Der Verlust der Mittelstandsbank IKB ist weit geringer ausgefallen als befürchtet. Im vergangenen Geschäftsjahr 2007/08 (31. März) stand bei der IKB ein Nettoverlust von 24 Millionen Euro in den Büchern - die bisherigen Schätzungen beliefen sich noch auf ein Minus von 200 Millionen Euro. Das teilte der Vorstand am Donnerstag in Düsseldorf mit. Die Bank begründete den geringeren Verlust mit einem Steuereffekt.
Düster bleiben aber die Aussichten: Die IKB rechnet nach dem Verlust im vergangenen Geschäftsjahr auch für 2008/09 mit erheblichen Belastungen. Das laufende Geschäftsjahr werde stark durch das geringere Neugeschäft, die gestiegenen Refinanzierungskosten sowie die hohen Aufwendungen für Unternehmensberater beeinträchtigt, teilte die Düsseldorfer Bank in der Nacht zum Donnerstag mit. Zudem werde sie nach Abschluss ihres Konzernumbaus künftig deutlich niedrigere Erträge erwirtschaften. Mittelfristiges Ziel sei das Erreichen einer „angemessenen Rendite“, erklärte der Vorstand.
Vor dem Verkauf
Das Institut hatte sich in großem Stil am US-Hypothekenmarkt verzockt und konnte nur mit Milliardengeldern von anderen Banken und vom Bund gerettet werden. Seit dem vergangenen Sommer kämpft die IKB ums Überleben und soll nun verkauft werden. Die Hauptaktionärin, die staatliche Förderbank KfW, verhandelt derzeit Finanzkreisen zufolge mit der schwedischen Bank SEB, dem US-Finanzinvestor Lone Star sowie der Beteiligungsgesellschaft Ripplewood. Bis September wird mit
einem Abschluss des Prozesses gerechnet.
Die Belastungen aus den riskanten Wertpapieren, die noch in der IKB-Bilanz liegen, summierten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 1,8 Milliarden Euro. Ohne die Übernahme von Garantien durch die KfW und anderen Banken wären die Abschreibungen und die Verluste noch deutlich höher ausgefallen. Insgesamt musste das Institut mit 8,5 Milliarden Euro gestützt werden.
Faule Kredite
Auch im klassischen Bankgeschäft musste die IKB im vergangenen Geschäftsjahr Einbußen hinnehmen. Der Zinsüberschuss, die wichtigste Ertragssäule, brach um ein Drittel auf 450 Millionen Euro ein. Die Risikovorsorge für faule Kredite stieg um gut sechs Prozent auf 255 Millionen Euro. Zudem schlugen 20 Prozent höhere Kosten von 377 Millionen Euro zu Buche. Beim Provisionsüberschuss verbuchte die Bank dagegen ein leichtes Plus auf 55 Millionen Euro.
Die operativen Ergebnisse in den beiden Kernfeldern Firmen- und Immobilienkunden gingen deutlich zurück. Das dritte Segment Strukturierte Finanzierungen rutschte in die roten Zahlen. Wie die IKB weiter mitteilte, verkaufte sie seit Juni 2008 aus den Risikoportfolios erste Papiere im Nominalwert von 450 Millionen Euro. Der Preis habe leicht über dem Buchwert von Ende März gelegen.
Der anachronistische Zug der IKB läuft weiter!
(sodala)
- 05.07.2008, 20:19 Uhr
