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Mindestens 16 Kreditinstitute unter Druck Staaten drängen Banken zur Kapitalaufnahme

23.09.2011 ·  Die Staaten erhöhen den Druck auf finanzschwache Banken, ihre Kapitalausstattung zu verbessern. Für Finanzminister Schäuble ist dies nicht Sache der EZB.

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Die Staaten erhöhen den Druck auf die finanzschwachen Banken, ihre Kapitalausstattung zu verbessern und signalisieren zugleich die Bereitschaft zur Unterstützung. In Washington versuchten die Finanzminister der großen Industrie- und Schwellenländer (G20), die Finanzmärkte mit einer zuvor nicht geplanten Erklärung zu beruhigen. Die G20-Staaten sichern zu, alles Notwendige zu tun, um die Stabilität des Bankensystems und der Finanzmärkte zu erhalten. „Wir werden sicherstellen, dass Banken ausreichend kapitalisiert sind und die Basel-III-Eigenkapitalrichtlinie im vereinbarten Zeitrahmen erfüllen.“ Die Zentralbanken stünden bereit, Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stellte vor Journalisten klar, dass die Kapitalisierung der Banken in Europa nicht Sache der Europäischen Zentralbank (EZB) sei. Er mahnte, dass dies vorrangig Aufgabe der nationalen Regierungen sei und nur zweitrangig des europäischen Rettungsfonds EFSF. „Ich erwarte, dass jeder sich seiner Verantwortung stellt“, sagte Schäuble. Bundesbankpräsident Jens Weidmann betonte, dass die EZB bewiesen habe, dass sie darauf vorbereitet sei, Banken langfristig mit Liquidität zu versorgen. Weidmann betonte, die Kapitalausstattung der europäischen Banken sei besser als während der Finanzkrise 2008. Undifferenzierte Rufe nach mehr Bankkapital seien nicht hilfreich, sagte er und kritisierte indirekt den Internationalen Währungsfonds.

Amerikas Fonds ziehen Geld aus Europa ab

Unterdessen meldete die Ratingagentur Fitch, amerikanische Geldmarktfonds hätten ihre Kredite an europäische Banken weiter reduziert. Der Anteil ihres Engagements in Europa sei im August von 47 auf 42 Prozent gesunken. Frankreich läge dabei sogar unter dem Durchschnitt. Nach den Worten von Jean-Pierre Jouyet, dem Chef der französischen Börsenaufsicht AMF, müssen in Europa 15 bis 20 Banken mit neuem Kapital ausgestattet werden. „Man muss private Investoren finden, um Kapitalerhöhungen vorzunehmen“, sagte er am Freitag in einem Radiointerview. Die Lage sei „sehr, sehr beunruhigend“, denn es bestehe das Risiko einer Systemkrise, sagte Jouyet.

Zugleich kamen Gerüchte auf, dass die 16 europäischen Banken, die im Sommer den Stresstest mit einer Kernkapitalquote von 5 bis 6 Prozent nur knapp bestanden haben, sich nicht erst bis April 2012, sondern schon früher zusätzliches Kapital beschaffen sollen. Zu dieser Gruppe zählen aus Deutschland die HSH Nordbank und die Nord LB, außerdem sieben spanische Banken sowie Kreditinstitute aus Portugal, Zypern, Slowenien und Griechenland. Ein Sprecher der EU-Kommission dementierte am Freitag dagegen Medienberichte, wonach Europas Bankenaufseher die beim letzten Bankenstresstest fast durchgefallenen Institute rascher mit frischem Geld versorgen wollen als bislang vorgesehen. „Der Fahrplan bleibt gültig, es gibt keine Beschleunigung des vorgesehenen Kalenders“, sagte der Sprecher.

Von den Instituten wird erwartet, dass sie zunächst versuchen, sich das Kapital an den Märkten zu beschaffen. Falls ihnen das nicht gelingt, können sie auf Staatshilfe zurückgreifen. Nicht zuletzt wegen der möglicherweise zusätzlich notwendigen Staatshilfen hatte die EU-Kommission am Dienstag die Geltung der speziellen EU-Beihilferegeln für die Banken abermals verlängert. Seit dem Ausbruch der Banken- und Finanzkrise 2008 hätten Europas Banken ihr Eigenkapital um insgesamt 420 Milliarden Euro aufgestockt.

Die Deutsche Bank rechnet im europäischen Bankensektor mit einem Kapitalbedarf von „rund 100 Milliarden Euro“, die möglicherweise über eine Art europäisches Rettungsprogramm vergleichbar dem amerikanischen TARP geleistet werden könnte, heißt es in einer Studie. Je länger die Märkte den Banken verschlossen blieben, desto größer werde das Kapitaldefizit. Sollten die Banken alle Anleihen aus Ländern der Euroraum-Peripherie zum Marktwert bewerten, würde der Bedarf auf 119 Milliarden Euro oder „möglicherweise 200 Milliarden Euro“ steigen. Die Kosten einer Verzögerung seien hoch.

Quelle: chs./pwe./ruh./wmu./F.A.Z.
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