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Luftverkehr Streik der Fluglotsen vorerst abgewendet

Im Tarifstreit mit den deutschen Fluglotsen gehen die Arbeitgeber in die Schlichtung. Damit ist ein Streik vorerst vom Tisch. Kommt es zur Einigung, werden die Kosten der Gehaltszuwächse wohl zum Teil an die Passagiere weitergegeben.

© dpa Vergrößern Fluglotsen wollen im Dienste der Sicherheit mehr verdienen

Ein Streik der Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung ist fürs Erste abgewendet. Der Tarifstreit zwischen der bundeseigenen Flugsicherung in Langen und der Gewerkschaft der Flugsicherung wird nun in ein Schlichtungsverfahren münden, falls sich die Arbeitnehmerseite nicht doch noch zu neuen Verhandlungen bereit erklärt.

Jochen Remmert Folgen:  

Dagegen spricht aber, dass die Flugsicherungsgewerkschaft ein Angebot der Unternehmensleitung zurückwies, weil es lückenhaft und deshalb als Grundlage für Verhandlungen ungeeignet sei. Die Arbeitgeberseite will nun die Chance nutzen, einen Arbeitskampf durch die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens zumindest für zwei Wochen zu verhindern. Eine Sprecherin der Flugsicherung sagte, dass man das Verfahren zunächst nur vorbereite und hoffe, dass sich die Gewerkschaft auch so wieder an den Verhandlungstisch zurückkehre. Sobald sich aber ein Streik abzeichne, werde die Flugsicherung die Schlichtung sofort einleiten und damit eine vierzehntägige Friedenspflicht auslösen.

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Flugsicherung bietet drei Prozent mehr Gehalt an

Da die Gewerkschaft den Streik 24 Stunden vor Beginn ankündigen muss, bleibt der Unternehmensleitung noch genug Zeit, das Schlichtungsverfahren anzustoßen. Als Schlichterin wird die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) genannt. Der Schlichter bildet mit Vertretern der Tarifparteien eine Kommission, um sich einen Überblick zu verschaffen, und unterbreitet dann einen Kompromissvorschlag. Akzeptieren die beiden Seiten diesen nicht, könnte es zwei Wochen später doch noch zum ersten regulären Streik der Fluglotsen in Deutschland kommen.

Kontrolle des Lufraumes © dpa Vergrößern

Die Flugsicherung bekräftigte das Tarifangebot vom Vortag, das sich aus drei Prozent Gehaltssteigerung und einer Einmalzahlung in Höhe von 1750 Euro zusammensetzt - bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das hatte die Flugsicherungsgewerkschaft am Morgen mit der Begründung abgelehnt, es enthalte keinerlei Vorschlag zur geforderten Neuordnung der Einkommensstruktur. Die Sprecherin der Flugsicherung meinte dazu, dass die Unternehmensleitung durchaus auch bereit sei, noch vor Beginn neuer Verhandlungen ein Konzept zur Umgestaltung der Einkommensstruktur vorzulegen, die Ausarbeitung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Fluglotsen verdienen bis zu 100.000 Euro im Jahr

Die Gehälter der Fluglotsen in Deutschland liegen zwischen 50.000 und 100.000 Euro im Jahr. Man verhandle aber nicht nur für die 1800 Fluglotsen, sondern für alle 5300 Beschäftigten der Flugsicherung, unter denen auch viele seien, die deutlich weniger verdienten, hieß es bei der Gewerkschaft. Zudem lägen die deutschen Lotsen allenfalls im oberen Mittelfeld in Europa, und amerikanische Kollegen verdienten sogar rund 160.000 Dollar im Jahr.

Derweil zeigten sich die Fluggesellschaften erleichtert, dass die Streikgefahr bei der Flugsicherung vorerst abgewendet ist. Ein Sprecher der Deutschen Lufthansa meinte, ein Streik der Fluglotsen sei schon deshalb kein geeignetes Mittel der Auseinandersetzung, weil Dritte in unverhältnismäßig hohem Maß davon betroffen seien.

Für Tanja Wielgoß, Geschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Fluggesellschaften, sind die Gehaltsforderungen der Fluglotsengewerkschaft schon angesichts der „ausgesprochen guter Gehälter“ bei der Flugsicherung nicht nachvollziehbar. Denn die Kostensteigerung des Unternehmens im Falle von Lohnerhöhungen gingen voll zu Lasten der Airlines, weil die Flugsicherung die Kosten zu hundert Prozent an die Fluggesellschaften weitergebe.

Tickets könnten teurer werden

Diese aber arbeiteten in einem sehr hart umkämpften Markt und stünden ohnedies unter einem gewaltigen Kostendruck. Viele Mitarbeiter der Fluggesellschaften hätten reale Einbußen hinzunehmen. Daher seien Forderungen, wie sie die Flugsicherungsgewerkschaft erhebe, oder gar Streikdrohungen nicht akzeptabel, meinte Wielgoß weiter. Sie fordert eine „ökonomische Regulierung“, da es sich bei der Flugsicherung um ein Monopol handle. Einen echten Wettbewerb, der zu einer Kostensenkung bei der Flugsicherung führen könnte, hält Wielgoß vorerst nur in Ansätzen für möglich.

Zu hundert Prozent werden die Fluggesellschaften die Kosten, die mit den Gehaltszuwächsen bei der Flugsicherung ihren Ertrag belasten werden, gewiss nicht an die Passagiere weitergeben. Einen Teil werden die Fluggäste aber ganz sicher zu tragen haben, darüber besteht nach Angaben von Airline-Verbandssprecherin Wiegold kein Zweifel.

Quelle: F.A.Z.

 
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