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150 Jahre „Das Kapital“ : Der falsche Prophet

Verklärungsversuch: Ein Schattenriss der geplanten Statue, die China Marx’ Geburtsstadt Trier stiftet. Bild: dpa

Vor 150 Jahren erschien „Das Kapital“, Karl Marx’ wissenschaftliches Hauptwerk. Seine zentralen Vorhersagen lagen daneben. Und wie Kommunismus praktisch funktionieren sollte, darüber hatte er so gut wie nichts zu sagen.

          Karl Marx gilt vielen als ganz großer Ökonom. Sicherlich hatten seine Schriften größtmögliche weltpolitische Konsequenzen. Im 20.Jahrhundert beriefen sich eine Reihe wichtiger Staaten mit Hunderten Millionen Einwohnern auf die Ideologie des Marxismus, oft ergänzt durch weitere Vordenker wie Lenin, Mao und andere. Der Kern des kommunistischen Programms war die Abschaffung des Privateigentums und die Einführung von Kollektiveigentum an den Produktionsmitteln, wie Karl Marx und Friedrich Engels im „Kommunistischen Manifest“ 1848 betonten. Diese kommunistische Wirtschaftsweise ist überall da, wo sie ausprobiert wurde, opferreich gescheitert. Kann man dafür Marx verantwortlich machen?

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          In „Das Kapital“, das im Herbst 1867 erschien, hatte Marx wortgewaltig zu belegen versucht, warum der Kapitalismus – also die auf Privateigentum, Gewinnstreben und privatunternehmerischer Entscheidung beruhende Wirtschaftsform – zwangsläufig gegen die Wand fahren werde. Das Kapital, das sich „vampirmäßig belebt durch Einsaugung lebendiger Arbeit“, schwächt sich selbst und schaufelt sich sein eigenes Grab. Der Kapitalismus produziere immer schärfere Krisen und werde unvermeidlich, aus seiner eigenen Logik heraus, kollabieren. Die Revolution der Arbeiterschaft ist unausweichlich.

          Marx Werk blieb unvollendet

          Marx, ein akribischer Denker, Forscher und Schreiber, hatte lange über diesen Analysen gebrütet. Der wegen linksradikaler Umtriebe von den Behörden verfolgte Philosoph und Journalist Marx lebte seit 1849 im Londoner Exil. 1851 glaubte er, „dass ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin“, wie er seinem Freund und Unterstützer Friedrich Engels schrieb.

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          Doch dann dauerte es immer länger. Jahrelang saß Marx tagaus, tagein im Lesesaal des British Museum und studierte Fachliteratur, Statistiken, Regierungsberichte, machte Tausende Seiten Notizen, während er und seine Familie kaum genug zu essen hatten. Marx’ Gesundheit verschlechterte sich. 1867 erschien zumindest der erste Band „Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie“. Bei seinem Tod 1883 waren zwei weitere Bücher fertig, die Engels postum herausgab, 1910 erschien noch ein Buch, das Karl Kautsky aus Manuskriptteilen zusammenstellte. Das „Kapital“-Gesamtprojekt, das Marx auf sechs Bücher veranschlagt hatte, blieb unvollendet.

          Forscher zeigen Unstimmigkeiten auf

          War Marx nun ein ökonomisches Genie? Oder ein „Crank“, ein eigenwilliger Spinner? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. „Das Kapital“ ist keine einfache Lektüre. Millionen Leser, die das Buch freiwillig oder gezwungenermaßen im Marxismus-Unterricht studierten, fragen sich wohl verzweifelt, was Marx wirklich gemeint hat. Er selbst beklagte viele Missverständnisse unter seinen Anhängern.

          Das liegt auch an seinem sperrigen Schreibstil und dem Argumentationsaufbau. Einerseits beschreibt er etwa ganz konkret Arbeitsprozesse in Fabriken und Kalkulationen von Kapitalisten, doch am Beginn des Buches stehen schwierige Spekulationen über den „Doppelcharakter“ der Waren, über Gebrauchs- und Tauschwerte, „abstrakte“ und „konkrete“ Arbeit, Preise und Geld.

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