22.11.2005 · Führende Wirtschaftsvertreter haben am Dienstag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zur Wahl zur Bundeskanzlerin gratuliert und von ihr eine entschlossene Reformpolitik gefordert.
Führende Wirtschaftsvertreter haben am Dienstag der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zur Wahl zur Bundeskanzlerin gratuliert und von ihr eine entschlossene Reformpolitik gefordert.
„Bundeskanzlerin Merkel hat jetzt große Aufgaben vor sich. Mit der deutschen Automobilindustrie als Schlüsselbranche unseres Landes hat sie einen starken, verläßlichen Partner bei der Umsetzung von Reformen für mehr Wachstum und Beschäftigung und die Stärkung des Standortes Deutschland“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, sagte, es sei nun an der Kanzlerin, die große Koalition zu mutigen und in sich schlüssigen Reformen in Deutschland zu führen und Deutschland auf Kurs in Richtung Wachstum und Beschäftigung zu bringen. „Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Schritte greifen vielfach noch zu kurz oder weisen in die falsche Richtung“, so Pleister.
Auch der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes BAG, Rolf Pangels, verband den Glückwunsch mit der Forderung nach weiteren Reformen: „Der Verband hofft, daß es der großen Koalition gelingt, in den nächsten Monaten und Jahren noch an Reformschwung hinzuzugewinnen.“ Die vorgesehenen Reformen am Arbeitsmarkt seien zu zaghaft, in den sozialen Sicherungssystemen und bei der Unternehmensbesteuerung seien bisher wesentliche Änderungen nur angekündigt.
Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) sieht in der großen Koalition unter der am Dienstag ernannten Bundeskanzlerin Angela Merkel eine „Chance für den Mittelstand“. Der Verband hoffe, „daß Frau Merkel die ersten Ansätze des Koalitionsvertrags mit Leben erfüllen kann und den Reformkurs weiter vorantreibt“, erklärte BGA-Präsident Anton F. Börner. Im Koalitionsvertrag werde der Mittelstand häufiger erwähnt als in allen bisherigen Regierungsverträgen.
„Die neue Regierung scheint den Mittelstand wiederentdeckt zu haben“, meinte Börner. Er sei die wichtigste Säule der Wirtschaft und führe ein “Schattendasein“. Um eine grundlegende und weitreichende Modernisierung Deutschlands zu erreichen, müsse der Mittelstand gestärkt werden. Nur so könnten neue Arbeitsplätze entstehen und die Binnenwirtschaft belebt werden. Hierfür könne “der Koalitionsvertrag nur ein Anfang sein“, erklärte Börner.
Deutsche Jungunternehmer haben die Ernennung Merkels begrüßt und zugleich weitere Reformen verlangt. Der Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) bezeichnete die Wahl Merkels zur ersten Bundeskanzlerin in Deutschland als richtungweisend auch für Frauen in Führungspositionen. Chefinnen gehörten im Mittelstand schon längst zum Alltag, jetzt sei diese Normalität auch in der Politik angekommen. “Deutschland ist heute moderner geworden“, so die BJU- Bundesvorsitzende Karoline Beck. Von der großen Koalition unter Führung Merkels wünsche sich der BJU eine reformfreudigere Politik. Der Verband warnte vor einer weiteren Politik der Konsensfindung und plädierte „für Mut bei unbequemen Entscheidungen“.
Die kritische Haltung vieler Wirtschaftsverbände zum Koalitionsvertrag werde vom BJU nicht vollends geteilt. Die Probezeitverlängerung, Bürokratieabbau und Befristung von Arbeitsverträgen bei Existenzgründern sowie das Abarbeitungsmodell bei der Erbschaftssteuer würden vom Verband unterstützt. Ausdrücklich begrüßt werde die Kürzung der Beamtenbezüge. Dringenden Handlungsbedarf sähen die jungen Unternehmer bei der fehlenden Akzeptanz betrieblicher Bündnisse, bei der Vereinfachung des bestehenden Kündigungsschutzes und der Mehrwertsteuererhöhung.
Der Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren Deutschland (WJD), Thorsten Westhoff, sagte, die neue Regierung habe nur wenig Zeit für sehr viel Arbeit. Der Koalitionsvertrag habe die wesentlichen Fragen ausgespart. Merkel werde nur dann die hohen Erwartungen erfüllen, wenn sie für die Probleme am Arbeitsmarkt, in den Sozialversicherungen, in den öffentlichen Haushalten, im Steuersystem und in den föderalen Strukturen tragfähige Lösungen auf den Weg bringe. Dabei wünsche man Merkel viel Erfolg. „Dies umso aufrichtiger, als Deutschland auf diesen Erfolg nicht viel länger warten kann,“ sagte Westhoff. „Während wir in den vergangenen Monaten vor allem über Personen gesprochen haben, sind unsere Aufgaben weiter gewachsen. Wir brauchen eine große Koalition des Umbaus,“ forderte er.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2370 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 103,24 $ | −0,01% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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