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Margret Suckale im Gespräch „Offenbar fehlt der Wille zur Einigung“

12.10.2007 ·  Am kommenden Montag will die Deutsche Bahn der Lokführergewerkschaft GDL ein neues Angebot unterbreiten. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale wirft den Lokführern im F.A.Z.-Interview mangelnde Kooperationsbereitschaft vor.

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Am kommenden Montag will die Deutsche Bahn der Lokführergewerkschaft GDL ein neues Angebot unterbreiten. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wirft Bahn-Personalvorstand Margret Suckale den Lokführern mangelnde Kooperationsbereitschaft vor.

Frau Suckale, vor Beginn des Gesprächs der Bahn mit der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) sickerte durch, dass die Lokführer sich schon auf einen Streik verständigt hatten. Wie war die Gesprächs-Atmosphäre?

Das Präsidium des Aufsichtsrats hatte zu diesem Treffen eingeladen, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Wir hatten fest damit gerechnet, dass Herr Schell den Ausgang dieses Gespräches abwartet und vorher keine Streiks ankündigt. Im Hinblick auf das für Montag angekündigte Angebot hätte man erwarten können, dass er den Streik noch absagt, zumal dies möglich gewesen wäre.

Video: Bahnstreiks legen Regionalverkehr lahm

Warum ist der Tarifkonflikt mit der GDL nach den Vermittlungen der beiden Mediatoren Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf nochmals so eskaliert?

Nach der Moderation wähnten wir uns auf einem guten Weg. Die Moderatoren haben es fertiggebracht, alle drei Gewerkschaften wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Kooperation der Gewerkschaften war für uns das wichtigste Ergebnis der Moderation. Kurze Zeit später zeigte sich dann, dass dieser Teil des Moderationsergebnisses nicht erreicht werden konnte.

Sind der Bahn dann nicht die Hände gebunden, wenn sich die Gewerkschaften, also Transnet und GDBA einerseits, sowie GDL andererseits nicht miteinander kooperieren?

Es geht hier um eine organisationspolitische Auseinandersetzung, die die Gewerkschaften bisher nicht untereinander austragen konnten. Offenbar fehlt der Wille, eine Einigung zu erzielen.

Die Mediatoren hatten vorgeschlagen, dass die GDL für die Lokführer einen eigenständigen Tarifvertrag aushandeln sollte, der sich widerspruchsfrei in das Tarifgefüge des Konzerns einfügen sollte. Warum sind die Verhandlungen gescheitert?

Die GDL war nicht bereit, in enger Kooperation mit den anderen Gewerkschaften ein konflikt- und widerspruchsfreies Ergebnis zu erhalten. Das aber war auch ein wesentlicher Bestandteil des Moderationsergebnisses. Es geht der GDL in erster Linie um die Aufgabe der Tarifeinheit bei der Bahn, damit Berufsgruppengewerkschaften unterschiedliche Tarifverträge durch Streik erzwingen können.

Wünschen Sie sich, dass die Bundesregierung sich in den Konflikt einbringt?

Tarifautonomie ist ein hohes Gut. Das ist ein Grundsatz, den sich die Gewerkschaften hart erkämpft haben: Verhandlungen direkt mit den Arbeitgebern, ohne dass sich der Staat einschaltet. Es ist daher paradox, dass die GDL die Politik auffordert, sich in den Tarifkonflikt einzumischen.

Welchen Ausweg gibt es aus der Krise?

Wir werden am Montag nochmals ein neues Angebot vorlegen, aber weiterhin die Lohngerechtigkeit in unserem Konzern mit 240.000 Beschäftigten wahren. Wir sind nicht nur 8000 streikwilligen Lokführern verpflichtet, sondern allen anderen Berufsgruppen bei der Bahn. Die spezifischen Bedürfnisse der Lokführer wollen wir aber durch verbesserte Schichten und Aufstiegsmöglichkeiten berücksichtigen.

Offenbar reagieren Sie mit Ihrem neuen Angebot nur auf die Streiks der Gewerkschaft...

Wir hatten ja schon vor dem Streik zugesichert, ein neues Angebot vorzulegen, das wir bis Montag zu Papier bringen. Außerdem wollen wir die Entgeltstruktur überarbeiten und neu gestalten. Zudem haben wir Spielraum bei Lohnerhöhungen, die sich an Produktivitätssteigerungen der Beschäftigten orientieren.

Warum stemmen Sie sich so vehement gegen einen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer?

Das war schwierig, weil wir dazu die GDL am Verhandlungstisch brauchen. Leider hat sich die GDL in allen Gesprächen verweigert und gefordert, alles separat von den beiden anderen Gewerkschaften auszuhandeln. Doch damit würden wir die Tarifeinheit bei der Bahn verlieren. Wir bieten der GDL eigenständige Regelungen für die Lokführer an, doch diese müssen sich konflikt- und widerspruchsfrei in unser Tarifgefüge einpassen.

Wann kommt es wieder zu Streiks?

Wir gehen davon aus, dass über unser Angebot zunächst verhandelt und es bis Ende Oktober zu keinen Streiks kommen wird.

Das Gespräch führte Matthias Müller.

Quelle: F.A.Z., 13.10.2007, Nr. 238 / Seite 11
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