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Mehrere Tausend Euro pro Person : Deutschland besteuert Rentner in Österreich

Auch wer Deutschland den Rücken gekehrt hat, soll Steuern zahlen. Bild: dpa

Der deutsche Fiskus hat Rentner in Österreich entdeckt: Sie sollen Steuern auf ihre Rente zahlen. Teils geht es um mehrere Tausend Euro. Die Österreicher sind sauer.

          Deutsche Steuernachforderungen an österreichische Rentner stoßen in der Alpenrepublik auf Unmut. Konkret geht es um Rentenzahlungen an Senioren aus Österreich, die früher einmal in Deutschland gearbeitet haben.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Dass ein Land plötzlich Renten besteuere und die Nachzahlungen Jahre später geballt einfordere, sei einzigartig in der europäischen Steuergeschichte, sagte der zuständige Sektionschef des österreichischen Finanzministeriums, Wolfgang Nolz im Österreichischen Rundfunk.

          Teils mehrere Tausend Euro Nachforderung

          Betroffen sind rund 150.000 Personen, die eine Rente aus Deutschland beziehen. Rentner, die jemals in Deutschland gearbeitet haben, müssen seit 2005 ihre Zahlungen aus Deutschland versteuern. Doch von dieser Gesetzesänderung wurden damals die Betroffenen in Österreich nicht informiert, sagt Wolfgang Nolz, Sektionschef im Finanzministerium: „Das hat sicherlich niemand kapiert, dass da jetzt ein Gesetz gekommen ist, das plötzlich alle verpflichtet, wenn sie aus Deutschland eine Pension beziehen, in Deutschland eine Steuererklärung abzugeben.“

          Es gehe um Beträge zwischen fünf Euro und mehreren Tausend Euro Steuerschuld im Jahr seit 2005, sagte Nolz. Wenn das plötzlich zusammen bezahlt werden müsse, sei das fast nicht machbar.

          „Nicht zumutbar, sich mit dem deutschen Steuerrecht zu beschäftigen“

          Der Österreichische Seniorenrat, in dem alle Pensionisten-Organisationen vereint sind, kritisiert die deutschen Steuerbehörden: „Es ist Pensionisten, welche in Österreich leben und österreichische Staatsangehörige sind, nicht zumutbar, sich mit dem deutschen Steuerrecht und dessen Konsequenzen zu beschäftigen.“

          Es sei für die deutschen Behörden zwingend erforderlich gewesen, die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen im Steuerrecht den Rentnern so rechtzeitig und verständlich mitzuteilen, dass sie hätten Vorsorge treffen können. Dies hätte sofort nach der Beschlussfassung im Deutschen Bundestag durch die Rentenversicherung erfolgen müssen. Die rückwirkende Versteuerung der deutschen Renten verstoße gegen den Vertrauensschutz.

          Das zuständige Finanzministerium im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern widerspricht Aussagen, wonach es Bezieher deutscher Pensionen in Österreich zu spät über Steuernachforderungen benachrichtigt habe. Im Gegenteil: Diese würden seit Jahren informiert. Möglicherweise habe das aber nicht jeder gelesen oder verstanden.

          Quelle: F.A.Z.

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