http://www.faz.net/-gqe-90qg7

Abschied aus Beratergremium : Trump spottet über Merck-Chef

Kenneth Frazier, Chef des amerikanischen Pharmariesen Merck, verlässt aus Protest Trumps Beraterteam (Archivbild vom 31. Januar 2017). Bild: EPA

Aus Protest gegen Trumps lasche Reaktion auf die rechtsradikale Gewalt von Charlottesville verlässt Merck-Vorstandschef Ken Frazier das Beraterteam des Präsidenten. Trump tobt.

          Kenneth Frazier ist nicht der erste Top-Manager, der ein Beratungsgremium für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump aus Protest verlässt. Aber keiner hat dies bislang in so deutlichen Worten getan wie der Vorstandsvorsitzende des Pharmakonzerns Merck & Co., und keiner ist von Trump dafür so scharf attackiert worden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Wortgefecht begann am Montagmorgen, als Frazier seinen Rücktritt aus dem „American Manufacturing Council“ ankündigte, einer Gruppe von prominenten amerikanischen Unternehmenslenkern, von der sich Trump Hilfe bei der Stärkung der verarbeitenden Industrie erhofft. Die Entscheidung des Merck-Chefs hat offenbar damit zu tun, dass sich Trump nach den gewalttätigen Ausschreitungen im amerikanischen Charlottesville nicht ausdrücklich von rechtsextremen Gruppen distanzierte. Während seine Tochter Ivanka Trump, sein Vizepräsident Mike Pence und viele Vertreter der Republikanischen Partei Neo-Nazis und andere Gruppierungen weißer Nationalisten verurteilten, sprach Trump selbst nur diffus von „Gewalt auf vielen Seiten“.

          Der Merck-Chef, ein Afro-Amerikaner, sprach Trump in der Stellungnahme zu seinem Rücktritt nicht direkt an, aber seine Kritik war unmissverständlich: „Amerikas Führung muss unsere fundamentalen Werte anerkennen, indem sie klar das Ausdrücken von Hass, Bigotterie und der Vorherrschaft einer Gruppe zurückweist, die dem amerikanischen Ideal, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, zuwiderlaufen.“ Frazier sagte weiter, er halte es sowohl als Merck-Chef als auch als persönliche Gewissensfrage für seine Verantwortung, gegen Intoleranz und Extremismus Stellung zu beziehen.

          Die Reaktion von Trump ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter schrieb er: „Jetzt, da Ken Frazier von Merck Pharma vom Manufacturing Council des Präsidenten zurückgetreten ist, wird er mehr Zeit haben, um die Abzockerpreise für Medikamente zu senken!“ Er wechselte für seinen Gegenangriff also einfach das Thema. Trump hat die Pharmaindustrie schon oft wegen überhöhter Preise angegriffen.

          Trump hat seit seinem Amtsantritt die Nähe zur Wirtschaft viel mehr gesucht als etwa sein Vorgänger Barack Obama. Er trifft sich regelmäßig mit Vorstandschefs im Weißen Haus, und er hat mehrere Beratungsgremien mit Top-Managern eingerichtet. Viele Manager sind dafür kritisiert worden, Trumps Einladungen anzunehmen. Zur Rechtfertigung haben manche von ihnen gesagt, es sei besser, den Dialog zu suchen und somit zumindest eine Chance zu haben, Trumps Politik zu beeinflussen.

          Andere haben aber mittlerweile kapituliert: Schon im Februar zog sich Travis Kalanick, der damalige Vorstandsvorsitzende des Fahrdienstes Uber, aus dem hochkarätig besetzten „Business Advisory Council“ zurück. Er reagierte damit auf das Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten mehrheitlich muslimischen Ländern. Die nächsten Absprünge kamen Anfang Juni nach Trumps Entscheidung, das Pariser Klimaabkommen aufzukündigen. Damals gaben Elon Musk, der Vorstandsvorsitzende des Elektroautoherstellers Tesla, und Bob Iger, der Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, ihre Sitze im Business Advisory Council auf. Musk trat auch aus dem Manufacturing Council zurück, in dem er ebenfalls vertreten war. Keiner dieser Rücktritte resultierte allerdings in einer ähnlich zornigen Schelte wie nun die Entscheidung des Merck-Chefs.

          Weitere Themen

          Dax wieder auf dem Rückzug Video-Seite öffnen

          Nach dem Brexit-Lichtblick : Dax wieder auf dem Rückzug

          Für einen Lichtblick sorgten der Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen und eine Reihe ermutigende Firmenbilanzen. Dennoch hänge der Dax zwischen Hoffen und Bangen, so Oliver Roth von der Oddo Seydler-Bank.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.