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Metalltarifrunde IG Metall fordert bis zu 6,5 Prozent mehr Geld

07.02.2012 ·  Die IG Metall zieht mit der Forderung nach einem kräftigen Lohnzuwachs in die kommende Tarifrunde. Und nicht nur das: Auch bezüglich der Beschäftigung von Leiharbeitern will die Gewerkschaft den Arbeitgebern einiges abtrotzen.

Von Henrike Roßbach
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© dpa 6,5 Prozent mehr: In der Metall- und Elektroindustrie will die Gewerschaft kräftige Lohnerhöhungen durchsetzen

Die IG Metall verlangt in der aktuellen Tarifrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie „bis zu 6,5 Prozent“ mehr Lohn. Am Dienstag empfahl der Vorstand der größten deutschen Gewerkschaft seinen sieben Tarifbezirken eine entsprechende Forderung - und orientierte sich damit an der Größenordnung, die zuvor von den Bezirken selbst genannt worden war. Die endgültige Prozentzahl wird erst am 24. Februar verkündet. Es ist allerdings kaum vorstellbar, dass dann eine geringere Forderung beschlossen wird.

Vier zentrale Forderungen

„Die Metall- und Elektroindustrie steht stabil da“, sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Berthold Huber, in Frankfurt. Die deutsche Wirtschaft könne auf ein bemerkenswert gutes Jahr 2011 zurückblicken, und auch für das laufende Jahr rechne sie vom Frühjahr an mit einer „spürbaren Belebung“. Deshalb sei die Forderung finanzierbar und wirtschaftlich geboten.

Neben der Lohnerhöhung will die IG Metall noch drei weitere Forderungen durchsetzen. Zum einen verlangt sie, dass Auszubildende künftig unbefristet übernommen werden - bisher müssen die Unternehmen ihnen nur einen Einjahresvertrag anbieten. Zudem sollen die Betriebe mehr Programme für Jugendliche mit schlechten Noten oder ohne Schulabschluss anbieten. Bei Letzterem haben die Arbeitgeber schon ihr Entgegenkommen signalisiert, die unbefristete Übernahme lehnen sie dagegen ab. Schon jetzt würden 75 Prozent der Auszubildenden unbefristet übernommen; der Rest entscheide sich meist für ein Studium oder wechsle freiwillig.

Streit um Leiharbeit

Doch auch wenn um die Übernahme gestritten werden dürfte - noch kritischer dürften die Verhandlungen über die dritte Forderung werden: mehr Mitbestimmungsrechte von Betriebsräten über Dauer, Einsatz und Umfang von Zeitarbeit. Nach dem Willen der IG Metall soll tarifvertraglich geregelt werden, unter welchen Bedingungen Zeitarbeiter eingesetzt werden dürfen. Wird gegen diese Kriterien verstoßen, soll der Betriebsrat widersprechen können. Nach der Gesetzeslage kann er das zwar schon jetzt. Allerdings landen solche Streitfälle vor einem Arbeitsgericht, und in den Monaten bis zu einer Entscheidung kann die Unternehmensleitung über „vorläufige personelle Einzelmaßnahmen“ Fakten schaffen. Im Fall einer tariflichen Regelung würde dagegen eine tarifliche Schlichtungsstelle entscheiden - und zwar binnen ein bis zwei Wochen. Das Vetorecht des Betriebsrats hätte somit unmittelbare Folgen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lehnt die Forderung deshalb vehement ab. Verschärft wird der Konflikt, weil die IG Metall die Metalltarifrunde mit den Tarifgesprächen verzahnen will, die sie parallel mit den Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeitsbranche führt. In diesen Verhandlungen, die am 22. Februar beginnen, sprechen beide Seiten über Branchenzuschläge, so dass Zeitarbeiter nach einer gewissen Zeit genauso bezahlt werden wie Stammbeschäftigte. Gesamtmetall hatte es stets abgelehnt, selbst über „Equal Pay“ mit der IG Metall zu verhandeln, da die Zeitarbeiter nicht die Mitarbeiter der Metall-, sondern der Verleihfirmen seien. Nun stellt die Gewerkschaft durch die parallelen Verhandlungen doch noch eine Verknüpfung her. Andererseits dürfte es den Metallarbeitgebern auch schwerfallen, mehr Mitbestimmungsrechte einzuräumen, ohne zu wissen, was bei der gleichen Bezahlung noch auf sie zukommt.

Die Tarifrunde droht durch diese tarifpolitische Doppelstrategie der IG Metall kompliziert zu werden. Die erste Verhandlung mit den Metallarbeitgebern soll am 6. März in Baden-Württemberg stattfinden, die Friedenspflicht endet am 28. April. Vorsorglich kündigte der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, schon gemeinsame Warnstreiks von Metallern und Zeitarbeitern an.

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Jahrgang 1979, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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