Home
http://www.faz.net/-gqg-14b2l
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Neue Kapitalregeln Ackermann warnt vor Überforderung der Banken

16.11.2009 ·  Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat angeregt, schärfere Eigenkapitalregeln nur zeitlich gestaffelt einzuführen und Vorschriften nicht an der Größe, sondern am Risiko einer Bank festzumachen. Ein europäischer Stützungsfonds soll Kreditinstituten in Not helfen.

Von Hanno Mußler
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (11)

Josef Ackermann hat davor gewarnt, dass strengere Regeln für die Banken mehr Kosten als Nutzen für die Allgemeinheit stiften könnten. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank regte auf einer Bankentagung in Frankfurt an, schärfere Eigenkapitalregeln für die Banken nur zeitlich gestaffelt einzuführen und Vorschriften für größere Kapital- und Liquiditätspuffer nicht an der Größe, sondern dem Risiko einer Bank festzumachen. Darüber hinaus sprach sich Ackermann für einen von Banken und Staaten gemeinsam gespeisten europäischen Fonds aus, der Kreditinstitute in Not mit neuem Kapital ausstatten oder für deren geordnete Abwicklung sorgen solle.

Mit seiner Rede reagiert Ackermann darauf, dass von den G20-Staaten strengere Eigenkapitalanforderungen für Verbriefungen und Vermögenswerte der Banken im Handelsbuch angekündigt sind. Ackermann rechnet damit, dass es noch weitere gesetzliche Verschärfungen geben wird, so dass Banken künftig deutlich mehr und auch qualitativ höherwertigeres und Eigenkapital vorhalten müssen. Das sei grundsätzlich auch eine richtige Lehre aus der Finanzkrise. Aber die neuen Regeln dürften die Fähigkeit des Bankensystems nicht übermäßig einschränken. Zwar betonten die Aufsichtsbehörden immer wieder, dass höhere Eigenkapitalanforderungen nicht wirksam werden sollen, bis die wirtschaftliche Erholung eingesetzt habe. „Gelegentlich mag aber unterschätzt werden, dass bereits die Ankündigung der neuen Regeln ihren Schatten vorauswerfen wird – konkret: die Banken veranlasst, Aktiva zu reduzieren oder deren Wachstum einzuschränken“, warnte Ackermann.

Weber erwartet keine Kreditklemme

Ohne das Wort Kreditklemme in den Mund zu nehmen, sagte Ackermann, es könnte sein, dass die Banken bei Einführung zu strenger Eigenkapitalregeln die zur Finanzierung von Wachstum einer Volkswirtschaft nötigen Mittel nicht bereit stellen könnten. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, betonte, dass er keine Kreditklemme erwarte. Weber gab aber zu, die schärferen Eigenkapitalvorschriften und drohende Kreditausfälle der Banken durch Unternehmensinsolvenzen seien ein Risiko (Euroraum-Banken vergeben erstmals weniger Kredite). Banken sollten daher auch keine Scheu haben, die über den deutschen Rettungsfonds der Bundesregierung Soffin angebotenen Hilfen zu nutzen, appellierte Weber. Wolfgang Kirsch, der Vorstandsvorsitzende der DZ Bank, betonte, das vom ihm geführte Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken werde auch aus ordnungspolitischen Gründen alles tun, neben der Deutschen Bank die einzige deutsche Großbank zu bleiben, die in der Krise ohne Staatshilfe und öffentliche Eigner ihr Kapital um 1 Milliarde Euro gestärkt habe.

Ackermann nannte die Idee einer Zerschlagung von Banken eine „zu schlichte Folgerung“ aus der Tatsache, dass in der Finanzkrise systemrelevante Banken fast sicher mit der Rettung durch den Staat rechnen durften. Ackermann betonte, ohne Sparkassen und Volksbanken zu nennen, auch Gruppen kleiner Banken könnten „systemrelevant“ sein, wenn sie das gleiche Geschäftsmodelle hätten. „Die Vorstellung, wir könnten moderne, entwickelte, international verflochtene Volkswirtschaften mit einer Reihe mittelgroßer Banken finanzieren, ist illusorisch.“ Es werde oft übersehen, welchen Wert gerade große Banken für eine Volkswirtschaft und die Finanzierung multinationaler Unternehmen hätten. Die Idee, Banken zu zerschlagen, werde irrelevant, wenn eine Antwort auf die entscheidende Frage gefunden werde: „Wie gelingt es uns, auch große und komplexe Institute im Krisenfall geordnet abzuwickeln?“

Als erster Banker sprach sich Ackermann für einen europäischen Bankenrettungsfonds aus und griff damit eine Anregung des deutschen Sachverständigenrats auf. Als Vorteile eines Stabilisierungsfonds auf europäischer Ebene nannte Ackermann, dass die Bedingungen einer Rettung für alle Banken „im Voraus“ bekannt wären und eine innereuropäische Lastenverteilung zwischen Banken und Staaten erfolgte. Außerdem brächte ein europäischer Bankenfonds auch eine europäische Finanzaufsicht näher – ein Ziel, das Ackermann befürwortet, während er derzeit durch die schärfere Bankenregulierung eine Renationalisierung der Bankenmärkte befürchtet.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Eine deutsche Bank

Von Gerald Braunberger

Josef Ackermann verlässt die Deutsche Bank, die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen übernimmt. Das Kredithaus agiert überall auf der Welt - von der Rolle eines Weltmarktführers ist die Bank allerdings weit entfernt. Mehr 3

30.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.280,80 −1,81%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.368,84 −1,82%
Dow Jones 12.419,90 −1,28%
EUR/USD 1,2370 +0,01%
Rohöl Brent Crude 103,24 $ −0,01%
Gold 1.540,00 $ −2,50%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.