Home
http://www.faz.net/-gqe-7ism0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Merkels Handys Hersteller: Das „echte“ Kanzler-Phone ist sicher

Dass Angela Merkels Handy abgehört wurde, ließ dem Hersteller den Atem stocken. Dann stellte sich heraus, dass nicht das „Kanzler-Phone“ abgehört wurde, sondern ein ungeschütztes Parteihandy. Letztlich, heißt es bei Secusmart, hänge die Sicherheit vom Nutzer selbst ab.

© REUTERS Angeblich abhörsicher

So stellt man sich einen typischen deutschen Mittelständler vor: 35 Mitarbeiter, 6 bis 7 Millionen Euro Umsatz. Die vor sechs Jahren gegründete Düsseldorfer Secusmart GmbH steht mitten im Abhörskandal um das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „führenden Experten auf dem Gebiet der hochsicheren Sprach- und Datenkommunikation“. Zu den Kunden gehören alle Bundesministerien, viele deutsche Dax-Unternehmen und auch die Kanzlerin selbst: Secusmart lieferte vor vier Jahren eine Sprachverschlüsselungslösung an die Bundesregierung; eine Kombination aus Software und Krypto-Chip, die in diesem Jahr modernisiert wurde und nun auf den neuen Blackberry-Modellen läuft.

Thiemo Heeg Folgen:

Wie sich am Freitag herausstellte, ist die Kanzlerin – zum Glück für Secusmart – gerade mit diesem Smartphone nicht abgehört worden. Stattdessen soll der amerikanische Geheimdienst NSA ein von der Regierungschefin genutztes ungeschütztes CDU-Parteihandy abgefischt haben. Dem Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle, einem früheren Nokia-Manager, ist die Erleichterung anzuhören: „Für unverschlüsselte Telefonate, SMS oder auch E-Mails können wir natürlich nicht garantieren.“ Das „Kanzler-Phone“ jedoch, Merkels eigentliches Diensthandy, „bleibt sicher“, gibt sich Quelle überzeugt. Schließlich sei die Sicherheit offen nachvollziehbar. Sie beruhe auf der Secusmart Security Card, einer Micro-SD-Karte mit integriertem Chip. Dieser Miniatur-Kryptoprozessor sorge im Handy für die Verschlüsselung von Sprache und Daten sowie für die Authentifizierung der Gesprächsteilnehmer.

340 Sextillionen verschiedene Schlüssel

Mit Lust rechnet Quelle vor, dass sich selbst die NSA an seinem Produkt die Zähne ausbeißen würde. Die verwendete AES-Verschlüsselung mit 128 Bit ermögliche 340 Sextillionen verschiedene Schlüssel, eine 340 mit 36 Nullen. „Selbst mit Spezialrechnern bräuchte man nach heutigem Stand der Technik theoretisch 149 Billionen Jahre, um diesen Code zu knacken.“ Das sei etwa 10.000 Mal länger als das Universum alt sei. „Da sind auch die Vereinigten Staaten noch eine Weile beschäftigt“, sagt Quelle.

Dr. Hans-Christoph Quelle © Secusmart GmbH Vergrößern Secusmart-Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle

Freilich weiß auch der Secusmart-Manager, dass nicht die Technik die Sicherheit limitiert, sondern stets der Mensch. Je sicherer, desto unbequemer werden die Lösungen. Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, brauchen beide Gesprächspartner ein hochgesichertes Handy. In der ersten Version von 2009 kam noch erschwerend hinzu, dass eine Sprachverzögerung von rund einer Sekunde im Gespräch auftrat. Wer daran nicht gewöhnt war, redete dem Partner gerne mitten hinein. Bei der aktuellen Blackberry-Lösung habe man dieses Problem behoben. „Unser Bestreben ist es, die Sicherheit für den Nutzer so einfach wie möglich zu machen. Letztlich hängt die Sicherheit aber vom Nutzer selbst ab. Solange er sich im sicheren Bereich bewegt, ist er gegen Spähattacken geschützt. Schließlich würde auch keiner im Winter bei kalten Temperaturen den wärmenden Mantel an der Garderobe hängen lassen“, sagt Quelle.

Den „wärmenden Mantel“ kann sich übrigens grundsätzlich jeder anschaffen. „Jeder unbescholtene Bürger kann bei uns kaufen“, sagt Quelle – ein polizeiliches Führungszeugnis wird nicht verlangt. Die Nachfrage von Privatleuten hält sich jedoch in sehr engen Grenzen. Vielleicht liegt es daran, dass der Listenpreis für ein einzelnes Gerät 2500 Euro beträgt.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundestagswahl 2017 Albig: SPD könnte auf Kanzlerkandidaten verzichten

Angela Merkel mache einen ausgezeichneten Job und sei eine gute Kanzlerin, lobt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. Und stellt die Frage: Braucht es 2017 überhaupt einen Kanzlerkandidaten seiner Partei? Unter den Genossen kommt die Debatte über Sigmar Gabriel auf Touren. Mehr Von Guido Franke

23.07.2015, 19:54 Uhr | Politik
Ukraine-Krise Merkel nimmt Gespräch mit Putin auf

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Francois Hollande sind zu Gesprächen mit Russlands Präsident Putin in Moskau eingetroffen. Ziel der diplomatischen Initiative ist ein Waffenstillstand im Osten der Ukraine. Mehr

07.02.2015, 10:17 Uhr | Politik
Albig gegen Kanzlerkandidatur Wahlempfehlung für Merkel

Mit seinem Gedankenspiel, auf einen SPD-Kanzlerkandidaten zu verzichten, füllt Torsten Albig das Sommerloch. Sein Lob für Angela Merkel ist deprimierend für Parteichef Gabriel. Ein Kommentar. Mehr Von Thomas Holl

24.07.2015, 12:04 Uhr | Politik
Münchner Sicherheitskonferenz Merkel: Militärisch ist die Krise nicht zu lösen

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Erwartung gedämpft, dass es in den Verhandlungen mit Russland in der Ukraine-Krise bald einen Durchbruch geben könnte. Die Kanzlerin mahnte Russland erneut, das Völkerrecht einzuhalten. Mehr

08.02.2015, 10:09 Uhr | Politik
Deutschlands Stärke Keine Experimente

Durch viele Länder Europas geht ein Riss. Durch Deutschland nicht. Die wichtigsten Politiker sorgen für Stabilität. Über ein Rezept, von dem Europa lernen kann. Mehr Von Markus Wehner

17.07.2015, 19:49 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 25.10.2013, 16:09 Uhr

Aufgabe der Heimatländer

Von Christian Geinitz, Wien

Auf dem Balkan werden Roma diskriminiert. Deswegen kehren sie ihrer Heimat massenhaft den Rücken. Dagegen muss etwas getan werden - aber nicht durch mehr Freizügigkeit in Deutschland. Mehr 26


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Hände weg vom Steuer

Einsteigen, das Ziel eingeben und sich vom Auto ans Ziel bringen lassen – ein Drittel der Deutschen kann sich das vorstellen. Vor allem junge Menschen sind offen für selbstfahrende Autos. Mehr 1