Home
http://www.faz.net/-gqe-785mv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Moscovici trifft Schäuble Frankreich bittet Deutschland um mehr Geduld bei Defizitabbau

Freundschaftliche Geste: Frankreichs Finanzminister Moscovici bittet seinen deutschen Amtskollegen Schäuble öffentlich um mehr Zeit, um das Haushaltsdefizit auf weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu verringern.

© REUTERS Finanzminister Seit’ an Seit’: Pierre Moscovici (r) und Wolfgang Schäuble

Der französische Finanzminister Pierre Moscovici hat seinen deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble um mehr Geduld beim Abbau des Haushaltsdefizits gebeten. Deutschland und andere Partnerländer in der Euro-Zone sollten nicht auf weitere Sparmaßnahmen pochen, weil dies die französische Konjunktur weiter belasten würde, sagte Moscovici während einer Veranstaltung zur Würdigung der deutsch-französischen Beziehungen in Straßburg. „Es ist mir wichtig, dass Deutschland das versteht.“ Es wisse, dass Schäuble dafür Verständnis habe, weil Deutschland ein starkes Frankreich an seiner Seite wünsche.

Schäuble selbst machte auf der Veranstaltung allerdings deutlich, dass die Bundesregierung weiterhin strickt darauf bestehe, dass die Haushaltsdefizite in der Euro-Zone zurückgeführt werden. Haushaltsdisziplin und Wachstumsförderung würden sich nicht gegenseitig ausschließen, sagte Schäuble. Es müsse deshalb aufgehört werden, entweder nur von Austerität oder von Wachstum zu sprechen.

Moscovici: Frankreich ist nicht der neue „kranke Mann“ Europas

Moscovici trat zugleich dem Eindruck entgegen, dass Frankreich der neue „kranke Mann“ in Europa sei und deshalb mehr Reformen umsetzen müsse. Ganz im Gegenteil würden Investoren zunehmend Vertrauen in Präsident Francois Hollande gewinnen. Als Beleg verwies der Finanzminister auf die jüngste Anleihe-Mission der Regierung, bei der zehnjährige Papiere zu einer rekordtiefen Rendite  von 1,94 Prozent am Markt plaziert werden konnten.

Mehr zum Thema

Frankreich hat längst eingeräumt, auch im laufenden Jahr seine Haushaltsziele nicht einhalten zu können. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone sollte 2013 eigentlich die Maastricht-Grenze einer maximalen Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts wieder einhalten. Nun rechnet das Land in diesem Jahr mit einem Defizit von 3,5 Prozent und will im kommenden Jahr die Drei-Prozent-Marke erreichen. Der Schuldenstand Frankreichs hat sich im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt von 2011 auf 2012 von 85,8 auf 90,2 Prozent erhöht.

Für dieses Jahr erwartet Moscovici keine großen Sprünge in punkto Wirtschaftswachstum. „Die EU-Kommission sagt 0,1 Prozent für 2013 - und ich befürchte, das wird nicht weit davon entfernt liegen“, erklärte der Finanzminister. „Ich hoffe, es wird mehr sein, wir kämpfen dafür, dass er mehr sein wird.“

Quelle: Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Varoufakis in Le Monde Schäuble hat es auf Frankreichs Wohlfahrtsstaat abgesehen

Der ehemalige griechische Finanzminister Giannis Varoufakis überrascht einmal wieder mit steilen Thesen: Deutschlands Finanzminister Schäuble wolle dem französischen Wohlfahrtsstaat an den Kragen. Griechenland sei lediglich sein Austeritäts-Versuchslabor. Mehr

23.08.2015, 14:44 Uhr | Wirtschaft
Kauder und Oppermann Schützenhilfe für Wolfgang Schäuble

Die griechische Regierung in Athen hatte dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble beleidigende Äußerungen gegenüber seinem griechischen Amtskollegen Giannis Varoufakis vorgeworfen. Volker Kauder, Fraktionschef der Union im Bundestag, und der Fraktionsvorsitzende der SPD, Thomas Oppermann, springen dem deutschen Finanzminister nun zur Seite. Mehr

18.03.2015, 12:20 Uhr | Politik
Forderungen aus Berlin Die Union steckt in der IWF-Zwickmühle

Ohne eine Beteiligung des Währungsfonds will Finanzminister Schäuble neuen Krediten für Athen nicht zustimmen. Aber der IWF verlangt einen Schuldenschnitt. Das lehnt Berlin jedoch ab - und windet sich. Mehr Von Philip Plickert und Joachim Jahn, Berlin

14.08.2015, 20:50 Uhr | Wirtschaft
Berlin Schäuble nennt griechische Beschwerde über ihn Unsinn"

Griechische Medien hatten berichtet, der deutsche Finanzminister habe die Kommunikation seines griechischen Amtskollegen Yannis Varoufakis am Rande eines EU-Finanzministertreffens am Dienstag als dümmlich naiv" abgetan. Mehr

13.03.2015, 10:46 Uhr | Wirtschaft
Montebourg und Varoufakis Zwei Provokateure in der französischen Provinz

In der französischen Provinz kommen an diesem Sonntag Giannis Varoufakis und Arnaud Montebourg zusammen. Sie sind beide Ex-Minister, beide äußerst links und beide suchen den Beweis, dass sie weiter zählen. Doch in welcher Funktion? Mehr Von Christian Schubert

23.08.2015, 17:42 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 04.04.2013, 21:16 Uhr

Zu viel Geld für die Väter

Von Patrick Bernau

Familienministerin Schwesig will Eltern Geld geben – damit die Väter weniger arbeiten. Das ist unnötig. Die Familien können das gut selbst entscheiden. Mehr 44 27


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden