19.08.2005 · Europas größter Touristikkonzern will den Containerverschiffer CP Ships übernehmen. Der Kaufpreis geht in die Milliarden. Marktbeobachter sehen eine radikale Änderung der Unternehmensstrategie.
Europas größter Touristikkonzern TUI will sein Standbein in der Containerschiffahrt verstärken und die kanadisch-britische Reederei CP Ships übernehmen. Dies hat TUI am Freitag indirekt bestätigt: Man führe Gespräche mit CP Ships, aber auch mit anderen Containerschiffahrtslinien. „Ob diese Gespräche in naher Zukunft oder zu einem späteren Zeitpunkt in Allianzen oder Transaktionen münden werden, ist offen“, teilte TUI mit.
Nach Informationen der F.A.Z. sind die Verhandlungen mit CP Ships schon relativ weit fortgeschritten. Möglicherweise fällt noch vor Ende August eine Vorentscheidung im Bieterverfahren, an dem noch andere Wettbewerber teilnehmen. Mit einem Zusammenschluß von Hapag-Lloyd, die im TUI-Konzern das Schiffahrtsgeschäft betreibt, und CP Ships entstünde, gemessen an der Frachtkapazität, die weltweit fünftgrößte Reederei.
Strategisch gute Ergänzung
Hapag-Lloyd hat 2004 rund 2,7 Milliarden Euro umgesetzt, CP Ships brachte es auf umgerechnet 3 Milliarden Euro. Beiden Unternehmen fehlt also bislang die kritische Größe. Außerdem würden sie sich strategisch recht gut ergänzen: Während Hapag-Lloyd mit seinen 51 Containerschiffen vor allem in Richtung Asien unterwegs ist, fahren die 80 Schiffe von CP Ships vorrangig im Nordatlantik und gen Lateinamerika.
Die Ertragskraft der beiden Unternehmen divergiert allerdings erheblich: CP Ships hat im vergangenen Jahr nur einen Nettogewinn von 57 Millionen Euro erwirtschaftet, während Hapag-Lloyd einen Überschuß von 283 Millionen Euro erreichte und damit auch deutlich renditestärker war als der Mutterkonzern im Kerngeschäft Reise.
TUI begründet das Interesse an CP Ships mit der Konzentration in der Containerschiffahrtsindustrie, die durch die jüngste Übernahme von P&O Nedlloyd durch Maersk Sealand beschleunigt worden sei. Darüber hinaus lehnten TUI und Hapag-Lloyd jeden Kommentar ab. Auch zu Spekulationen, nach denen TUI zu einer Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro gezwungen sein könnte, um den Kauf zu stemmen, äußerte sich das Unternehmen nicht.
TUI-Aktie reagiert negativ
An der Börse kamen diese Informationen nicht gut an: Mit einem Minus von zeitweise rund 5 Prozent gehörte die TUI-Aktie zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex. Dabei sorgte insbesondere die Aussicht auf eine mögliche Kapitalerhöhung für Unruhe. Nach Einschätzung von Analysten könnte der Kaufpreis für CP Ships oberhalb von 2 Milliarden Euro liegen.
An der Börse wird die Reederei zwar „nur“ mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Es gibt allerdings noch andere Kaufinteressenten: Die französische Reederei CMA CGN hat Anfang August offiziell bestätigt, daß sie über eine Übernahme verhandelt. Auch die China Shipping Group ist im Rennen. Es könnte sich also ein Bieterwettstreit entwickeln, der den Preis in die Höhe treiben könnte. Bekäme TUI den Zuschlag, würden die Hannoveraner ihr Ziel, die Nettoverschuldung in diesem Jahr auf 2 Milliarden Euro zu senken, mit Sicherheit verfehlen.
Radikale Strategieänderung
Die Meinung der professionellen Marktbeobachter ist gespalten. Manche Analysten verweisen darauf, daß die weltweite Schiffahrt sich stets zyklisch entwickle und im Moment gerade an der Spitze des Aufschwungs stehe. Das bedeute aber auch, daß in nächster Zeit eine Menge neuer Schiffsraum auf den Markt komme.
Dadurch könnten die weltweiten Seefrachtgebühren unter Druck geraten. Nach Ansicht der Landesbank Rheinland-Pfalz würde der Kauf von CP Ships eine radikale Strategieänderung bedeuten. TUI erziele derzeit 75 Prozent des Konzernumsatzes mit dem Tourismus. Ein stärkeres Gewicht auf der Schiffahrt könnte die Aktienvolatilität reduzieren und neue Wachstumsmöglichkeiten schaffen. Der Bereich Container-Fracht auf dem Seeweg nach Asien erlebe gerade einen Aufschwung, während die steigenden Ölpreise, der internationale Terrorismus und der mögliche Ausbruch der Vogelgrippe das derzeitige Kerngeschäft des Unternehmens gefährden könnten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,71 | −0,75% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2452 | −0,29% |
| Rohöl Brent Crude | 104,88 $ | −1,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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