25.08.2008 · Der Herbst wird eine teuer für die deutschen Gaskunden. Verbraucherportalen zufolge erhöhen mehr als 230 Versorger ihre Preise um bis zu ein Drittel. Die Bundesnetzagentur hat derweil gegen fünf Netzbetreiber Missbrauchsverfahren eingeleitet, um den Wettbewerb zu stärken.
Auf die deutschen Gaskunden kommen in Kürze weitere kräftige Preissteigerungen zu. Nach Informationen des Verbraucherportals toptarif.de planen im September und im Oktober 231 Grundversorger Erhöhungen von bis zu 29 Prozent. Durchschnittlich klettern die Gaspreise um rund 16 Prozent. Für den kommenden Monat haben demnach bereits mehr als 26 Unternehmen Preiszuwächse jenseits der 20-Prozent-Marke angekündigt. Im Oktober sind es nach aktuellem Stand 20 Anbieter. Nach Angaben des Verbraucherportals verivox.de wollen insgesamt 276 Gasanbieter vor der anstehenden Heizperiode ihre Preise anheben.
„Die Preissprünge bei über 460 Versorgern seit Beginn des Sommers sind so hoch wie noch nie“, erläuterte Toptarif-Fachmann Thorsten Bohg. „Allein seit Beginn des Jahres ist Gas für Familien in Deutschland um durchschnittlich 11,2 Prozent teurer geworden.“ Verbraucher in Rostock seien besonders stark von den Preissteigerungen betroffen. Hier müssen sich Familien mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden auf Mehrkosten von 416 Euro im Jahr einstellen.
Preiserhöhungen „unglaublich“ und „astronomisch“
Bei weiteren 36 Grundversorgern, insbesondere im Ruhrgebiet und in Süddeutschland, sind den Angaben zufolge Preissprünge von mehr als 300 Euro pro Jahr angekündigt. „Bedingt durch die Zeitverzögerung bei der Ölpreisbindung des Gases erwarten wir den Höhepunkt dieser Preisschübe in den Wintermonaten“, prognostizierte Bohg. Es sei gut möglich, dass zahlreiche Grundversorger, die im Sommer ihre Preise massiv angezogen hätten, zum Jahreswechsel weitere Erhöhungen planten. Erst zum kommenden Frühjahr hin könnte sich die Lage wieder etwas entspannen.
Der Bund der Energieverbraucher nannte die erneuten Preiserhöhungen „völlig unbegründet“. Die genannten Größenordnungen seien „unglaublich“ und „astronomisch“, sagte der Verbandsvorsitzende Aribert Peters am Montag in Bonn. Die Importpreise seien für die Versorger bei weitem nicht so stark gestiegen. Außerdem gebe es für die Unternehmen durch eine Öffnung der Märkte inzwischen deutlich günstigere Beschaffungsmöglichkeiten für ihr Gas, sagte Peters. „Diese Vergünstigungen müssen auch beim Verbraucher landen und dürfen nicht in den Taschen der Unternehmen verschwinden.“
Mit einer Kopplung an den Ölpreis könnten Gaspreiserhöhungen meist nicht begründet werden, sagte Peters. Viele Versorger kauften ihr Gas ohne Ölpreisbindung ein. „Sie können sich nicht auf eine Kopplung berufen, weil solche Verträge vielfach nicht mehr gelten.“
Bundesnetzagentur geht gegen fünf Gasnetzbetreiber vor
Unterdessen hat die Bundesnetzagentur im Bemühen um mehr Wettbewerb auf fünf Gasnetzbetreiber mit der Einleitung eines Verfahrens Druck gemacht. Es bestehe der Verdacht, dass sie gegen Vorgaben zu einfacheren Netzstrukturen verstießen oder sie missachteten, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, am Montag in Bonn. Die Unternehmen sollten die Anzahl der Teilnetze und Bilanzzonen möglichst gering halten. Mit einer Zusammenlegung sogenannter Marktgebiete soll der Zutritt neuer Anbieter und der Transport in der Fläche vereinfacht werden.
Das sogenannte Missbrauchsverfahren betrifft RWE Transportnetz Gas GmbH, E.ON Gastransport AG & Co. KG, EWE Netz GmbH, Erdgas Münster Transport GmbH & Co. KG und Gasunie Deutschland Transport Services GmbH. Sie haben laut Kartellamt ihre Zusagen widerrufen, ihre bisher gesonderten fünf Marktgebiete für Gas mit niedrigem Brennwert zu nur noch zwei Marktgebieten zusammenzulegen. Der Zusammenschluss habe bis zum Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahres am 1. Oktober 2008 erfolgen sollen.
Eine weitere Verringerung der Marktgebiete sei „dringend erforderlich, um den immer noch unzureichenden Wettbewerb im Gasmarkt voranzubringen und damit günstigere Bedingungen für die Verbraucher auch zum Wechsel ihres Lieferanten zu schaffen“, sagte Kurth. „Die Unternehmen haben ohne stichhaltige Begründung ihre Zusage zur Zusammenlegung von Marktgebieten widerrufen.“ Als Ergebnis des Verfahrens droht den Netzbetreibern eine behördliche Marktgebietsfestlegung durch die Netzagentur.
Ich verstehe nach wie vor
Christian Roigk (Dubai1)
- 25.08.2008, 17:31 Uhr
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