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„Negative Strompreise“ : Verbraucher zahlen für Überangebot an Öko-Strom

Noch ist es für die Stromproduzenten ökonomisch günstiger, Kohlekraftwerke durchlaufen zu lassen, statt Speicher zu bauen Bild: dpa

Stromkunden müssen von Januar an über die Öko-Strom-Umlage dafür bezahlen, wenn ein Überangebot an Strom dazu führt, dass Öko-Strom nur noch „verkauft“ werden kann, wenn der Anbieter dem Abnehmer dafür eine Prämie zahlt. 18mal schon sind 2009 „negative Preise“ notiert worden.

          Strom könnte im kommenden Jahr für die deutschen Verbraucher teurer werden - aber nicht weil die Konzerne mehr verlangen, sondern weil überschüssiger Windstrom anfällt, der nur an den Mann gebracht werden kann, wenn der Verkäufer dem Käufer dafür etwas bezahlt. Das ist ungewöhnlich, denn normalerweise zahlt der Käufer dem Verkäufer. Weil aber zuweilen so viel Wind bläst, finden sich für den damit produzierten Strom nicht genug Käufer. Um den Strom loszuwerden, muss der Verkäufer draufzahlen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Allein in diesem Jahr hat die Bundesnetzagentur 18 Mal negative Preise registriert. Anfang Oktober waren es nach Angaben eines Marktteilnehmers sogar kurzzeitig bis zu 1500 Euro je Megawattstunde. So viel mussten die Verkäufer zahlen, um Abnehmer für ihren Strom zu finden. In normalen Zeiten bekommt ein Verkäufer derzeit etwa 50 Euro für die Lieferung einer Megawattstunde Strom.

          Nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) trägt am Ende vor allem der deutsche Stromkunde die Kosten für negative Preise. Wie hoch die Zusatzkosten unter dem Strich ausfallen, ist noch nicht absehbar. Das hängt vom weiteren Zubau erneuerbarer Energien ab und von einer marktnahen und "intelligenten" Nachfragesteuerung. Käme es künftig häufiger zu Negativpreisen an der Börse, womit die Börsenbetreiber nach einer Gesetzesänderung rechnen, fiele die Umlage für Erneuerbare Energien auf der Stromrechnung umso höher aus (Angebot und Nachfrage: An Wochenenden gibt es Strom-Schnäppchen).

          Die Verbraucher zahlten damit aber nicht für zusätzlich erzeugten Ökostrom, sondern dafür, dass der hierzulande aufwendig produzierte grüne, kohlendioxidfreie Strom anderswo verbraucht wird. "Bei negativen Preisen steigt die Umlage, ohne dass mehr grüner Strom ins Netz eingespeist wird", bestätigt denn auch die Bundesnetzagentur. In diesem Jahr können Netzbetreiber die Verluste als Folge negativer Preise noch nicht umlegen (Strom-Tarifrechner).

          Vattenfall: Bedrohlicher Fall von Marktversagen

          Um die Kosten zu begrenzen, hat der Netzbetreiber Vattenfall Europe Transmission bei der Bundesnetzagentur schon eine geheim gehaltene Untergrenze für Negativpreise durchgesetzt. "Das ist ein Fall von Marktversagen, der für unser Unternehmen existenzbedrohend sein könnte", sagt der Chef der Netzsparte, Stefan Dohler. Im nächsten Jahr kann er die Kosten zwar auf die Netznutzer umlegen, doch muss er die Vorfinanzierung für Millionenbeträge alleine stemmen.

          Für die Stromkäufer, etwa ausländische Pumpspeicherwerkbetreiber, bedeuten die Tage mit negativen Preisen einen doppelten Gewinn: Zuerst bekommen sie Geld dafür, um ihre Pumpwasserspeicher mit deutschem Ökostrom zu füllen, sodann erzeugten sie selbst Elektrizität und verkaufen diese zurück - auch nach Deutschland. "Ein schönes Geschäft auf Kosten deutscher Stromverbraucher", nennt das der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler.

          Vom nächsten Jahr an könnte das öfter vorkommen. Denn dann sind die Netzbetreiber verpflichtet, Ökostrom, für den sie die EEG-Fördersätze an die Erzeuger zahlen, vollständig am Spotmarkt der Börse zu verkaufen. Dort dürfte sich die Menge des angebotenen Stroms glatt verdoppeln und damit die Zahl der "Preisausreißer" zunehmen, erwarten Fachleute. Die Netzbetreiber dürfen Ökostrom nicht ablehnen, sie müssen jede angebotene Kilowattstunde einspeisen.

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