physiotherapeut und Inhaber eines Gesundheitszentrums in Northeim. Ohnehin ist der Anteil derer, die Wirtschaftskompetenz ins Parlament bringen, höher als vermutet: Etwa ein Zehntel der 630 Abgeordneten kann ein Wirtschaftsstudium vorweisen. Insgesamt finden sich zwar die meisten Abgeordneten mit unternehmerischen Hintergrund in der Unionsfraktion. Besonders viele studierte Ökonomen allerdings gibt es in den Reihen der Linken.

          Viele Parlamentarier geben als Beruf „Wirtschaftsberater“ an, etwa der niedersächsische CDU-Abgeordnete Enak Ferlemann, in der vorigen Wahlperiode Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der CDU-Finanzpolitiker Klaus-Peter Flosbach, die CDU-Politiker Carsten Körber und Gunther Krichbaum sowie der SPD-Abgeordnete und Solar-Unternehmer Karl-Heinz Brunner.

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