13.07.2007 · Die Entscheidung über die Neubesetzung des Postens des IWF-Direktors ist trotz der Nominierung von Dominique Strauss-Kahn nicht gefallen. Noch kann jeder der 24 Exekutivdirektoren einen Kandidaten benennen. Das Anforderungsprofil ist jedoch äußerst anspruchsvoll.
Von Claus Tigges, WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) ist dem Eindruck entgegengetreten, mit der Nominierung des früheren französischen Finanzministers Dominique Strauss-Kahn durch die Europäer sei die Entscheidung über die Nachfolge Rodrigo Ratos im Amt des geschäftsführenden Direktors des IWF schon gefallen. In einer gemeinsamen Stellungnahme wiesen die 24 Exekutivdirektoren im IWF und Rato selbst darauf hin, dass jeder Exekutivdirektor das Recht habe einen Kandidaten zu benennen.
Voraussetzung sei, dass der Kandidat oder die Kandidatin aus einem der 185 Mitgliedsländer des Währungsfonds stamme, Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik in einer hochrangigen Position gesammelt habe und die Fähigkeit besitze, eine globale Institution wie den IWF zu führen. Vorschläge können von nun an bis zum 31. August eingereicht werden.
Einvernehmliche Lösung bei Wahl bevorzugt
Im September werde das Exekutivdirektorium sich „ohne geographische Präferenzen“ mit den Kandidaten befassen und diese zu einem Gespräch nach Washington einladen, hieß es weiter. Die Entscheidung über den künftigen IWF-Chef könne zwar als Mehrheitsbeschluss getroffen werden, Ziel sei es aber, eine einvernehmliche Lösung zu finden.
Vergangenes Jahr hatten sich die IWF-Mitglieder darauf verständigt, den Spitzenposten künftig in einem „offenen und transparenten“ Verfahren zu besetzen. Denn die traditionelle Vorgehensweise, wonach Amerikaner und Europäer als mächtigste Mitglieder die Weltbankpräsidentschaft und den IWF-Chef unter sich ausmachen, steht seit geraumer Zeit in der Kritik. Vor diesem Hintergrund verwies der Gouverneur der kanadischen Notenbank, David Dodge, darauf, dass „es eine Reihe sehr guter Kandidaten für den Job“ gebe.
Weiteres einflussreiches Amt neu zu besetzen
Bisher ist allerdings nicht bekannt, ob die große Gruppe der Schwellen- und Entwicklungsländer einen oder mehrere eigene Kandidaten aufstellen wird. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, die Interessen der Entwicklungsländer müssten berücksichtigt werden. IWF-Chef Rato hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. Seine fünf Jahre dauernde Amtszeit hätte noch bis 2009 gedauert.
Neu zu besetzen ist auch das einflussreiche Amt des Vorsitzenden des International Monetary and Financial Committee (IMFC), des Lenkungsausschusses des IWF. Der bisherige Chairman, der neue britische Premierminister Gordon Brown, ist im Zuge seines Wechsels vom Finanzministerium in die Downing Street zurückgetreten. Als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Browns gilt der italienische Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa. Auch sein kanadischer Kollege Jim Flaherty wird genannt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte vor Monaten ein informelles Angebot Browns abgelehnt, den IMFC-Vorsitz zu übernehmen.
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