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Nach der Zinsentscheidung : „Die Fed zeigt der EZB den Weg“

  • Aktualisiert am

Zum zweiten Mal binnen weniger Monate hat die Fed ihre Zinszügel angezogen. Bild: Reuters

Nachdem die amerikanische Notenbank die Zinsen moderat erhöht hat, reagieren europäische Volkswirte mit Zustimmung. Mehr noch: Sie hoffen, dass auch für die EZB der „geldpolitische Krisenmodus“ kein Dauerzustand bleibt.

          Nach dem Zinsschritt der amerikanischen Notenbank Fed haben deutsche Volkswirte mit Zustimmung reagiert. „Der Zinsschritt der Fed war alternativlos“, sagte der Ökonom Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW. Angesichts einer historisch niedrigen Erwerbslosenquote sei eine Normalisierung der Geldpolitik unabdingbar.

          Ähnlich sieht das Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei der Förderbank KfW: „Allein der fast leer geräumte Arbeitsmarkt rechtfertigt diesen Schritt.“ Die Konjunktur ziehe im zweiten Quartal auch schon wieder an. Die schwächelnde Inflation werde wohl ein vorübergehendes Phänomen sein.

          Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken, Michael Kemmer, zog auch Rückschlüsse für Europa: „Die aktuelle Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank ist ein richtiges Signal“, sagte er. Der amerikanischen Wirtschaft attestiere die Fed damit eine weiterhin gute Verfassung. „Für die Europäische Zentralbank darf der geldpolitische Krisenmodus ebenfalls kein Dauerzustand sein.“

          Keine einstimmige Entscheidung

          Zuvor hatte die amerikanische Notenbank ihre Politik der moderaten Zinserhöhungen fortgesetzt. Sie hob am Mittwoch den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld am Mittwoch zum zweiten Mal binnen weniger Monate an und signalisierte noch einen weiteren Schritt nach oben in diesem Jahr. „Die Wirtschaft scheint sich nach der Abkühlung im ersten Quartal erholt zu haben“, sagte Fed-Chefin Janet Yellen. Die Zinsen wurden um einen Viertelpunkt angehoben - auf die neue Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

          Die Entscheidung fiel allerdings nicht einstimmig. Das Führungsmitglied Neel Kashkari wollte keine Erhöhung. Die Fed kündigte zudem an, ihre im Zuge der Finanzkrise aufgeblähte Bilanz ab diesem Jahr allmählich abzubauen. „Weitere graduelle Zinserhöhungen sind in den nächsten Jahren angemessen“, sagte Yellen. Die Voraussetzungen seien geschaffen, damit auch die Inflation anziehe. Mit einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,3 Prozent hat die Fed zwar ihr Ziel Vollbeschäftigung praktisch erreicht. Sie strebt aber auch eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Dabei achtet sie besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher, die schwankungsgreiche Energie- und Nahrungsmittelkosten ausklammern. Dieser Wert lag zuletzt mit 1,5 Prozent noch unter der Zielmarke.

          „Die Fed zeigt der EZB den Weg“

          Aus den neuen Prognosen der amerikanischen Währungshüter geht zudem hervor, dass sie für das Jahresende mit einem Zinsniveau von 1,375 Prozent rechnen. Dies würde einem weiteren Schritt nach oben entsprechen. Die Fed tastete damit ihren Zinsausblick für 2017 nicht an. Sie will keine Überhitzung der Wirtschaft riskieren, falls die von Präsident Donald Trump angekündigte Steuerreform und massive Investitionen in die Infrastruktur einen kräftigen Schub bringen sollten.

          Trump hatte Yellen im Wahlkampf scharf kritisiert. Nach dem Zinsbeschluss sagte sie, sie wolle ihre Amtszeit voll ausüben. Diese endet im Februar 2018. Sie habe über ihre Zukunftspläne aber nicht mit Trump gesprochen.

          Im Unterschied zu den Vereinigten Staaten sind Zinsanhebungen in der Euro-Zone noch kein Thema. Die Europäische Zentralbank will an ihrem ultra-lockeren Kurs mit einem Zinsniveau von 0,0 Prozent und massiven Anleihenkäufen vorerst festhalten. Experten sehen den Fed-Kurs aber als Blaupause für die Euro-Notenbank. „Die Fed zeigt der EZB jetzt den Weg. Bleibt zu hoffen, dass Europas Zentralbank diesem Vorbild bald folgt,“ sagte ZEW-Experte Heinemann. Die EZB hatte jüngst lediglich einen Mini-Schritt in Richtung Kurswende gewagt - und die Option auf noch tiefere Zinsen aus ihren Standardformulierungen gestrichen sowie die Konjunktur optimistischer bewertet.

          Fed plant allmähliche Senkung des Bestands an Staatsanleihen

          Die Fed kündigte außerdem an, bald mit dem Abbau ihrer Bilanz zu beginnen. Sie hat Anleihen im Volumen von rund 4,5 Billionen Dollar in den Büchern. „Wir könnten das relativ bald umsetzen“, sagte Yellen. Voraussetzung dafür sei, dass die Wirtschaft weiter auf Kurs bleibe. Sie hoffe, dass die Finanzmärkte nicht übermäßig auf den Abbau reagierten.

          Konkret plant die Notenbank, ihren Bestand an Staatsanleihen allmählich zu senken. So sollen auslaufende Papiere anders als bislang stufenweise nicht mehr ersetzt werden. Dabei will die Fed vorsichtig vorgehen. So sollen zunächst Staatsanleihen im Volumen von sechs Milliarden Dollar pro Monat nicht mehr durch neue Investments ersetzt werden. Dieser Wert soll dann innerhalb von zwölf Monaten pro Quartal um sechs Milliarden Dollar angehoben werden.

          Martin Moryson, Chefvolkswirt der Privatbank Sal. Oppenheim, hält dies für einen zaghaften Einstieg. Weder Start- noch Enddatum seien genannt worden. „Es spricht aber viel dafür, dass sie auf einer der beiden kommenden Sitzung den Startschuss geben wird.“

          Quelle: Reuters

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