Die Bundesregierung möchte trotz der deutlich besseren Lage am Lehrstellenmarkt mehr Geld in die Berufsausbildung stecken. Zudem will sie zusätzlich zum geplanten Bonus für Arbeitgeber einen „Qualifizierungsgipfel“ im Herbst 2008 organisieren. „Gemeinsam mit den Ländern werden wir neue Maßnahmen in der Berufsbildung vereinbaren, die den Übergang zwischen Schule und Berufsausbildung strukturierter und verlässlicher gestalten“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Mittwoch in Berlin.
Die Lehrstellen-Bilanz des Jahres 2007 bezeichnete die Ministerin als erfreulich. Mit rund 625.900 Verträgen, einer Zunahme von knapp 9 Prozent, ist dem Berufsbildungsbericht 2008 zufolge erstmals seit 2001 die Marke von 600.000 überschritten und damit die zweithöchste Zahl seit der Wiedervereinigung erreicht worden. Den Zuwachs gab es aber fast ausschließlich in den alten Bundesländern. Hier wurde sogar das beste Ergebnis seit Anfang der neunziger Jahre erreicht.
Lehrstellenlücke rein rechnerisch geschlossen
In den neuen Bundesländern, in denen die Nachfrage nach Lehrstellen leicht zurückging, stieg dagegen die Zahl der neuen Verträge nur um knapp 1 Prozent auf rund 125.000. Entsprechend höher war dort auch der Anteil unversorgter Bewerber, der zum Ende des Ausbildungsjahres insgesamt 29.000 betrug. Dieser konnte indes durch eine Nachvermittlung bis Ende Januar 2008 auf 11.300 vermindert werden. Zugleich gab es 35.000 unbesetzte Stellen, so dass sich rein rechnerisch die früher übliche Lehrstellenlücke geschlossen hat.
Die Bundesregierung bekräftigte ihr Ziel, allen ausbildungswilligen Jugendlichen ein Angebot zu verschaffen. Dazu soll auch der schon beschlossene Ausbildungsbonus beitragen. Er soll in den kommenden drei Jahren 100.000 zusätzliche Lehrstellen für die sogenannten Altbewerber schaffen. Das sind junge Leute, die sich wegen ungenügender Qualifikation oder sozialer Nachteile oftmals vergeblich um eine Lehrstelle bemühen und die Zeit in Förderprogrammen oder Jobs überbrücken.
Wenige Schulabgänger entspannen die Lage
Firmen, die zusätzliche Stellen schaffen, sollen einen einmaligen und je Ausbildungsvergütung gestaffelten Bonus zwischen 4000 und 6000 Euro erhalten. Die Wirtschaft begrüßt dies, sie fordert aber eine Begrenzung des Bonus auf besonders benachteiligte Jugendliche, um Mitnahmeeffekte zu verhindern. Etwa 50 Prozent derjenigen, die im Vorjahr eine Lehre begannen, gelten als Altbewerber.
2008 dürfte sich der Ausbildungsmarkt weiter verbessern. So wurden in den vergangenen sechs Monaten der Arbeitsagentur insgesamt 359.200 Plätze für das im September beginnende Ausbildungsjahr gemeldet. Dies sind 45.100 mehr als im Vorjahr. Im Berufsbildungsbericht wird dagegen wegen der schwächeren Konjunktur noch ein Rückgang der Lehrstellen angenommen. Auch ein geringeres Angebot dürfte indes ausreichen, weil es weniger Schulabgänger gibt. 2008 werden etwa 33.500 weniger Jugendliche die Schulen verlassen, wobei der Rückgang in den neuen Ländern (12 Prozent) stärker ausfällt als in den alten Bundesländern (3 Prozent).
Solide Zukunfsmusik !
Georg Dargelies (ragnita)
- 03.04.2008, 04:44 Uhr
