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McDonald's Keine Dumpinglöhne in China mehr

07.08.2007 ·  Die größte Fastfood-Kette der Welt hat einen schweren Stand in China. Dem Geschäft fehlt Elan, und McDonald's liegt klar hinter Kentucky Fried Chicken. Und jetzt gestand die Kette auch noch ein, Dumpinglöhne gezahlt zu haben.

Von Christian von Hiller
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Hamburger statt Reisschüssel. Nach diesem Motto konzentriert der amerikanische Fastfood-Konzern McDonald's sein Wachstum auf China. Allerdings hatte sich die weltgrößte Kette für Schnellrestaurants in dem Land den Vorwurf eingehandelt, ihren 50.000 Teilzeit-Beschäftigten in China Dumpinglöhne zu zahlen.

Für 95 Prozent von ihnen werden die Löhne zum 1. September um durchschnittlich 30 Prozent erhöht, zitierte die Zeitung „Beijing Youth Daily“ am Dienstag den China-Chef von McDonald's, Jeffrey Schwartz. In der Spitze sollen es sogar 56 Prozent sein.

McDonald's öffnet sich für die Gewerkschaft

Auf den Vorwurf, Dumpinglöhne zu zahlen, hatte McDonald's schon reagiert und forciert seitdem die Eröffnung von Betriebssektionen der offiziellen und allein im Land zugelassenen Gewerkschaft ACFTU (All China Federation of Trade Union).

Im April hatte eine Zeitung aus Kanton berichtet, dass die Teilzeitbeschäftigten - häufig sind es Studenten - gerade einmal 4 Yuan pro Stunde verdienen. Das entspricht etwa 40 Euro-Cent. Dabei liegt der Mindestlohn in der Provinz bei 7,50 Yuan. Zwar wurde auch den anderen amerikanischen Fastfood-Ketten in China - Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut - der Vorwurf gemacht, zu geringe Löhne zu zahlen. Aber der Fall von McDonald's erregte schnell großes Aufsehen in der chinesischen Presse.

Gewerkschaft erhöht den Druck

Der Fall zeigte vor allem auch, dass die Gewerkschaft ACFTU den Druck erhöht, damit bis zum Jahresende ihr Ziel erreicht wird und gut zwei Drittel der in ausländischen Unternehmen Angestellten gewerkschaftlich organisiert sind. Den Anfang machte im vergangenen Jahr die amerikanische Supermarktkette Wal-Mart. Das Unternehmen ist für seine Weigerung bekannt, Gewerkschaften zuzulassen. In China jedoch musste Wal-Mart in seinen 60 Supermärkten eine Ausnahme machen.

815 Schnellrestaurants betreibt McDonald's in China mit rund 200.000 Festangestellten und will das Netz jedes Jahr um weitere 100 Restaurants vergrößern. Doch dabei ist die Fastfood-Kette offenbar zu kapitalistisch vorgegangen und zahlte den Teilzeit-Beschäftigten einen Lohn, der um bis zu 40 Prozent unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn lag.

Kentucky Fried Chicken läuft viel besser

China ist für McDonald's ein Markt mit großer Symbolkraft: Die Chinesen entdecken zunehmend westliche Ernährungsgewohnheiten für sich. Bei den Olympischen Spielen, die im kommenden Jahr in Peking ausgetragen werden, hat sich das Unternehmen als Sponsor eingekauft. Davon erhofft sich der amerikanische Konzern einen weiteren Wachstumsschub.

Doch von den schnellen Geschäften mit Fastfood profitierte bisher in erster Linie der Konkurrent Yum Brands. Dem gehören die Ketten Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut, und diese dominieren mit 1600 und 200 Imbissrestaurants den Markt - und damit deutlich vor McDonald's.

Finanzielles Opfer in Lateinamerika

Um den chinesischen Markt zu erschließen, ist McDonald's zu großen Opfern bereit und zieht sich aus Lateinamerika zurück. Die 1600 Filialen in Lateinamerika und der Karibik stieß die Kette an einen Franchise-Nehmer ab. Schnelligkeit ging bei dem Verkauf vor Rendite. Die Transaktion brachte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 711,7 Millionen Dollar (514 Millionen Euro) bei einem Umsatz von rund 5,5 Milliarden Dollar. 1,6 Milliarden Dollar musste der Konzern für die Filialen in Lateinamerika abschreiben.

Langfristig will McDonald's weltweit nur noch jedes dritte Restaurant selbst betreiben und die große Mehrheit an Franchisenehmer abgeben. Vor allem in China, Japan, Russland und sogar in Frankreich, das sich gerne als der größte Gourmet-Tempel der Welt sieht, verzeichnet McDonald's hohe Wachstumsraten, während in den Vereinigten Staaten der Umsatz immer wieder mit neuen Produkten angekurbelt werden muss.

Hamburger an der Tanke

Mit neuen Ideen will China-Chef Schwartz auch in China punkten und spricht dazu gezielt die Autofahrer an, für die er „Drive-Through“-Restaurants baut. Die gibt es in den Vereinigten Staaten schon seit gut 30 Jahren und seit dem vergangenen Jahren auch in China die ersten. Autoschalter sollen auch in China häufiger gebaut werden, auch an Tankstellen. Dazu hat McDonald's eine Vereinbarung mit der staatlichen Ölgesellschaft Sinopec getroffen, die 30.000 Tankstellen besitzt und dieses Netz derzeit kräftig ausbaut.

Seit 1990 ist McDonald's in dem Riesenreich präsent und hat seitdem Fehler über Fehler begangen. Viel zu lange, meinte die Unternehmensberatung McKinsey, führte das Unternehmen die China-Geschäfte aus Hongkong heraus, während Kentucky Fried Chicken von Anfang an direkt nach China ging und dadurch viel näher am Markt war. Immerhin hat McDonald's China in der Zwischenzeit seinen Sitz nach Schanghai verlegt. Auch stellte sich Kentucky Fried Chicken besser auf den chinesischen Geschmack ein. Und das liegt nur nicht an der Ausrichtung auf Geflügel, das in China besonders beliebt ist.

Charme-Offensive bei Chinas Bauern

Auch wirbt McDonald's nun damit, etwas für den chinesischen Bauernstand zu tun: So schloss die Kette Verträge mit Landwirten vor Ort ab und versäumte nicht, dies der chinesischen Öffentlichkeit bei jeder Gelegenheit mitzuteilen. Sogar Apfeltaschen werden nun auch in China hergestellt, und chinesische Bauern pflanzen Unmengen von Kartoffeln und züchten eigens Rinder für die Herstellung von Pommes Frites und Hamburgern.

Bis zu den Olympischen Spielen will McDonald's noch 100 Filialen in China eröffnen. Denn der Erfolg von Yum Brands muss die Konzernführung in Oak Brook (Illinois) besonders schmerzen. Eigentlich will McDonald's ja in einer anderen Liga spielen: In der jüngsten Liste des Wirtschaftsmagazins „Fortune“ der 500 größten amerikanischen Unternehmen rangiert McDonald's mit 21,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz und 3,5 Milliarden Dollar Gewinn auf dem respektablen Rang 108.

Yum Brands kommt gerade einmal auf 9,6 Milliarden Dollar Umsatz und 824 Millionen Dollar Gewinn. Damit rangiert Yum Brands viel weiter unten und ist nur auf Rang 262 plaziert. Da ist es für McDonald's eben besonders ärgerlich, von dem kleinen Bruder in China abgehängt zu werden.

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