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Markenproduktionen Original oder Fälschung

Die Wirtschaft lebt vom Abkupfern. Denn Patentrecht und Copyright schränken nur den freien Wettbewerb ein. Erfinder werden maßlos überschätzt, denn Imitation bringt Gewinn.

© AFP Vergrößern Eine Original-Anfertigung der Marke Louis Vuitton

Sie heißen Speedy, Keepall oder Agenda, die Kultobjekte von Louis Vuitton. Eine besonders schöne Tasche, die SC Monogram im Design von Sofia Coppola, gibt es mit Besätzen aus naturfarbenem Rindsleder, Mikrofaserinnenfutter, Messingbeschlägen und dem Markenzeichen „LV“ im offiziellen Katalog für satte 1850 Euro. Wer dagegen bei Google „Louis Vuitton Replica“ eingibt, kann das gleiche Modell in Sekundenschnelle auch schon für 219 Dollar finden – mit etwas Geduld sogar noch günstiger.

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Überraschend ist das nicht. „Vuitton-Taschen sind die meistkopierten Objekte der Welt“, schreibt Marcus Boon in seinem gerade bei Harvard University Press erschienenen Buch „Lob des Kopierens“. Schätzungen nehmen an, dass allenfalls ein Prozent der LV-Taschen vom Unternehmen LVMH produziert werden. Die restlichen 99 Prozent sind Nachahmungen!

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In Taiwan, so erzählt Marcus Boon, gibt es fünf „Qualitätsstufen“ des Louis-Vuitton-Plagiats. Die edelsten sind handgemacht und selbst von Fachleuten nicht vom Original zu unterscheiden. „Sie können damit in einen Louis-Vuitton-Flagship-Store gehen und sich mit offenen Augen und fühlenden Händen von der Authentizität überzeugen“, werben die Kopisten. Entsprechend teuer sind solche Plagiate. Weil es eine Zeitlang schick war, sich als Louis-Vuitton-Plagiator zu outen (mit den Großbuchstaben FAKE auf dem Täschchen), wurden die Replikate manchmal sogar teurer als das Original verkauft. Die billigen „Plastic Fakes“ gab es dagegen immer schon für ein paar Dollar auf den asiatischen Märkten.

Louis vuitton Fälschung in Peking © AP Vergrößern Eine gefälsche Louis Vuitton Tasche in einem Geschäft in Peking

Produktionen in der gleichen Fabrik

In der Wirtschaft (nicht nur in der Wissenschaft) wird kräftig abgekupfert. Die Übergänge von ganz legal zu halblegal bis gänzlich illegal sind fließend. „Bevor wir uns mit rechtlichen und moralischen Abgrenzungsfragen herumschlagen, sollten wir zunächst klären, was ,Kopieren‘ überhaupt ist und welche vielfältigen Möglichkeiten es gibt“, sagt Marcus Boon.

Louis Vuitton ist nur ein besonders prominentes und womöglich extremes Beispiel. Bekannt sind jene Turnschuhfabriken in der südchinesischen Provinz Kanton, in denen zahllose Arbeiter und Arbeiterinnen die immer gleichen Sneakers je nach Abnehmer mit den Initialen von Adidas, Nike oder Puma versehen. Produziert wird für legale wie illegale Märkte in der gleichen Fabrik: „Ausschussware“ landet auf Russenmärkten im Westen, das Gros kommt als „Original“ in die Markenstores in Berlin, London und New York. Der Schuh ist der gleiche. Was macht ihn zur Fälschung? Was macht ihn zum Original? Was unterscheidet die Marken?

„Die Nachahmung ist ein verbreiteter Weg zu geschäftlichem Wachstum und wirtschaftlichem Erfolg“, wusste schon vor fünfzig Jahren Theodore Levitt, ein damals bekannter Marketingprofessor an der Harvard Business School. Häufig sind die Imitatoren sogar wirtschaftlich erfolgreicher als die Innovatoren. Legendär ist das Beispiel des MP3-Players, also die Möglichkeit, Musik elektronisch zusammenzupressen, im Netz zu verschicken und daheim abzuspielen. 1995 von deutschen Wissenschaftlern am Fraunhofer-Institut erfunden und patentiert, bot die Idee zunächst, wider die Intention der Erfinder, die fabelhafte Möglichkeit, über das Internet Musik illegal herunterzuladen. Erst Apple gelang der Coup, mit dem Nachahmer iPod (nichts anderes als eine geschmackvoll designte Gerätschaft zur Nutzung der MP3-Technik) in großem Stil Geld zu verdienen. Der Nachahmer sahnt ab, der Erfinder begnügt sich mit Brosamen.

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