Das Vertrauen der russischen Führung in die Kernenergie bleibt unerschütterlich. Zwar beauftragte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin am Dienstag aufgrund der Katastrophe in Japan das russische Staatsunternehmen Rosatom und die Ministerien für Naturnutzung und Energiewirtschaft, die Situation in der russischen Atomenergiebranche zu überprüfen. Am Montag hatte er jedoch gesagt, die Pläne für das Kernenergieprogramm des Landes würden nicht geändert. Natürlich würden aber Lehren aus den Ereignissen in Japan gezogen. Putin betonte am Dienstag zudem, dass das geplante Atomkraftwerk in Weißrussland, mit dessen Bau Rosatom im September beginnen möchte, sicherer sei als die betroffenen japanischen Reaktoren. Die russische Führung setzt weiterhin auf Nuklearenergie als Exportschlager.
Das Atomenergieprogramm für Russland ist ehrgeizig: Die russische Regierung möchte den Anteil der Atomenergie am Energie-Mix von derzeit rund 16 Prozent auf mindestens 25 Prozent im Jahr 2030 steigern. Bis dahin sollen 26 neue Atomanlagen gebaut werden. Derzeit sind Kernreaktoren mit einer Gesamtkapazität von 24,2 Gigawatt in Betrieb.
Atomenergie soll Wirtschaft modernisieren
Ehrgeizig sind auch die Pläne fürs Ausland: Mitte Januar sagte Rosatom-Generaldirektor Sergei Kirijenko, die Staatskorporation wolle 30 Kernreaktoren im Ausland bauen. Die eindrucksvollen Pläne zeigen, dass die russische Atomindustrie vor den Katastrophenmeldungen aus Japan dabei war, das sogenannte Tschernobyl-Syndrom abzulegen. Russland nutzte die in den vergangenen Jahren feststellbare Atom-Renaissance, um die Atomindustrie neu zu positionieren. Im Jahr 2007 wurde die staatliche Atomenergie-Holding Rosatom gegründet, die aus dem früheren Ministerium für Kernenergie entstanden ist. Ihre Aufgaben sind mannigfaltig: Sie betreibt die Atomkraftwerke, kümmert sich um das stabile Funktionieren der Kernenergie und ist für die Sicherheit zuständig. Rosatom untersteht auch der zivile und militärische Produktionskomplex. Die Kernenergie wurde von der russischen Regierung als ein „strategischer“ Wirtschaftssektor eingestuft. Die Förderung der Atomindustrie gilt als ein Pfeiler zur Modernisierung der russischen Wirtschaft.
