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Nach Katastrophe in Japan Energie ohne Atom

Deutschland muss seine Kernkraft überdenken. Der Ausbau erneuerbarer Energien kostet immer mehr Geld. Gas allein wird nicht reichen. Kohle gilt als zu dreckig. Der Ausstieg ist machbar. Aber eine Energieversorgung ohne Atom-Strom ist auch teuer.

© FAZ.NET, Bernd Helfert Atomkonzerne sichern sich gegen hohe Kosten der Nachrüstung ab

Die radioaktive Wolke aus Japan wird Deutschland zwar nicht erreichen. Doch der politische Niederschlag der Atom–Katastrophe ist schon jetzt gewaltig.Die Zukunft der Energieversorgung Deutschlands, daran besteht seit den schockierenden Bildern aus Fernost kein Zweifel, wird in den nächsten Wochen und Monaten überdacht werden. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) drückte es vor der für den Samstagabend eilig einberufenen Krisensitzung im Kanzleramt so aus: „Die Frage der Beherrschbarkeit der atomaren Gefahren ist heute neu gestellt worden.“

Eine neue Debatte steht bevor, ein weiterer, leidenschaftlicher Streit darüber, ob die Kernkraft vom Menschen zu kontrollieren ist. Oder ob die Risiken zu groß sind und man daher doch lieber wieder schneller als von der Bundesregierung im vergangenen Herbst beschlossen aus dieser Energie aussteigen sollte.

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„Auch wenn es in Deutschland keine Tsunamis gibt, so sollten wir dennoch über Atomkraft jetzt neu nachdenken und so schnell wie möglich aus dieser Technik aussteigen“, fordert Michael Sailer, Chef des Öko-Instituts. Der Chemiker ist Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission. „Wir sehen jetzt, was passiert, wenn alle Sicherheitssysteme versagen. Dies kann trotz des hohen Sicherheitstandards theoretisch auch in Deutschland geschehen. Für eine Katastrophe braucht es nicht immer ein menschliches Versagen, wie wir es in Tschernobyl gesehen haben.“

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© reuters Vergrößern Video: Dach von Atomkraftwerk eingestürzt

Doch geht das überhaupt, kann die Energieversorgung eines Industrielandes ohne Atom-Strom gewährleistet werden? Immerhin stammten im vergangenen Jahr 22 Prozent der Elektrizität aus den siebzehn deutschen Meilern, während Wind, Wasserkraft, Biogas und Solarstrom bisher erst 17 Prozent erbringen. Der Rest stammt aus Kohle- oder Gaskraftwerken.

„Keiner der deutschen Reaktoren wäre heute noch genehmigungsfähig“

Die Abneigung der Deutschen gegen die Kernenergie sitzt tief und ist über die Jahre weitgehend unverändert geblieben. In einer Umfrage des Sozialforschungsinstituts TNS Emnid aus dem vergangenen Jahr, die der Eon-Konzern vor der Laufzeit-Verlängerung um zwölf Jahre in Auftrag gegeben hatte, sprachen sich 52 Prozent gegen die Kernkraft aus, nur 38 Prozent votierten dafür. Bald dürften die Werte noch deutlicher ausfallen. Allein in Baden-Württemberg stehen vier Kernkraftwerke (siehe Karte) - in zwei Wochen wird dort der Landtag gewählt. Und gerade hat Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Hälfte am AKW-Betreiber EnBW gekauft.

Für die Atomkraftgegner ist der Fall klar: Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Lobby „Ausgestrahlt“, fordert die Bundesregierung auf, sofort sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland stillzulegen. „Noch haben wir die Wahl, ob wir vor oder nach dem Super-GAU in einem hiesigen Kraftwerk aus dieser unverantwortbaren Technologie aussteigen. Keiner der deutschen Reaktoren wäre heute noch genehmigungsfähig. Überall gibt es eklatante Sicherheitsmängel.“

Kernkraftmanager wollen die Debatte beenden, bevor sie hochkocht

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