03.12.2007 · Der Mindestlohn schreckt die Konkurrenten der Deutschen Post: TNT Post und Hermes legen ihre Pläne für gemeinsame Briefzustelldienste in Deutschland vorerst auf Eis.
Von Nico Fickinger, Helmut Bünder und Sven AstheimerRichtlinien für Lesermeinungen
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Was ich nicht verstehe ist, wie kann PIN 1000 Leute entlassen?
Ich halte das einfach nur für eine Trotzreaktion von PIN.
Wenn PIN wirklich 1000 Leute entlassen kann und weiterhin alle Sendungen zustellen kann, wieso haben die dies nicht schon längst gemacht? Ist PIN eine Wohlfahrtsorganisation die einfach 1000 Leute dumm rumstehen lässt? Ich glaube nicht. Zugegeben, PIN wird jetzt mehr für seine Arbeiter zahlen müssen, aber PIN wird nur sehr schlecht so viele Leute entlassen können und trotzdem weiterhin das derzeitige Volumen an Briefsendungen (in vernünftigen Laufzeiten) zustellen können. Oder hatte PIN schon mal 1000 Leute mehr eingestellt in der Hoffnung am 1.1.08 dann richtig ins Privatkundengeschäft einzusteigen? Auch das halte ich eher für unwahrscheinlich.
Um ehrlich zu sein zahle ich lieber etwas mehr pro Brief und weiß dann auch, dass der Zusteller von seiner Arbeit ohne einen Hartzzuschuss leben kann. Auch das doppelt und dreifach ein Zusteller zum gleichen Haus fahren muss, ist wie schon in anderen Beiträgen erwähnt ökologisch und volkswirtschaftlich nicht sehr sinnvoll. In der Stadt mag das Ökologieargument evt. nicht zählen, da die Zusteller meist mit dem Fahrrad austeilen, aber auf dem Land sieht das anders aus!
Mindestlohn als Jobkiller fraglich
Den Vorwand des Mindestlohns nutzen nun Unternehmen, um Leute zu entlassen. Der Grund ist einfach: Bei Zahlung dieses Mindestlohns können die Preise für die Endkunden nicht günstiger sein als bei der gelben Post, und damit hält man sich nicht für konkurrenzfähig.
Anders herum formuliert: Die ursprüngliche Kalkulation der Wettbewerber sah als Kundenlockmittel sehr günstige Preise vor, die jedoch offenbar nur oder zumindest zum großen Teil über geringere Löhne im Vergleich zur Deutschen Post realisiert werden können. Dies jedoch geht eindeutig zu Lasten der Beschäftigten, die die gleiche Arbeit leisten wie ihre Kollegen und dennoch schlechter gestellt sind. Wettbewerb zielt eigentlich auf höhere Löhne bei konkurrenzfähigen Preisen.
Nun kann man die Frage stellen, ob es besser sei, fragwürdige Stundenlöhne zu kassieren oder arbeitslos zu sein. Umgekehrt sollte man aber auch die Unternehmen fragen, wieso sie nicht durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel Effizienzgewinne oder Nutzung und Etablierung von Standortvorteilen der Deutschen Post Paroli bieten können. Gleich ein ganzes Geschäftsfeld aufzugeben wegen geänderter Rahmenbedingungen deutet entweder auf eine miese Kalkulation oder eine gewisse Dreistigkeit hin.
Bitteschön, die ersten Entlassungen
Zu dem Ärger der Bürger, die jetzt weiterhin den katastrophalen "Service" der Post ertragen müssen (den sie sich nur auf Grund ihrer Monopolstellung leisten kann), kommen jetzt wohl die ersten Entlassungen (PIN, 1000 Mitarbeiter).
Das haben unsere Politiker mal wieder gut hinbekommen, die Post lacht sich eins ins Fäustchen.
