14.11.2007 · 200 Kilometer Stau schlängelten sich heute um Paris. Bahnstreik. Jetzt ist Deutschland dran. Der dreitägige Lokführer-Streik hat begonnen, den die Bahn als den größten in ihrer Geschichte bezeichnet. Wie schlimm wird das Straßen-Chaos? Werden mehr Laster fahren? Was können Reisende tun? FAZ.NET hat sich bei Fachleuten umgehört.
Von Nadine BösEs scheint als würden uns die französischen Nachbarn einen Vorgeschmack auf das bieten wollen, was sich in den nächsten Tagen in Deutschland abspielen soll: Hunderte Kilometer Stau schlängeln sich an diesem Mittwoch durch Frankreich. Schuld sind Bahnstreiks. Pünktlich um 12 Uhr hat auch hierzulande der Lokführer-Streik begonnen, der diesmal 62 Stunden dauern soll und den die Bahn als den größten in ihrer gesamten Geschichte betitelt. Noch streiken nur die Lokführer im Güterverkehr; ab morgen soll auch der Personenverkehr bundesweit stillstehen - so wünscht es sich die Lokführergewerkschaft GDL. Schon jetzt verbreitet sie: „Es läuft alles planmäßig.“
Die Staus auf den Straßen werden kaum auf sich warten lassen, vermutet der ADAC. „Beim letzten Streik war rund 20 Prozent mehr Verkehr auf den Straßen, diesmal kommt noch der Streik im Fernverkehr dazu und womöglich obendrein Winterwetter“, so das Szenario eines ADAC-Sprechers. „Da könnte man mehr stehen als fahren“, glaubt er. Besonders lange Staus wird es nach seiner Vermutung auf den Zufahrts-Autobahnen zu großen Städten wie München oder Frankfurt geben. Auch der Raum Köln-Düsseldorf sei besonders staugefährdet.
„Fahrzeuge und Fahrer fallen nicht vom Himmel“
Wer normalerweise eine Stunde Arbeitsweg hat, dem empfiehlt der ADAC am Donnerstag und Freitag zwei Stunden früher loszufahren. Die schlimmste Verstopfung der Straßen erwarten Fachleute allerdings für den Wochenendreiseverkehr am Freitagnachmittag. „Da wird der Teufel los sein“, sagte der ADAC-Sprecher. Ob es sich überhaupt lohnt, aufs Auto auszuweichen oder man sich lieber mit dem Notfahrplan der Bahn begnügen sollte? Da will er sich gar nicht entscheiden - eins sei so riskant wie das andere.
Am heutigen Mittwoch sollten die Staus noch eher moderat ausfallen. „Wenn im Güterverkehr gestreikt wird, passiert im Allgemeinen nicht viel auf den Straßen“, sagte Adolf Zobel, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) im Gespräch mit FAZ.NET. Er rechnet nicht mit mehr Brummis auf Deutschlands Autobahnen. „Logistikströme können nicht so einfach umgelenkt werden - und zusätzliche Fahrzeuge und Fahrer fallen auch nicht vom Himmel.“
„Kosten in Milliardenhöhe“
Viele Güter, die normalerweise auf der Schiene transportiert würden, könne man nicht mal einfach so eben auf einen Lastwagen umschichten. „Für Automobiltransporte beispielsweise gibt es nur wenige Spezialisten“, sagte Zobel. Auch für die weitere Beförderung von Containern, die aus den Seehäfen kommen, benötige man eine ganz spezielle Ausrüstung. Schließlich gebe es auch noch viele Massengüter, bei denen sich eine Verlagerung von der Schiene auf die Straße schlichtweg wirtschaftlich nicht lohne. „Dazu zählen zum Beispiel Stahl oder Erze“, sagte der Fachmann.
Insgesamt rechnet der BGL damit, dass es bei einem länger andauernden Streik im Güterverkehr zu Produktionsausfällen und Kurzarbeit kommen kann. Wenn dieses Szenario eintritt, könnten schnell „volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe“ entstehen - „und das pro Tag“, sagte Zobel. „Besonders die Automobilbranche und die Stahlindustrie sind gefährdet.“
| Name | Kurs | Prozent |
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