04.09.2008 · Ende 2009 fällt der Zuschuss der Bundesagentur für Arbeit zur Altersteilzeit weg. Seit Monaten haben Gewerkschaft und Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie um eine neue Regelung gerungen. Jetzt haben sie sich auf einen Pilotabschluss geeinigt.
Von Henrike RoßbachDer Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie über eine Neuregelung der Altersteilzeit ist beigelegt. Am Mittwochabend einigten sich der Arbeitgeberverband Südwestmetall und die Industriegewerkschaft Metall Baden-Württemberg auf einen neuen Tarifvertrag. Im Südwesten war stellvertretend für die insgesamt rund 3,5 Millionen Beschäftigten der Branche verhandelt worden.
Der tarifpolitische Vorstand des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall empfahl seinen Mitgliedsverbänden unmittelbar nach der Einigung, das Verhandlungsergebnis zu übernehmen. „Der neue Tarifvertrag ist ein Beleg für die Gestaltungsfähigkeit der Tarifparteien auch bei der Lösung von komplexen betrieblichen und sozialen Herausforderungen“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Auch Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, lobte die Einigung. „Die neue Altersteilzeit stellt einen arbeitspolitischen Meilenstein dar“, sagte er. Die IG Metall wolle die Übernahme des Pilotabschlusses für ganz Deutschland.
Bedingung: zwölf Jahre lang im Betrieb
Kernstück des Tarifvertrags ist, dass künftig zwischen besonders belasteten und allen anderen Beschäftigten unterschieden wird. Außerdem müssen sich die Mitarbeiter in Zukunft an der Finanzierung des flexiblen Übergangs in die Rente beteiligen. Eine Neuregelung der Altersteilzeit war notwendig geworden, weil Ende 2009 die bisherige Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit wegfällt.
Arbeitnehmer, die in Altersteilzeit gehen wollen, müssen künftig mindestens zwölf Jahre lang ihrem Betrieb angehören. In die Gruppe der belasteten Arbeitnehmer fallen alle, die in dieser Zeit mindestens neun Jahre in drei oder mehr Schichten mit Nachtschicht oder nur in Nachtschicht gearbeitet haben. Auch wer besonders starken Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, gehört zu dieser Gruppe; ebenso diejenigen, die während der vergangenen 15 Jahre zwölf Jahre lang in Wechselschichten gearbeitet haben. All diese Beschäftigten können künftig mit 57 Jahren in eine bis zu sechs Jahre dauernde Altersteilzeit gehen. Die anderen Mitarbeiter haben erst mit 61 Jahren Anspruch auf einen früheren Ruhestand. Auch hat die Altersteilzeit in diesem Fall nur eine Laufzeit von höchstens vier Jahren.
An der finanziellen Ausstattung ändert sich kaum etwas
Während bislang bis zu 5 Prozent der Belegschaft eines Betriebs in Altersteilzeit gehen können, sind es in Zukunft weniger: Für jede der beiden Beschäftigtengruppen - belastete und nicht belastete Mitarbeiter - gilt eine Höchstquote von 2,5 Prozent. In der Summe darf der Anteil der Beschäftigten 4 Prozent jedoch nicht überschreiten. Vorrang haben die belasteten Mitarbeiter; wenn ihre Quote ausgeschöpft ist, bleiben für die anderen Beschäftigten also nur noch 1,5 Prozent.
„Arbeitnehmer mit besonderen Belastungen haben damit nach wie vor einen auch materiell komfortablen Anspruch auf Altersteilzeit“, sagte der Vorsitzende von Südwestmetall, Jan Stefan Roell. Demgegenüber seien die Anreize für jene Beschäftigte, die „einfach so“ in Altersteilzeit wollten, reduziert worden. Auch IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann zeigte sich zufrieden mit dem Kompromiss.
Wie schon jetzt stocken die Arbeitgeber auch in Zukunft das Gehalt der Beschäftigten in Altersteilzeit auf 82 Prozent des früheren Nettoentgelts auf, die Rentenbeiträge auf 95 Prozent. Neu ist eine Staffelung der Aufstockung zugunsten von Mitarbeitern in den unteren Lohngruppen. Die Kosten der Altersteilzeit von geschätzt 0,8 Prozent der Entgeltsumme teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig. Der Beitrag der Beschäftigten besteht darin, dass sie vor Inkrafttreten des Altersteilzeitvertrags kollektiv auf 0,4 Prozent Tariferhöhung verzichten.
Altersteilzeit gehört ins vorige Jahrhundert
otto schwein (Otto49)
- 03.09.2008, 22:37 Uhr
@Herr Schwein
Sascha Held (S_Held)
- 04.09.2008, 10:51 Uhr
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