Home
http://www.faz.net/-gqe-76dbn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Mario Draghi „Ein Zeichen für die Rückkehr des Vertrauens“

Europas Währungshüter lassen sich nicht von Sorgen um die Aufwertung des Euro beirren. Die Zinsen bleiben auf Rekordtief - trotz der Rezession im Euroraum. Die Notenbank sieht zunehmend Zeichen der Entspannung an den Märkten.

© AFP Vergrößern „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro“: Mario Draghi

Europas Währungshüter lassen sich auch durch wachsenden politischen Druck nicht von ihrem Kurs abbringen. Anders als etwa die französische Regierung macht sich die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst keine Sorgen wegen der jüngsten Aufwertung des Euro. „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Langfristig bewege sich der Euro in der Nähe seines Durchschnittswerts. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, insbesondere zum japanischen Yen, zum US-Dollar und zum britischen Pfund - auch infolge einer sehr lockeren Geldpolitik in Japan und den Vereinigten Staaten.

Waren aus dem Euroraum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte sich deshalb für eine aktive Wechselkurspolitik geworben. Die Forderung nach einem politisch gesteuerten Wechselkurs stößt vor allem in Deutschland auf Ablehnung. Draghi betonte, Wechselkurse seien kein Ziel der Notenbank. Die aktuellen Kurse bewegten sich in der Nähe der langfristigen Durchschnittswerte. Die Wahrung der Unabhängigkeit der Notenbank sei essenziell für ihre Glaubwürdigkeit.

Mehr zum Thema

Den Leitzins im Euroraum hält die EZB wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Zwar steckt der Euroraum in der Rezession, die Währungshüter erwarten jedoch, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres allmählich wieder erholen wird. „Die Stimmung an den Finanzmärkten hat sich verbessert“, bekräftigte Draghi. Jüngste Umfragen bestätigten, dass sich das Vertrauen bei Unternehmen und Verbrauchern stabilisiere. Als positiv hob Draghi auch die vorzeitige Tilgung eines Teil der langfristigen EZB-Notkredite hervor.

Bisher zahlten Geschäftsbanken gut 140 Milliarden Euro des ersten EZB-Langfristkredits von Ende 2011 zurück. Er hatte ein Volumen von rund 490 Milliarden Euro und bis zu drei Jahre Laufzeit. Weil das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung deutlich gestiegen ist, fließt zudem wieder Kapital in den Euroraum zurück. Allerdings kommen die Verbesserungen nur schleppend bei Unternehmen an. Johannes Mayr von der BayernLB erwartet jedoch, dass im Zuge der Entspannung an den Finanzmärkten allmählich auch die Bedingungen für die Finanzierung von Unternehmen in den Krisenländern günstiger werden.

Der Leitzins der EZB bliebt bei 0,75 Prozent © dpa Vergrößern Der Leitzins der EZB bliebt bei 0,75 Prozent

Angesichts der Entspannung an den Finanzmärkten sehen einige Ökonomen die EZB bereits vor dem Rückzug aus der ultralockeren Geldpolitik. Die Berenberg Bank prognostiziert, dass die Euro-Wirtschaft rasch in Schwung kommen und die Zinsen noch vor Ende des Jahres 2013 wieder angehoben werden. Andere Volkswirte rechnen hingegen nach wie vor mit einer weiteren Zinssenkung.

Im Kampf gegen die Schuldenkrise hält die EZB noch immer ihre schärfste Waffe bereit: Das 2012 aufgelegte Programm zum notfalls unbegrenzten Kauf von Anleihen kriselnder Eurostaaten ist startklar, aber noch nicht aktiviert. Denn es setzt voraus, dass ein Land unter den europäischen Rettungsschirm schlüpft und somit Reformvorgaben einhalten muss. Als heißesten Kandidaten für das Programm sehen Ökonomen noch immer Spanien.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Kursrekorde Zwischen Allzeithoch und Krisenfurcht

An den Aktien- und Anleihemärkten geht es steil bergauf. Doch wie lange kann es so weitergehen? Warnungen vor einer Überhitzung an den Finanzmärkten bekommen inzwischen mehr Gehör. Mehr Von Gerald Braunberger, Daniel Mohr, Winand von Petersdorff

10.04.2015, 18:06 Uhr | Finanzen
Streit um Geldpolitik Draghi gegen Weidmann

Die negativen Stimmen zu EZB-Chef Mario Draghi werden immer lauter. Auch der Chef der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann übt Kritik. Mehr

24.10.2014, 12:53 Uhr | Wirtschaft
Marktbericht Dax legt Rückwärtsgang ein

Der deutsche Leitindex hat am Donnerstag an Boden verloren. Börsenexperten meinen, Anleger müssten angesichts überhitzter Märkte langfristig mit einer Korrektur rechnen. Mehr

16.04.2015, 13:37 Uhr | Finanzen
Geldpolitik EZB startet eine Billion Euro schweres Kaufprogramm

Mit einem eine Billion Euro schwerem Kaufprogramm will EZB-Präsident Mario Draghi der Konjunktur in der Euro-Zone auf die Sprünge helfen und die Inflation wieder in Richtung der angepeilten Zielmarke von knapp zwei Prozent hieven. Mehr

06.03.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft
Mayers Weltwirtschaft Die Lähmung

Das Ende der Geldpolitik könnte den Weg für eine neue Ordnung bereiten Mehr Von Thomas Mayer

11.04.2015, 15:38 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.02.2013, 14:02 Uhr

Was tun mit Google?

Von Patrick Bernau

Das EU-Verfahren gegen Google ist übertrieben und nutzlos. Doch mit Google ist längst nicht alles gut. Deshalb sind bessere Ideen gefragt. Mehr 4 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Junge Menschen verkaufen über das Netz

Ein gebrauchtes Smartphone oder der Wohnungsputz – viele Menschen verkaufen Produkte und Dienstleistungen über das Internet. Vor allem junge. Mehr 1