Ungeachtet der gesellschaftspolitischen Debatte um die sogenannte Massentierhaltung erfährt diese Branche im In- und Ausland einen anhaltenden Aufschwung. Zur bis Freitag laufenden Messe Eurotier in Hannover teilte der Veranstalter mit, die Rekordzahl an Ausstellern der vergangenen Messe sei in diesem Jahr abermals um rund ein Viertel übertroffen worden. Viele der nun rund 2.450 Aussteller, darunter viele Unternehmen aus dem Anlagenbau und der Informationstechnologie, stellen dort neue Produkte vor, die auch die Haltungsbedingungen für Tiere verbessern sollen.
Dies wird in Deutschland und der EU zunehmend vom Gesetzgeber eingefordert. Die Hälfte der Aussteller in Hannover kommt auch aus Deutschland, stark vertreten sind die Niederlande, Frankreich, China oder Italien. Eurotier ist die größte Messe dieser Art auf der Welt. Zu den Produktneuheiten zählen Computerprogramme, die anhand der Laufbewegungen etwa von Schweinen frühzeitig Krankheiten signalisieren oder aber neue, keimtötend wirkende Futtersubstanzen, die den umstrittenen hohen Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung senken. Die Antwort der Agrarindustrie auf die verbreitete Kritik an der „entfremdeten“, weil hochtechnisierten Landwirtschaft lautet also: Mit noch mehr Hochtechnologie soll die intensive Tierhaltung tierfreundlicher werden.
Dauerhafte Schäden werden erwartet
Große Hersteller wie Big Dutchman, Gea oder De Laval zeigten aber auch neue Stallanlagen. Der Staatssekretär des Bundesagrarministeriums, Gerd Müller (CSU), zeichnete am Dienstag solche Ställe aus, die Tieren mehr Platz lassen oder etwa Besuchergänge enthalten, um die Praxis der Tiermast für Bürger transparent zu machen. Er lobte diese „gläsernen Ställe“ wie auch den zunehmenden Einsatz von Stallkameras, die „der Öffentlichkeit einen Einblick in die moderne Tierhaltung“ böten. Die Bundesregierung brachte in dieser Legislaturperiode eine Arzneimittel- und eine Tierschutznovelle auf den Weg, mit denen unter anderem eine Senkung des Antibiotikaeinsatzes erreicht werden sollen.
Trotz sich verschärfender Gesetzeslage floriert das Geschäft der mitteleuropäischen Tierhalter. Laut einer auf der Messe vorgestellten Umfrage unter mehr als 2.500 Betriebsleitern bleiben deren Geschäftserwartungen auf einem hohen Niveau, auch wenn sie nunmehr leicht eingetrübt sind. Wegen guter Preisabschlüsse mit dem Handel und florierenden Käseexports äußerten etwa die Milchviehhalter in Deutschland, Polen und Frankreich positive Erwartungen bezüglich der Umsatzentwicklung im kommenden Jahr.
2015 entfällt die EU-Milchquote, viele Betriebe stellen sich auf Produktionsausweitungen ein. Weil global auch der Hühnerfleischverzehr steigt, sind die Erzeuger auch in diesem Segment zuversichtlich - trotz hoher Futterpreise. Allerdings fürchten insbesondere deutsche Landwirte die öffentliche Debatte um die Tierhaltung. 88 Prozent erwarten dauerhafte Schäden für ihr Geschäft. Trotzdem wollen 48 Prozent der Höfe im kommenden Jahr in neue Anlagen investieren.
Tierquälerei
Antonietta Tumminello (astra1971)
- 16.11.2012, 11:48 Uhr
Rinder in deutschen Ställen
joachim tarasenko (truthful)
- 15.11.2012, 17:52 Uhr
