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Männer und Frauen Der kleine Unterschied in der Bezahlung

 ·  In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt etwa 23 Prozent weniger in der Stunde als Männer. Ein Teil dieser Gehaltslücke lässt sich - verschiedenen Studien zufolge - durch nüchterne Fakten erklären. Doch ein Rest Ungleichheit bleibt.

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An diesem Freitag lohnt sich ein Blick auf die Handtaschen der Frauen in den deutschen Städten. Sind sie rot, will die Trägerin vielleicht ein Zeichen setzen. Denn die rote Handtasche ist das Symbol des „Equal Pay Day“, der in diesem Jahr auf den 20. März fällt und den Tag markiert, bis zu dem Frauen länger arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt eines Mannes zu kommen.

In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt etwa 23 Prozent weniger in der Stunde als Männer. Ein Teil dieser Gehaltslücke lässt sich - verschiedenen Studien zufolge - durch nüchterne Fakten erklären. So haben Frauen eine Vorliebe für Branchen und Berufe, in denen traditionell schlecht verdient wird. Sie arbeiten häufig in Teilzeit und legen längere Babypausen ein. Sie sind öfter in kleinen Betrieben beschäftigt und seltener in Führungspositionen vertreten. Und: In den Tätigkeitsbeschreibungen für typische Frauenberufe fehlen häufig Punkte, die in Beschreibungen für Männerjobs auftauchten - und bares Geld wert sind.

Gehaltslücke schrumpft, aber verschwindet nicht

Werden all diese Faktoren herausgerechnet, schrumpft die Gehaltslücke - doch sie verschwindet nicht. Statistische Untersuchungen ergäben in der Regel, dass ein Teil der Lohndifferenz nicht auf erklärbare Faktoren zurückzuführen ist, heißt es vom Deutschen Frauenrat. Je nach Untersuchung würden zwischen 8 und 80 Prozent der Einkommensunterschiede auf Diskriminierung zurückgeführt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung etwa beziffert die Lücke bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und im gleichen Betrieb auf 12 Prozent - allerdings ohne Berücksichtigung von Überstunden und Hierarchien. Eine bislang unveröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft Hay Group kommt zu einem geringeren Unterschied: Wenn man ausschließlich gleichartige und gleichwertige Stellen miteinander vergleiche, verdienten Frauen im Schnitt lediglich 5 Prozent weniger als Männer, so die Aussage.

Die Beratungsgesellschaft hat rund 70.000 Gehaltsdatensätze von 300 Unternehmen aus der Vergütungsdatenbank analysiert, Stichtag für die Erhebung war der 1. Oktober 2008. Dabei schauten sich die Berater sogenannte Stellenfamilien an und verglichen die Verdienste von weiblichen und männlichen Mitarbeitern. Auf Teamleiterebene errechnete die Hay Group für Männer 73.000 Euro, für Frauen 70.000 Euro, das entspricht einem Unterschied von rund 4 Prozent. Je nach Tätigkeitsbereich fallen die Differenzen höher oder niedriger aus. Während etwa in der Informationstechnik (IT) die Bezüge nahezu identisch sind, ist unter den Ingenieuren auf allen Hierarchiestufen ein Abstand festzustellen. Im Personalwesen und in den Finanzen entwickelt sich der Unterschied erst mit steigender Hierarchiestufe.

Mit Computerprogramm Lohnunterschiede aufdecken

Dass auch in identischen Stellenfamilien ein Unterschied zwischen den Bezügen von Frauen und Männern besteht, führt Siegmar Schulz, Senior Vice President der Hay Group, auf die unterschiedliche Verhandlungsweise zurück. „Männer machen den Mund weiter auf, wenn es um eine Gehaltserhöhung geht.“ Und sie seien mobiler. „Sie wechseln eher mal die Stadt, um ein besser dotiertes Angebot anzunehmen.“ Er rät Frauen dazu, ihre Qualifikation stärker herauszustellen - und nur eine kurze Babypause einzulegen. „Eine Auszeit von drei bis sechs Monaten wird sich sicherlich nicht negativ auswirken“, sagt Schulz. Ähnliches hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft herausgefunden: Frauen, die ihrem Job länger als drei Jahre den Rücken kehrten, hätten 14 Prozent weniger auf dem Lohnzettel als Männer mit gleicher Arbeitszeit und Qualifikation. Bliebe eine Frau dem Arbeitsmarkt hingegen weniger als ein Jahr fern, reduziere sich die Lohnlücke auf 6 Prozent.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) warb am Donnerstag für das Computerprogramm Logib-D, mit dem Unternehmen untersuchen können, ob sie unterschiedliche Löhne für gleiche Arbeit zahlen. Zu den Ersten, die das Programm anwenden wollen, gehörten Microsoft Deutschland, der Krankenhausbetreiber Marienhaus GmbH, der Arzneimittelhersteller Weleda und die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover, sagte die Ministerin.

Oftmals zu bescheiden

Die Arbeitgeberverbände betonten, dass sich Lohnunterschiede aus unterschiedlichen Erwerbsbiografien begründeten. Die 23-Prozent-Lücke stelle einen rein statistischen Durchschnittswert dar, es sei deshalb falsch zu behaupten, alle Männer würden bei gleicher Tätigkeit ein deutlich höheres Einkommen als Frauen beziehen. „Frauen entscheiden sich immer noch viel zu selten für einen gut bezahlten technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf“, gab die Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen, Petra Ledendecker, zu bedenken. Außerdem seien Frauen in Gehaltsverhandlungen oftmals viel zu bescheiden.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Ingrid Sehrbrock, forderte von der Regierung einen Ziel- und Zeitplan zur Verringerung der Lohnlücke, ein eigenständiges Verbandsklagerecht der Gewerkschaften und die Abschaffung des Ehegattensplittings, das der Erwerbstätigkeit von Frauen entgegenstünde.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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