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Mammutprojekt : Der Welthandel soll über Chinas Seidenstraße rollen

Auf dem Weg nach Europa: Ein Güterzug kurz nach Fahrtbeginn in Zhengzhou Bild: Imago

Mit dem Plan „Ein Gürtel, eine Straße“ möchte China die Globalisierung antreiben. Sogar die Amerikaner machen nun mit. Doch Europa ist skeptisch.

          Am Freitag hat Amerika verkündet, dass es eine Delegation zur Seidenstraßenkonferenz an diesem Wochenende entsendet. Davon, dass Amerikas Präsident Donald Trump China vor kurzem noch einen Währungsmanipulator genannt hat, ist inzwischen keine Rede mehr. Das Verhältnis beider Länder hat sich nach dem Staatsbesuch Xi Jinpings in Trumps Mar-a-Lago-Resort in Florida deutlich aufgehellt und wird von amerikanischen Medien ironisch als „Bromance“ bezeichnet, als innige Männerfreundschaft. Seitdem er an der Macht sei, habe China die Manipulation seiner Währung gestoppt, hat Trump in dieser Woche mehrfach verkündet. Allerdings stützt Peking schon seit eineinhalb Jahren seinen Yuan, der auch Renminbi genannt wird, anstatt ihn gegenüber dem Dollar abwerten zu lassen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Doch in der propagierten neuen Freundschaft zwischen Washington und Peking scheint das alles nicht mehr wichtig. Am Freitag haben die Amerikaner zwar verkündet, die Delegation zu entsenden. Dies werten Beobachter als diplomatischen Sieg Chinas, hatte das Land Amerika doch zuvor mehrmals vergeblich aufgefordert, an dem von Xi Jinping initiierten Projekt zur großen Investition in Infrastruktur in weiten Teilen der Welt teilzunehmen.

          Nun ist Japan die einzige große Volkswirtschaft, die auf der Konferenz nicht vertreten ist. 28 Staatsführer sollen über die Initiative Xi Jinpings beraten, der das erste Mal im Jahr 2013 davon gesprochen hat, mit dem Projekt „Yi dai, yi lu“ entlang einem Landweg auf den Spuren der alten Seidenstraße aus der Zeit des venezianischen Kaufmanns und China-Reisenden Marco Polo ein Infrastrukturprogramm aufzulegen. Straßen, Eisenbahnlinien, Häfen und Kraftwerke will Peking mit chinesischem und ausländischem Geld bauen, die Schätzungen über den Wert geplanter Investitionen reichen von 900 Milliarden bis 1,1 Billionen Dollar.

          Xi Jinping spielt das Loblied auf die Globalisierung

          65 Staaten hat Peking bisher überreden können, mitzumachen. Armen und politisch höchst instabilen Ländern wie Afghanistan und Pakistan will China die Segnungen seiner Staatsindustrie zukommen lassen, etwa den Bau von allerhand Kohlekraftwerken. Das belastet zwar den neuen Ruf des Landes als vermeintlicher Klimaretter, soll jedoch dazu beitragen, Terroristen von der Volksrepublik fernzuhalten. Reichen Ländern wie Deutschland verspricht Xi Jinping, über neue Eisenbahnstrecken und Häfen die Handelsbeziehungen auszubauen.

          Bild: Mercator Institute for China Studies / F.A.Z.-Karte

          Von Peking soll abermals das Loblied auf die Globalisierung um den Erdball gehen, das Xi Jinping schon zu Beginn des Jahres im schweizerischen Davos beim Weltwirtschaftsforum gesungen hat. In einer Zeit, in der Amerikas Präsident Donald Trump damit droht, neue Zollschranken zu errichten und aus internationalen Verträgen über militärische Zusammenarbeit, Klimaschutz und Freihandel auszusteigen, zeigt sich China bereit, von den Vereinigten Staaten die Rolle als neue Führungsmacht zu übernehmen.

          In Berlin werden die Pläne nicht allzu hoch gehängt

          Russlands Präsident Wladimir Putin ist ebenso bei Xi Jinpings Prestigeveranstaltung dabei wie die britische Premierministerin Theresa May und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Bundeskanzlerin Deutschlands, des bisher wichtigsten Partners Pekings im Westen, ist hingegen nicht anwesend. Dass stattdessen Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) nach China reist, zeigt, dass Xi Jinpings Projekt der neuen Seidenstraße in Berlin nicht allzu hoch gehängt wird.

          Man wolle erst einmal sehen, was aus den bisher noch reichlich wolkigen Plänen über die vielen geplanten Investitionen wird, heißt es dort. Anders als einzelne deutsche Unternehmen, die pflichtschuldig der Prestigeveranstaltung in Peking ihren Tribut zollen, äußert sich die Interessenvertretung der europäischen Wirtschaft denn auch kritischer über das Projekt, von dem Peking nicht müde wird, zu betonen, alle Teilnehmer profitierten.

          Stress mit Trump und China : Gerät der deutsche Stahl ins Hintertreffen?

          Schon kurz nach Vorstellung der Pläne vor ein paar Jahren ist der Verdacht laut geworden, dass Peking nur neue Absatzkanäle im Ausland für seine schwächelnde Staatswirtschaft suche und seine Probleme wie etwa die Überkapazitäten in der Schwerindustrie zu exportieren suche. Die neue Seidenstraße drohe zur Einbahnstraße zu werden, warnt der Präsident der Europäischen Handelskammer in China Jörg Wuttke gegenüber der F.A.Z. Dass der von Xi Jinping gewählte Begriff der Seidenstraße für das Projekt an eine Epoche in der Geschichte erinnere, in der China die führende Macht der Welt war und über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung erbrachte, zeige, wie Peking über das Ziel der Initiative dächte.

          Quelle: F.A.Z.

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