http://www.faz.net/-gqe-74zo0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.12.2012, 08:31 Uhr

Netzagentur-Präsident Homann „Die Telekom stellt ein Grundprinzip der Regulierung in Frage“

Die Pläne der Deutschen Telekom für den Breitbandausbau werfen in der Netzagentur viele Fragen auf. Einen Freifahrschein wird es kaum geben.

© Marc-Steffen Unger Jochen Homann

Die Deutsche Telekom will viele Milliarden in den Ausbau des schnellen Breitbandnetzes und die Vectoring-Technik investieren, wenn die Bundesnetzagentur die Regulierung lockert. Wie stehen die Chancen?

Es werden derzeit viele Diskussionen darüber geführt, welche Folgen die Telekom-Pläne für den Wettbewerb hätten. Im Kern beansprucht die Deutsche Telekom den alleinigen Zugriff auf die letzte Meile zwischen den Kabelverzweigern, den grauen Kästen am Straßenrand, und den Haushalten. Die eigenständige Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung auf diesem wichtigen Abschnitt durch Wettbewerber wäre dann ausgeschlossen. Ein Grundprinzip der bisherigen Regulierung des Telekommunikationsmarktes würde in Frage gestellt. Das muss man sich vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte des Zugangs zur letzten Meile in Deutschland natürlich sehr genau anschauen.

Ohne die Alleinkontrolle der letzten Meile funktioniert aber die Technik nicht? Es kann also nur einen geben...

Diesen Eindruck hat die Deutsche Telekom zumindest mit ihrem Highlander-Prinzip erweckt. Wir informieren uns selbst sehr sorgfältig darüber, welche weiteren Entwicklungen sich abzeichnen könnten. So könnte es künftig möglicherweise Verfahren geben, die es erlauben, Vectoring auch ohne einen Exklusivanspruch auf den Schaltkasten zu nutzen. Hier stehen wir noch am Anfang. Im Übrigen kann man sich auch andere Lösungen vorstellen, als die letzte Meile vollständig für den Wettbewerb zu sperren.

Zum Beispiel?

Ein Ansatz in der aktuellen Diskussion ist das „First Mover“-Prinzip. Oder auf Deutsch: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Danach könnte das Unternehmen, das ein Gebiet als Erstes mit Glasfaser erschließt, dann auch das Recht bekommen, dort die Vectoring-Technik einzusetzen. Dort, wo sie ihr VDSL-Netz ausgebaut hat, wäre also die Telekom am Zuge, anderswo könnte es ein Wettbewerber sein. Aber das ist bisher alles Spekulation. Wir sollten versuchen, die Debatte zu entspannen. Vielleicht lässt sich die Sache auch einigermaßen schiedlich-friedlich regeln, ohne dass daraus ein riesiges Regulierungsthema wird.

Das hört sich so an, als müsse sich die Telekom noch geraume Zeit gedulden...

Das haben die Unternehmen zu einem großen Teil selbst in der Hand, indem sie gemeinsam konstruktiv nach einvernehmlichen Lösungen suchen und so zügig möglichst viele Streitthemen aus dem Weg räumen. Wenn die Telekom einen Antrag stellt, werden wir allen interessierten Marktakteuren noch einmal die Gelegenheit geben, ihre jeweiligen Positionen ausführlich darzulegen, und anschließend eine Entscheidung treffen. Wir fangen nicht bei null an und könnten dann sehr schnell zu einem Ergebnis kommen.

Wie beurteilen Sie die Forderungen nach einer staatlich zu fördernden Grundversorgung mit schnellem Internet?

Die Bundesnetzagentur hält einen solchen Universaldienst für verfehlt. Bereits getätigte Investitionen in das Netz würden entwertet, geplante Investitionen gegebenenfalls verhindert. Andererseits ist auch klar, dass man die Breitbandziele nicht mit einer Einheitsstrategie und Einheitstechnologie für ganz Deutschland wird erreichen können. Deshalb setzen wir auf einen Technologiemix, zu dem auch die Funktechnologie gehört. Der Wettbewerb allein wird aber wohl eine 50-Megabit-Versorgung nicht bis in jedes Dorf bringen können. Dazu wäre eine gewisse öffentliche Förderung notwendig. Dabei sollte von Fall zu Fall entschieden werden, welches Modell das beste ist.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
WLAN in Zügen Ein Silberstreif am Bahndamm

Theoretisch sollten die Züge mit Telekom-Hotspots ausgerüstet sein, praktisch hakt es jedoch immer wieder. Woran liegt das eigentlich? Mehr Von Andrea Diener

04.05.2016, 16:04 Uhr | Feuilleton
Flüchtlingskrise EU-Kommission legt Optionen für Reform des Asylsystems vor

Angesichts der Flüchtlingskrise will die EU-Kommission das Asylsystem vereinheitlichen. Ziel ist es, dass Menschen nicht mehr die oft lebensbedrohliche Reise Richtung Europa antreten. Mehr

06.04.2016, 16:40 Uhr | Politik
Reform-Check Die Zwischenbilanz von Tsipras fällt dürftig aus

In Amsterdam tagt die Eurogruppe. Erste Stimmen äußern sich optimistisch. Dabei sind in Griechenland noch einige Baustellen offen. FAZ.NET macht den Reform-Check. Mehr Von Tobias Piller, Rom

22.04.2016, 10:16 Uhr | Wirtschaft
Rennen in der Wüste Entspannung für Kamele in Katar

In Katar sind Kamelrennen ein gewinnbringendes Geschäft, Rennkamele eine Investition. Dementsprechend werden die Kamele im großen Stil gezüchtet, gehegt und gepflegt. Da dürfen die Tiere auch mal in den Pool, um zwischen den Rennen mal richtig zu entspannen. Mehr

02.05.2016, 08:50 Uhr | Gesellschaft
Netzrätsel Hat man da noch Töne?

Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: ein Tongenerator für alle Lebenslagen Mehr Von Jochen Reinecke

01.05.2016, 08:00 Uhr | Wissen

Wo die wahre Action ist

Von Carsten Knop

Die Actionkameras von Go Pro waren eine Zeit lang der große Renner. Aber die Erfolgsgeschichte ist zu einem jähen Ende gekommen. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Gestiegenes Armutsrisiko Arme Zuwanderung lässt Mittelschicht schrumpfen

Mehr Reiche, mehr Arme und weniger dazwischen: Seit der Wiedervereinigung ist der Anteil der Mittelschicht von 60 auf 54 Prozent der Bevölkerung gesunken. Was die Zuwanderung damit zu tun hat. Mehr Von Philip Plickert 35

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“