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Massiver Ausstand im Nachbarland Bahnstreik: 350 Kilometer Stau in Frankreich

14.11.2007 ·  Die Franzosen erleben jetzt schon, was in Deutschland womöglich bevorsteht: In dem Nachbarland streiken die Bahnangestellten seit Dienstagabend. Rund um Paris quälen sich die Autofahrer durch scheinbar endlose Staus. Wann der Ausstand enden könnte, ist bis jetzt noch offen.

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Der Streik der Eisenbahner in Frankreich hat im Berufsverkehr am Mittwochmorgen zu landesweit über 350 Kilometer Stau geführt. Wie das französische Verkehrsinformationszentrum (CNIR) mitteilte, bildeten sich in der Hauptstadtregion um Paris fast 200 Kilometer Stau. Die Eisenbahner waren am Dienstagabend in einen unbefristeten Streik getreten, um gegen die von Staatspräsident Nicolas Sarkozy geplante Abschaffung der Frührente in Staatsbetrieben zu demonstrieren.

Seit dem Morgen schlossen sich auch Beschäftigte der Pariser Verkehrsbetriebe an. In Paris fuhr damit im Schnitt nur jede fünfte U-Bahn. Zwei Metro-Linien sowie eine Schnellbahn mussten ganz geschlossen werden. Nur 15 Prozent der Busse verkehrten.

Strom für öffentliche Gebäude abgestellt

Die Staatsbahn SNCF ging davon aus, dass landesweit am Mittwoch nur 90 von sonst 700 TGV-Hochgeschwindigkeitszügen verkehren werden. Eine Fortsetzung des Streiks bis zum Wochenende ist den Angaben zufolge möglich. Die Beschäftigten der Energiekonzerne EDF und GDF waren wegen der Rentenpläne ebenfalls zum Streik aufgerufen. In Südwestfrankreich stellten EDF-Mitarbeiter schon am Dienstagabend in mehreren Städten den Strom für öffentliche Gebäude ab. Privatleute und Unternehmen war nicht betroffen.

Arbeitsminister Xavier Bertrand wollte am Vormittag abermals die Gewerkschaften treffen, um über eine Lösung des Konflikts zu beraten. Die Gewerkschaften verlangen, dass die Verhandlungen über die Details der Rentenreform in Dreiergesprächen mit den Unternehmen und der Regierung geführt werden. Die Regierung lehnt eine Teilnahme bisher ab.

Thalys-Verkehr läuft „normal“

Der internationale Bahnverkehr mit den Thalys-Zügen nach Brüssel, Amsterdam und Köln soll dagegen laut SNCF trotz des Streiks „normal“ laufen. Verspätungen bis zu 30 Minuten seien jedoch möglich. Auch Eurostar-Züge zwischen Paris und London sollen nicht ausfallen.

Der Streik begann am Dienstagabend. Erste Züge und U-Bahnen fielen dann schon aus. Schon vor knapp vier Wochen hatte ein Streik der Eisenbahner im ganzen Land den Verkehr lahmgelegt. Mehr als 75 Prozent der Eisenbahner beteiligten sich an dem Ausstand und damit mehr als beim Massenstreik im Jahr 1995. Damals schwächte ein wochenlanger Arbeitskampf die Regierung derart, dass sie eine ähnliche Reform wie die jetzt diskutierte zurücknehmen musste.

Mehrheit der Franzosen anscheinend skeptisch

Nach einer Umfrage für die Wirtschaftszeitung „Les Échos“ steht eine Mehrheit der Franzosen diesmal aber nicht hinter den Gewerkschaften. 55 Prozent hielten die Streiks für „nicht gerechtfertigt“, schrieb das Blatt (Dienstag). In einer anderen Umfrage für die linksgerichtete Tageszeitung „Libération“ (Dienstag) gaben 54 Prozent der Befragten an, eine „positive Meinung“ zu Sarkozy zu haben. Im Juli waren es noch 67 Prozent.

Arbeitsminister Xavier Bertrand bekräftigte am Dienstag abermals, dass die Kernpunkte der Reform der Sonderrenten „nicht verhandelbar“ seien. Dazu zählen die Verlängerung der Beitragszeit für die Rente von 37,5 auf 40 Jahre und die Orientierung der Rentenerhöhungen an den Preisen statt an der Lohnentwicklung. Rentenprivilegien wie die Frührente wurden einst für beschwerliche Berufe wie Eisenbahner in Staatsunternehmen eingeführt.

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