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Schulz verteidigt Zukunftsplan : „Wenn es reinregnet, brauchen sie Handwerker“

  • Aktualisiert am

Das Programm von Martin Schulz ist klar: Mehr Geld für Bildung, Qualifizierung und die Infrastruktur Bild: dpa

Ist es sinnvoll, viel mehr Geld für die staatliche Infrastruktur auszugeben? Martin Schulz sagt: Ja! Die Union hält dagegen: Geld sei gar nicht das Problem.

          Der sogenannte Zukunftsplan von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist bei den anderen Parteien und bei Experten auf Kritik gestoßen. So wird die Sinnhaftigkeit der vorgeschlagenen Punkte bezweifelt und die Finanzierung infrage gestellt. Schulz hingegen verteidigte seinen Plan am Sonntagabend im ZDF-„Heute Journal“, vor allem mit Blick auf die Finanzierbarkeit.

          Sein am Sonntagmittag vorgestellter Zehn-Punkte-Plan ergänzt das vor drei Wochen verabschiedete Wahlprogramm der Sozialdemokraten. Einer der Punkte sieht eine Investitionsverpflichtung für den Staat vor. Diese solle durch Einnahmeüberschüsse finanziert werden, sagte Schulz in dem Interview. Bund, Länder und Gemeinden machten zusammen 56 Milliarden Euro Überschüsse.

          Die CDU-Vorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, bezweifelte im ARD-Sommerinterview generell die Notwendigkeit einer solchen Investitionsverpflichtung. Das Hauptproblem sei nicht fehlendes Geld, sondern zu langsame Planung. „Wir können zurzeit das Geld, was wir haben, nicht ausgeben“, erklärte sie. Deshalb setze die Union darauf, die Planungsverfahren zu beschleunigen und für vorrangige Projekte die Zahl der Klageinstanzen zu verringern.

          Schulz entgegnete im ZDF: „Wenn es den Schulen ins Dach reinregnet oder die Kinder nicht zur Toilette gehen können, dann brauchen Sie kein Planungsverfahren, dann brauchen Sie Handwerker.“

          „Es fehlt an sinnvollen Projekten“

          Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält den Vorschlag von Schulz indes auch für überflüssig. „Oft sind wir schon an dem Punkt angelangt, dass das Geld nicht mehr ausgegeben werden kann, weil es an sinnvollen Projekten fehlt“, sagte der Wirtschaftsforscher dem „Handelsblatt“. „Es hilft niemandem, öffentliche Investitionen wie mit der Schrotflinte zu steigern.“

          Wahlkampf : Kämpferischer Schulz will Staat in die Pflicht nehmen

          Bei einem anderen Punkt von Schulz’ Zukunftsplan, der Einrichtung eines deutschlandweiten Verbunds der Internet-Portale aller Behörden innerhalb von fünf Jahren, verwies Merkel auf die bereits bestehende Bund/Länder-Vereinbarung über einen Portalverbund. „Ist doch schön, wenn es sich deckt mit dem, was die SPD auch will“, sagte sie. Ansonsten hielt sie sich mit Kritik an Schulz zurück.

          Andere CDU-Politiker hatten Schulz am Sonntag bereits vorgeworfen, nichts zur Finanzierung seines Maßnahmepakets gesagt zu haben. Der FDP-Wirtschaftsexperte Michael Theurer bezifferte die Kosten des vorgeschlagenen staatlichen Guthabens für Bildung und berufliche Entwicklung jedes Bürgers („Chancenkonto“) auf mindestens 250 Milliarden Euro.

          Grüne vermissen Aussagen zum Klimaschutz

          Die Linkspartei findet Schulz’ Vorschläge zwar gut, hält sie aber ebenfalls für nicht durchfinanziert. Denn die SPD lehne eine Vermögensteuer ja ab, erklärte Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir vermisste im Schulz-Plan Aussagen zum Klimaschutz.

          Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) verteidigte Schulz’ Vorhaben, einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler einzuführen. Das hat zwar auch die Union in ihrem Wahlprogramm stehen. Aber: „Dafür muss der Bund mehr Geld investieren“, sagte Barley der „Passauer Neue Presse“. „Diese Ehrlichkeit scheuen CDU und CSU und reden besser gar nicht über eine mögliche Finanzierung.“ Schulz verspricht für den Rechtsanspruch und die Abschaffung der Kita-Gebühren drei Milliarden Euro.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte von der Union, sich arbeitsmarktpolitisch auf gute Jobs zu fokussieren. Das Ziel der Vollbeschäftigung im Wahlprogramm sei zwar richtig, sagte das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach „Aber es kann dabei nur um gute Arbeit gehen – zu anständigen Bedingungen und Löhnen. Wenn ich mir das Wahlprogramm der Union anschaue, bin ich sehr skeptisch“, sagte sie. „Die Union will die Mindestlohn-Kontrollen abbauen und den Niedriglohnsektor ausbauen.“

          Quelle: dpa

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