Home
http://www.faz.net/-gqg-78l0u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Nach dem Fall Uli Hoeneß Was treibt die Steuerhinterzieher?

Uli Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt. Doch er ist nicht der einzige, der Geld in der Schweiz unversteuert ließ. Warum machen erfolgreiche Menschen so etwas? Fühlen sie sich dabei nicht unehrlich? Psychologen haben drei Erklärungen.

© dpa Vergrößern

Warum macht der das? Uli Hoeneß hat sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt, und halb Deutschland rätselt, warum sich einer mit so einem Millionenvermögen überhaupt um die Steuern drückt. Es ist ja nicht nur Uli Hoeneß, mit dem ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel war es ähnlich.

Patrick Bernau Folgen:        

Das allgemeine Unverständnis formuliert CDU-Politiker Wolfgang Bosbach: „Das sind doch alles steinreiche Personen. Und wenn sie ihre Steuern zahlen, sind sie immer noch steinreich“, sagte er im Interview mit dem Deutschlandfunk. „Und jetzt ist alles zerstört, Verlust an Autorität, an Glaubwürdigkeit, und das ist doch viel schlimmer als die Steuern, die man zahlen muss.“

Doch es gibt drei Erklärungen.

1. Steuern zahlen wird nie leicht

Alles beginnt damit, dass das Steuerzahlen nie leicht wird. Für materiellen Wohlstand gibt es keine Sättigung, wie inzwischen gleich mehrere Forscher festgestellt haben. Wer auf Geld verzichten muss, den schmerzt das immer.

Zwar können Leute, die viel Geld haben, eher mal auf 100 Euro verzichten. Aber bei den Steuern geht es nicht um 100 Euro für jeden, sondern um Einkommensanteile: Abgeben muss man die Hälfte des Einkommens, von Kapitalerträgen auch mal ein Viertel. Von solchen relativen Erwägungen aber hängt ab, wie zufrieden Menschen mit ihrer Lage sind. Entsprechend ärgern sich reiche Leute nicht unbedingt weniger über die Steuern als arme (zumal Reiche auch einen größeren Teil ihres Einkommens abgeben).

2. Es ist schwierig, die Gegenleistung zu bemerken

Eine der wichtigsten Triebfedern des Menschen ist der Grundsatz „wie du mir, so ich dir“. Verhaltensforscher nennen das „Reziprozität“. Tatsächlich geben viele Leute gerne Geld und zahlen Steuern, wenn sie das Gefühl haben, dass sie angemessen viel dafür zurückbekommen. Aber: Je mehr einer zahlt, desto eher fühlt er sich dabei übervorteilt. Uli Hoeneß hatte sich noch im September bei Günther Jauch über die Steuern aufgeregt: „Unsere Spieler kicken jetzt schon eine Halbzeit fürs Finanzamt“, hatte er gesagt. „Da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“

Das Gegenargument lautet, der Staat habe auch den reichen Leuten mit Bildung und Infrastruktur zu ihrem Erfolg verholfen. Doch das sehen viele Leute, die aus eigener Kraft reich geworden sind, als nicht so wichtig an. Sie haben selbst viel für ihr Geld gearbeitet und halten das für den wichtigeren Grund ihres Erfolgs.

3. Alle schummeln ein bisschen

Gegenleistungen hin, Verlustschmerz her - müsste sich ein rechtschaffener Mensch nicht einfach ans Gesetz halten? Eigentlich schon. Aber so ticken die meisten Menschen nicht, wie Psychologen schon eine Weile wissen. Die amerikanischen Psychologen Nina Mazar, On Amir und Dan Ariely haben schon vor einigen Jahren festgestellt: Auch ehrliche Leute, die sich selbst für rechtschaffen halten, schummeln gelegentlich ein bisschen. Sie verstoßen nicht frontal gegen die Regeln. Aber sie übertreten immer wieder ein wenig die Regeln, damit es ihnen ein bisschen besser geht.

Das zeigen auch Versuche mit Studenten: Wenn sie ihre Tests selbst bewerten dürfen, geben sie sich zwar nicht die volle Punktzahl, aber  sie schöpfen ihr Schummel-Potenzial zu rund sieben Prozent aus.

Mehr zum Thema

Deutschen Steuerzahlern muss es also gar nicht weiter schlimm vorkommen, wenn sie - wie sie meinen - ein bisschen schummeln. Das Steuerrecht ist sowieso durchlöchert: Hier gibt es eine Ausnahme, dort kann man eine Fahrtkostenpauschale absetzen. Ein paar Euro private Telefongebühren erkennt das Finanzamt immer an, auch ganz ohne Nachweis - da setzen viele noch ein bisschen mehr ab, als eigentlich erlaubt wäre.

Von dort aus ist der Schritt nicht groß, noch ein paar Prozent Kapitalerträge in der Schweiz unter den Tisch fallen zu lassen. Bei größeren Vermögen ist die Millionengrenze dann schnell erreicht. Ein Gesetzesvorstoß ist das sowieso - aber aus Sicht der Täter bleibt das in vielen Fällen eine kleine Schummelei. Und solche kleinen Schummeleien ändern nichts daran, dass man sich selbst für einen ehrlichen Menschen hält.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Von Polen in die Schweiz Hoeneß-Banker auf der Flucht

Vor einem Monat wurde in Polen der Banker festgenommen, der bei der Schweizer Privatbank Vontobel die Finanzgeschäfte von Uli Hoeness betreut hat. Nun ist er zurück in der Schweiz. Das Land liefert eigene Staatsbürger nie aus. Mehr

25.11.2014, 15:02 Uhr | Wirtschaft
Vermögensverwaltung Zahle, was du willst

In Amerika entsteht ein neuer Vermögensverwalter. Er verfolgt ein besonderes Preismodell: Die Kunden können die Gebühr selbst festlegen. Mehr Von Sophia Dollsack

15.11.2014, 10:24 Uhr | Finanzen
Marketing einer Sportart Was ist noch echt im Fußball?

Die deutsche Nationalelf und die großen europäischen Klubs präsentieren sich nach dem Prinzip Hollywood. Das Marketing hat die Kontrolle übernommen. Was ist noch echt im Fußball? Und was ist Fake? Mehr Von Michael Horeni

17.11.2014, 11:00 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.04.2013, 13:22 Uhr

Schäubles Null-Festspiele

Von Heike Göbel

Wolfgang Schäuble hält an der „schwarzen Null“ im Bundeshaushalt für das nächste Jahr fest. Er ist klug genug, sich dafür nicht selbst zu feiern. Mehr 20 26


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Für wen das Weihnachtsgeschäft besonders wichtig ist

Die Spielwarenhändler machen fast 28 Prozent ihres Umsatzes in den letzten beiden Monaten des Jahres. Unsere Grafik zeigt, wie es in anderen Handelsbranchen aussieht. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden