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Netzagentur-Präsident Homann : „Die Telekom stellt ein Grundprinzip der Regulierung in Frage“

  • Aktualisiert am

Jochen Homann Bild: Marc-Steffen Unger

Die Pläne der Deutschen Telekom für den Breitbandausbau werfen in der Netzagentur viele Fragen auf. Einen Freifahrschein wird es kaum geben.

          Die Deutsche Telekom will viele Milliarden in den Ausbau des schnellen Breitbandnetzes und die Vectoring-Technik investieren, wenn die Bundesnetzagentur die Regulierung lockert. Wie stehen die Chancen?

          Es werden derzeit viele Diskussionen darüber geführt, welche Folgen die Telekom-Pläne für den Wettbewerb hätten. Im Kern beansprucht die Deutsche Telekom den alleinigen Zugriff auf die letzte Meile zwischen den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand, und den Haushalten. Die eigenständige Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung auf diesem wichtigen Abschnitt durch Wettbewerber wäre dann ausgeschlossen. Ein Grundprinzip der bisherigen Regulierung des Telekommunikationsmarktes würde in Frage gestellt. Das muss man sich vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte des Zugangs zur letzten Meile in Deutschland natürlich sehr genau anschauen.

          Ohne die Alleinkontrolle der letzten Meile funktioniert aber die Technik nicht? Es kann also nur einen geben...

          Diesen Eindruck hat die Deutsche Telekom zumindest mit ihrem Highlander-Prinzip erweckt. Wir informieren uns selbst sehr sorgfältig darüber, welche weiteren Entwicklungen sich abzeichnen könnten. So könnte es künftig möglicherweise Verfahren geben, die es erlauben, Vectoring auch ohne einen Exklusivanspruch auf den Schaltkasten zu nutzen. Hier stehen wir noch am Anfang. Im Übrigen kann man sich auch andere Lösungen vorstellen, als die letzte Meile vollständig für den Wettbewerb zu sperren.

          Zum Beispiel?

          Ein Ansatz in der aktuellen Diskussion ist das „First Mover“-Prinzip. Oder auf Deutsch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Danach könnte das Unternehmen, das ein Gebiet als Erstes mit Glasfaser erschließt, dann auch das Recht bekommen, dort die Vectoring-Technik einzusetzen. Dort, wo sie ihr VDSL-Netz ausgebaut hat, wäre also die Telekom am Zuge, anderswo könnte es ein Wettbewerber sein. Aber das ist bisher alles Spekulation. Wir sollten versuchen, die Debatte zu entspannen. Vielleicht lässt sich die Sache auch einigermaßen schiedlich-friedlich regeln, ohne dass daraus ein riesiges Regulierungsthema wird.

          Das hört sich so an, als müsse sich die Telekom noch geraume Zeit gedulden...

          Das haben die Unternehmen zu einem großen Teil selbst in der Hand, indem sie gemeinsam konstruktiv nach einvernehmlichen Lösungen suchen und so zügig möglichst viele Streitthemen aus dem Weg räumen. Wenn die Telekom einen Antrag stellt, werden wir allen interessierten Marktakteuren noch einmal die Gelegenheit geben, ihre jeweiligen Positionen ausführlich darzulegen, und anschließend eine Entscheidung treffen. Wir fangen nicht bei null an und könnten dann sehr schnell zu einem Ergebnis kommen.

          Wie beurteilen Sie die Forderungen nach einer staatlich zu fördernden Grundversorgung mit schnellem Internet?

          Die Bundesnetzagentur hält einen solchen Universaldienst für verfehlt. Bereits getätigte Investitionen in das Netz würden entwertet, geplante Investitionen gegebenenfalls verhindert. Andererseits ist auch klar, dass man die Breitbandziele nicht mit einer Einheitsstrategie und Einheitstechnologie für ganz Deutschland wird erreichen können. Deshalb setzen wir auf einen Technologiemix, zu dem auch die Funktechnologie gehört. Der Wettbewerb allein wird aber wohl eine 50-Megabit-Versorgung nicht bis in jedes Dorf bringen können. Dazu wäre eine gewisse öffentliche Förderung notwendig. Dabei sollte von Fall zu Fall entschieden werden, welches Modell das beste ist.

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