Eine Arbeit die den arbeitenden nicht ernährt ist Lohn-Sklaverei und der Staat, also wir alle, müssen dafür bezahlen, dass sich windige Geschäftemacher damit die Konten füllen. Wenn eine Firma nicht fähig ist ihren Mitarbeitern anständige Löhne zu bezahlen und dabei Gewinne zu machen, dann soll sie schließen oder besser noch gar nicht erst antreten. Was soll denn das für ein Wettbewerb sein der uns zwar billigere Postdienste beschert dafür aber Kombi-Lohn-Empfänger in 5 Stelliger höhe schafft. Wir haben doch schon 1 Mio. Menschen die mit Ihrem Verdienst nicht in der Lage sind sich und ihre Familien zu ernähren wenn der Staat nicht zuschießt. Und wer bezahlt das, wir alle bezahlen das, dafür das sich dann einige wenige die Taschen mit den erwirtschafteten Profiten füllen und das Geld anschließend ins Ausland schaffen, damit sie keine Steuern dafür bezahlen müssen. Damit lassen sich zwar "Arbeitsplätze" schaffen, ich denke aber dass dieses Geld für Qualifizierungsmaßnahmen, der ja häufig gering Qualifizierten Kombilohn-Empfängern, besser angelegt wäre, anstatt damit unrentable Unternehmungen zu subventionieren.
PostProtektionismusPur-Populismus! Ähnlich wie bei der Bahn hat sich eine Massengewerkschaft mit dem staatsnahen Arbeitgeber verbündet, um Konkurrenz außen vor zu lassen. Angesicht bevorstehender Wahlen ein interessante Bobachtung.
Holger Butenschön
Wenn der Mindestlohn dazu führt, dass ganze Branchen dichtmachen müssen und nur noch ehemalige Monopolisten überleben, dann werden dadurch nicht Arbeitnehmerrechte gestärkt, sondern letztlich Arbeitslose produziert. Diese kassieren dann auch einen staatlich garantierten "Mindestlohn". Der heißt Hartz IV und liegt bei 11,50 € - allerdings nicht pro Stunde, sondern pro Tag!
INSM-Parolen scheinen voll durchgeschlagen zu sein
muss man wohl meinen, wenn man etliche der Kommentare hier liest.
Einvertanden: Das Thema MwSt. war und ist wettbewerbsverzerrend, aber die Dumpinglöhne mit staatlicher Subvention über Hartz IV in Milliardenhöhe wären noch viel schlimmer gewesen. Was ist eigentlich mit dem fehlenden Vorsteuerabzug bei der Post? Wen die investiert, muss die die MwSt. auch nicht gegenrechnen. Also auch hier nur BlaBla seitens der alternativen Anbieter, die eh nur Rosinen picken wollten.
Ein Geschäftsmodell, das parallele zweit- bis viert-Infrastrukturen aufbaut, eigentlich von niemandem wirklich gebraucht wird und noch dazu für die Zielempfänger noch aufwendiger ist - also noch dazu volkswirtschaftlich total blödsinnig ist - und sich per staatlicher Subventionen über Lohndumping finanzieren will erscheint mir jedenfalls nicht marktgerecht.
Ich war jetzt schon ganz irre, wenn nacheinander 4 Boten kamen mit gelben, roten, grünen und weissen Autos und immer wieder lag *ein* Brief im Kasten, statt vorher von *einem* gelben Auto *vier* Briefe + Zeitschrift. Unheimlich ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Und gerade billiger versandte Behördenpost kam mit aus Steuergeldern über Hartz IV finanzierten Boten - was ein Schwachsinn.
Man kann sich nur wundern, daß die Politik Probleme von heute mit Rezepten von vorgestern zu lösen versucht. Da können sich Herr Sommer und Konsorten auf den Kopf stellen, wenn ein Mindestlohn verordnet wird, werden die Arbeitsplätze abgeschafft, so einfach ist das. Weil keine Firma Geld zuschießen wird. Und kassieren die dann ehemals Angestellten in Folge ihrer zur erwartenden Kündigung keine Transferleistungen mehr, oder was?
