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Nachruf Aldi-Gründer Theo Albrecht gestorben

28.07.2010 ·  Aus kleinsten Anfängen mit einem Lebensmittelladen in Essen formte Theo Albrecht zusammen mit seinem Bruder Karl ein einzigartiges Einzelhandelsimperium. Sparsam und verschwiegen blieb der Aldi-Unternehmensgründer bis zu seinem Tod mit 88 Jahren.

Von Brigitte Koch, Düsseldorf
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Er gehörte zu den großen Unternehmerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Obwohl stets fern jeglicher Öffentlichkeit wirkend, haben er und sein Bruder Karl die gesamte Einzelhandelsbranche entscheidend geprägt, wenn nicht gar revolutioniert. Am vergangenen Samstag ist der Aldi-Gründer und Pionier des deutschen Discounthandels, Theo Albrecht, im Alter von 88 Jahren in seiner Geburtsstadt Essen nach längerer Krankheit verstorben. Theo war Herrscher über das Aldi-Reich Nord. Sein zwei Jahre älterer Bruder Karl, der sich noch recht guter Gesundheit erfreut, regiert über Aldi Süd.

„Qualität ganz oben - Preis ganz unten“, so lauten das Erfolgrezept und der unternehmerische Leitspruch, der noch heute für die Unternehmensgruppe des Verstorbenen gilt. „Wir wollen, dass die Verbraucher die wichtigsten Lebensmittel ganz in ihrer Nähe, immer frisch, immer von hoher Qualität und immer zum günstigen Preis kaufen können“, wird das Aldi-Prinzip auf der Internetseite des in Essen firmierenden Handelsunternehmens beschrieben.

Aus diesen kleinsten Anfängen bauten die beiden Brüder eine kleine Kette auf

Albrecht entstammte einer Kaufmannsfamilie. Die Mutter hatte im Essener Bergarbeitervorort Schonebeck einen kleinen Lebensmittelladen betrieben, mit dem sie wegen der Erkrankung des Vaters die Familie durchbringen musste. Dort machte er nach Abschluss der Mittelschule eine Lehre und übernahm nach der Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft 1946 gemeinsam mit seinem Bruder das Geschäft.

Aus diesen kleinsten Anfängen bauten die beiden, seit Jahren ganz oben auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt stehenden Brüder eine kleine Kette auf, die sich Mitte der fünfziger Jahre schon auf das gesamte Ruhrgebiet erstreckte. Anfang der sechziger Jahre teilten die Brüder die Vertriebsgebiete dann auf: Theo übernahm den Norden Deutschlands, Bruder Karl den Süden. Gleichwohl arbeiten beide Gruppen bis heute eng zusammen.

Die absolute Verschwiegenheit der Familie ist legendär

Der Firmenname Aldi ist eine Kurzform aus Albrecht Discount und steht zugleich für eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Waren die Läden zunächst eher mit einem Arme-Leute-Image behaftet, ist die Marke im Lauf der Jahre Kult geworden. Vier von fünf Haushalten kaufen heute in den Läden mit dem großen stilisierten blauen A ein. Und trotz des in der Branche seit langem herrschenden beinharten Wettbewerbs ist die gesamte Gruppe stets unangefochtene Nummer eins geblieben.

Theo Albrecht hat frühzeitig die Internationalisierung seiner - im Vergleich zu der des Bruders etwas kleineren - Unternehmensgruppe nach Europa und in die Vereinigten Staaten vorangetrieben. Dabei setzte der für seine Sparsamkeit berühmte Händler von Anfang an auf uneingeschränkte finanzielle Solidität. Bis heute hat Aldi Nord nach eigenem Bekunden keinerlei Verbindlichkeiten. Genaue Zahlen publizieren zu müssen, weiß das Unternehmen indes seit jeher durch geschickte rechtliche Konstruktionen zu vermeiden. Doch nicht nur auf das Unternehmerische bezogen ist die absolute Verschwiegenheit der Familie legendär. Auch Privates hat Theo wie sein Bruder Karl stets vor der Öffentlichkeit abgeschottet. Ein möglichst noch in der Klatschpresse ausgebreitetes Neureichengebaren ist den Albrechts völlig fremd.

Der Discount-Pionier zog sich 1993 aus der operativen Geschäftsführung zurück

Auch offizielle Fotos wurden nie veröffentlicht, was nicht zuletzt mit der Entführung des verstorbenen Milliardärs im Jahr 1971 begründet wird. Erst nach siebzehntägiger Freiheitsberaubung wurde er damals unter Einschaltung von Ruhrbischof Franz Kardinal Hengsbach gegen die bis dahin höchste jemals in Deutschland gezahlte Lösegeldsumme von 7 Millionen D-Mark freigelassen.

Aus der operativen Geschäftsführung hat sich der Discount-Pionier Ende 1993 zurückgezogen. Die Führungsriege ist heute mit externen Managern besetzt. Seine Unternehmensanteile übertrug er auf die beiden Söhne Berthold und Theo (jr.) Allerdings ist die Mehrheit des Unternehmensvermögens in nicht auflösbare Stiftungen gebunden. Der mehrfache Großvater Albrecht hinterlässt seine Frau Cilly, mit der er viele Jahrzehnte verheiratet war. Am Mittwochmorgen ist er im engsten Familienkreis beigesetzt worden.

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