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Neue Erhebung Zahlung von Weihnachtsgeld driftet auseinander

02.11.2009 ·  Einer Umfrage zufolge muss jeder zehnte Arbeitnehmer Einbußen beim Weihnachtsgeld hinnehmen. Der Rest kann trotz der Krise mit Aufschlägen rechnen.

Von Sven Astheimer
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Die Weihnachtsgeldzahlungen werden für einen Großteil der mehr als 27 Millionen Beschäftigten in Deutschland in diesem Jahr deutlich auseinandergehen. Das liegt an einer Kombination aus Wirtschaftskrise und teilweise üppigen Tariferhöhungen in einigen Branchen. Eine Auswertung von 23 Branchen hat ergeben, dass die Sonderzahlungen zwischen 1,5 und 7,3 Prozent höher ausfallen werden als im Vorjahr, wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Montag mitteilte. Daraus ergebe sich für die mittleren Vergütungsgruppen eine Steigerung zwischen 16 und 117 Euro.

Andererseits ergab eine repräsentative WSI-Umfrage unter mehr als 2000 Betriebsräten, dass in jedem zehnten Unternehmen Kürzungen der Jahressonderzahlungen entweder schon vorgenommen wurden oder in Planung sind. In den Wirtschaftszweigen mit exportorientierten Branchen liegt der Wert noch höher: Im Investitions- und Gebrauchsgüterbereich, wozu das Verarbeitende Gewerbe zählt, waren 15 Prozent der Unternehmen von den Einsparungen betroffen, in der Sparte Grundstoffe und Produktionsgüter sogar 20 Prozent. Hierzu zählt etwa die chemische Industrie.

Weil die Umfrage nur Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern und einem Betriebsrat einschließt, dürften die tatsächlichen Zahlen nach Einschätzung des Tarifarchivleiters Reinhard Bispinck noch höher liegen. „Wir gehen von einer gewissen Untererfassung aus, weil eine Kürzung des Weihnachtsgelds ohne Betriebsrat leichter umsetzbar sein dürfte.“ Auch Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft Köln hält angesichts des Einbruchs der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr einen höheren Wert für möglich.

Öffnungsklauseln erlauben, vom Weihnachtsgeld abzuweichen

Die meisten Flächentarifverträge beinhalten Öffnungsklauseln, die erlauben, vom Weihnachtsgeld abzuweichen. In der chemischen Industrie gibt es sogar zwei Wege. Zum einen kann ein Unternehmen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG BCE vereinbaren, das tarifliche Weihnachtsgeld in Höhe von 95 Prozent eines Monatslohns entweder zu senken oder die Zahlung zu strecken. Im vergangenen Jahr machten davon 34 Unternehmen Gebrauch, in diesem Jahr sind es nach Gewerkschaftsangaben bislang schon 62 Prozent. Dies sei angesichts von 1900 Unternehmen jedoch immer noch ein relativ geringer Anteil. Weniger als 30 Unternehmen nahmen die zweite Lösung in Anspruch und vereinbarten mit ihren Belegschaften, in den kommenden Jahren das Weihnachtsgeld je nach Geschäftsentwicklung innerhalb eines Korridors von 80 bis 125 Prozent eines Monatslohns gleiten zu lassen. Die Beschäftigten des Weltmarktführers BASF dürfen sich am Jahresende über einen Zuwachs des Weihnachtsgelds freuen, weil ihr Arbeitgeber die Tariferhöhung vom April um 3,3 Prozent voll weitergeben wird.

Auch viele der mehr als 3 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie können wegen der Lohnerhöhung um 4,2 Prozent mit einer Weihnachtsgelderhöhung rechnen. Zumindest für die tarifgebundenen Unternehmen sind nach Angaben eines Sprechers des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall nur wenige Abweichungen bekannt. Der hohe Kostendruck würde vielerorts anderweitig abgefangen, hieß es, „die Kurzarbeit steht hier ganz klar an erster Stelle.“ Während eine Senkung des Weihnachtsgelds nur durch einen aufwändigen Ergänzungstarifvertrag im Rahmen des „Pforzheimer Modells“ möglich ist, kann Kurzarbeit schon auf der Grundlage einer Betriebsvereinbarung in Kraft treten. Zudem kommt die Arbeitslosenversicherung für rund ein Drittel des Lohnausfalls der Arbeitnehmer auf.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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