Und was folgt als nächstes? Die gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung von Arbeitsplätzen auf vorgeschriebenen Lohnniveaus?
Dieses Land spielt verrückt. Wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, die Zahl der versicherungspflichtigen Arbeitsplätze steigt und die Sozialversicherungssysteme schreiben wieder schwarze Zahlen. Kurzzeitig. Aber anstelle Geduld zu haben und auf der eingeschlagenen Route weiterzumachen, wird sofort wieder auf die Gerechtigkeitspauke gehauen. Ich dachte eigentlich diese intellektualisierten Schwärmereien von Utopia hätten sich mittlerweile verflüchtigt, aber denkste.
So kriegen wir die Probleme wirklich in den Griff, vielen Dank.
Erstaunlicherweise meldet sich das IZA der Universität Bonn (das wohl wichtigste Forschungsinstitut der Welt auf dem Gebiet der Arbeitsmarktökonomie), dessen Mitglieder sich sonst gerne mal zu wirtschaftspolitischen Themen äußern, hier nicht zu Wort. Dabei gäbe es für Arbeitsmarktexperten an dieser Stelle sehr viel zu sagen!
Liegt es vielleicht daran, dass das IZA von der Deutschen Post World Net finanziert wird ?
Wettbewerb auf Kosten der Ärmsten
Diese Arbeitsplätze braucht keine Volkswirtschaft. Sie helfen nicht den betroffenden Beschäftigten, sondern bestenfalls der BA. Wer jemals auf Sozialhilfeniveau bei Wind und Wetter vollschichtig gearbeitet hat, kann sich hierüber nicht empören!
Man kann es nur als skandalös bezeichnen, was sich da hinter den Kulissen zur Verhinderung des Mindestlohns abgespielt hat und wie gerade die Beschäftigten politisch instrumentalisiert wurden.
Wenn Dumping und systematische Abwertung von Produktivität unsere Löhne von morgen bestimmen, werden die Zahlen von ALG II-Aufstockern bald explodieren und den Sinn des Produktionsfaktors "Arbeit" grundsätzlich in Frage stellen.
Konsequente Absage an die staatlich subventionierte Refeudalisierung durch die Herrschaften bei Springer & Co! Dieser Wettbewerb ist asozial.
Arm in Arm mit den Gewerkschaften und den Sozis können Sie sich als Vernichterin von Arbeitsplätzen im Namen "sozialer Gerechtigkeit" feiern lassen. Großartig!
Ernst-Markfried Kraatz
Mindestlohn ist keine Liberalisierung!
Ich bin Pin-Kunde. Die leisten die Briefzustellung für Gewerbetreibende etwa 15 Prozent billiger und weisen darüber hinaus auch noch 19 Prozent Umsatzsteuer aus. Der staatliche Konkurrent steckt Netto-für-Brutto seine Briefmarken ein. Das ist ein unfairer Wettbewerb. Darüberhinaus schreibt die Lobby des ehemaligen Monopolisten jetzt dem Newcomer auch noch den Lohn in Ost und West und für Sortierer und qualifizierte Zusteller vor. Damit werden den Konkurrenten mindestens 30 Prozent der Kosten zum 1. Januar 2008 erhöht. Das ist noch unfairer.
Wir wollen den Arbeits"markt" doch liberaler gestallten, damit wir endlich von der hohen Sockelarbeitslosigkeit herunterkommen. Von den 7,9 Millionen Hartz IV-Empfängern garnicht zu reden. Zumindest empfehlen uns das fast alle wirtschaftlichen Berater. Liberaler meint, damit das jeder versteht, weniger gesetzliche Regelungen. Aber was macht die Regierung? Sie führt einen Mindestlohn ein und diskutiert über einen Maximallohn. Natürlich für Ost und West und getrennt für verschiedene Qualifikationsstufen. Was für ein Irrsinn! Jetzt fehlt nur noch ein flächendeckemder Mindestlohn und Ende mit der Liberalisierung. Man kann verzweifeln. Hoffentlich gibt die Pin AG nicht auf!
