In Bremen ist erstmals in Europa ein Passagierflugzeug mit Hilfe eines Satelliten gelandet statt mit Bodensystemen. Die Deutsche Flugsicherung hatte Bremen ausgewählt, weil der Flughafen überschaubar ist, aber auch internationale Flüge durchführt. So kam die Boeing 737 der TUIfly aus Mallorca. In der Versuchsphase bis zum kommenden Frühjahr wird vorerst das konventionelle Landesystem mit Sendern, die am Ende und am Rand der Landebahn stehen, parallel geschaltet; sie ziehen das Flugzeug auch bei schlechtem Wetter auf die Landebahn.
Das neue satellitengestützte Präzisionslandesystem GBAS (Ground Based Augmentation System) wird von vier Satelliten geleitet. Noch ist die Schwankungsbreite mit 20 Metern zu groß für reguläre Flugzeuglandungen. Zudem ist das System derzeit auf gute Wetterlagen ausgerichtet. Bald werden aber verfeinerte Satellitensysteme Landungshilfen bei jeder Wetterlage erlauben. Das neue System ist in der Anschaffung teurer als das Bodenlandungssystem, im Betrieb aber weit günstiger, weil häufige teure Wartungen nicht notwendig sind. Zudem kann es für mehrere Landebahnen gleichzeitig genutzt werden.
Bremen profitiert von Überschaubarkeit
Bremen zieht mit dem Versuch Gewinn aus seiner Überschaubarkeit - der Flughafen Bremen kokettiert damit, der einzige deutsche Flughafen zu sein mit einer Straßenbahn direkt vor der Tür. Durch die Ansiedlung des Billigfliegers Ryanair dürfte die Passagierzahl auf dem Neuenlander Feld sprunghaft steigen von 1,7 Millionen Fluggästen im Vorjahr auf 2,3 Millionen im Jahr 2007.
Mit der Erprobung des Satellitensystems wird Bremen zudem seinem Ruf gerecht als ein Zentrum der Raumfahrt in Deutschland. Zu Jahresbeginn eröffnete das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt als Großforschungseinrichtung des Bundes im Technologiepark der Universität Bremen ein Institut für Raumfahrtsysteme, das zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Bremen finanziert wird. Das Institut soll eine Lücke in der deutschen Raumfahrtsystemtechnik schließen mit seiner Konzentration auf die Systemtechnik für Raumfahrtsysteme und orbitale Systeme wie Satelliten. Mit Astrium, einer Tochtergesellschaft der EADS, und der OHB-Gruppe haben die zwei größten deutschen Raumfahrtkonzerne - die zum Bau von Satelliten wie den nun für das Landesystem eingesetzten zuliefern - ihren Sitz in Bremen. In der Hansestadt, die 2003 den Internationalen Astronautenkongress ausrichtete, wird im Jahr 2010 der Weltraumkongress stattfinden. Der Cospar-Kongress ist mit etwa 3000 Wissenschaftlern die größte Veranstaltung der Weltraumforschung.