Die Machthaber über 80 Millionen Köpfe in Berlin bekommen wirklich alles kaputt. Und der MwSt.-Vorschlag ist in der Tat ein Trojaner, dessen durchsichtige Dreistigkeit für sich selbst spricht. Es zeigt sich einmal mehr: Wer in Deutschland investiert, ist selbst schuld. Und allen Staatsergebenen und Staatsprofiteuren sei gesagt: Ich habe schon mehrmals für weniger als diesen Mindestlohn gearbeitet und trotzdem habt ihr mir noch Steuern abgeluchst. Ich empfinde dieses Ansinnen der Preisbevormundung als Beleidigung, ökonomischer Unsinn ist es ohnehin. Ihr würdet Euch wundern, wenn alle Hartz IV beantragen würden, denen es rechnerisch zusteht. Dann könntet ihr zusehen, wo ihr die Steuern auftreibt, um Eure Mindestlohn-Meinung zu finanzieren. Ganz ganz viel von Eurem selbstverständlichen Komfort würde einfach wegfallen, wenn keiner mehr unter EUR 8,50 verdienen "darf" und das arbeiten einstellt. Aber auch hier geht es Euch nur um Steuern und Sozialabgaben. Und auch hier geht Eure Rechnung nicht auf: Das muß alles verdient werden, nicht ein Cent fällt vom Himmel, nicht ein Euro läßt sich herbeibefehlen. Aber das muß Euch alles nicht interessieren, ihr müßt ja nicht rechnen: ihr nehmt Euch einfach, was ihr zu brauchen glaubt.
Man kann die Stunden zählen, die seit der Entscheidung vergangen sind.
Der Mindestlohn verhindert Wettbewerb, schafft keine neuen Arbeitsplätze, da potentielle Konkurrenten nicht in den Markt einsteigen werden und wird vermutlich bestehende Arbeitsplätze vernichten, denn wenn neue große Konkurrenten lieber die Finger vom Markt lassen, wie sollen es dann die kleinen schaffen.
Da haben die Lobbyisten wieder ganze Arbeit geleistet.
Zu hoffen bleibt nur, dass man die Schuldigen im Gedächtnis behält.
Wer jetzt noch den Mindestlohn auf andere Branchen ausdehnen will, hat NICHTS verstanden. Der Staat soll sich um seine Aufgaben kümmern! Oder machen die Wirtschaftsbosse die Gesetze?
Einem Gewinner gilt es zu gratulieren: Klaus Zumwinkel.
Der Verlierer ist der deutsche Kunde, der weiterhin auf einen Wettbewerb wartet, und auf sinkende Preise gehofft hatte.
Aus den ehemaligen Staatsmonopolkonzerne würdige Marktteilnehmer zu machen, ist der dt. Politik wieder einmal nicht gelungen!
Umweltpolitisch sehr fragwürdig ...
... dass mehrere Briefsysteme nebeneinander existieren.
Was früher von einem Unternehmen ausgeteilt wurde, wird jetzt mehrfach erledigt - das heisst, es werden viele zusätzliche Fahrten erforderlich. Wobei "die Post" heute oft nicht mehr zentral im Ort positioniert ist - wenn überhaupt noch exisiterend - und vom Nutzer weitere Fahrten notwendig sind.
Neben den negativen Effekten, dass zwar Arbeitsplätze geschaffen werden, diese aber niemanden wirklich ernähren können, kommt noch, dass der Umwelt kein sinnvoller Dienst geleistet wird.
Wozu ist dann Liberalisierung gut? - Arbeitsplätze schaffen ja - nicht aber, wenn Umwelt und Steuerzahler drauflegen müssen.
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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