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Löhne Arbeitnehmern bleibt weniger im Portemonnaie

25.09.2007 ·  Die Arbeitnehmer konnten sich in den letzten 20 Jahren für ihren Lohn nie so wenig kaufen wie im vergangenen Jahr. Die Nettorealeinkommen sind mit 15.845 Euro auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten gesunken. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

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Die Arbeitnehmer konnten sich in den letzten 20 Jahren für ihren Lohn nie so wenig kaufen wie im vergangenen Jahr. Die Nettorealeinkommen sind mit 15 845 Euro auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken, geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Das liegt daran, dass die Lebenshaltungskosten stärker gestiegen sind als die Nettolöhne. Den statistischen Angaben zufolge haben die Bruttolöhne im vergangenen Jahr mit 26 736 Euro je Arbeitnehmer – das sind 2228 Euro im Monat – zwar den höchsten Wert seit Bestehen der Bundesrepublik erreicht. 1991 waren es erst 19 719 Euro im Jahr oder 1643 Euro im Monat gewesen. Das ist ein Anstieg um 35,6 Prozent. Die Nettolöhne stiegen seit 1991 von 13.688 (monatlich: 1141) Euro jedoch nur um 27,4 Prozent auf 17.445 (1454) Euro. Dem standen Verbraucherpreissteigerungen von 34,4 Prozent gegenüber.

Verantwortlich für die schlechte Entwicklung der Nettolöhne waren danach die steigenden Abzüge vom Bruttolohn. Diese erreichten mit 9291 Euro den höchsten Wert in der Geschichte der Bundesrepublik. Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) wies jedoch die Schlussfolgerung zurück, der Staat greife den Bürgern dreister in die Tasche. Die Nettoquote, also das Verhältnis zwischen Netto- und Bruttolohn, das 1986 und 1991 jeweils bei knapp 69,5 Prozent gelegen hatte, sei seit zehn Jahren bei rund 65 Prozent stabil, sagte Müntefering. „Der Staat hat also seit zehn Jahren nicht stärker zugegriffen.“ Die Gegenüberstellung der Jahre 1986 und 2006 sei wenig aussagefähig, weil westdeutsche mit gesamtdeutschen Ergebnissen verglichen würden. Betrachtet man nur die Zeit seit der Wiedervereinigung, so liegen die Nettorealverdienste etwa wieder auf dem Stand von 1997 (15.886 Euro).

Müntefering: „In Deutschland gibt es eine deutliche Unwucht“

Müntefering bestätigte, dass die Löhne seit 2000 nur langsam um 4,5 Prozent gestiegen seien, während sich der Anteil der Unternehmens- und Vermögenseinkommen am Volkseinkommen um 42 Prozent erhöht habe. „Hier gibt es in Deutschland also eine deutliche Unwucht.“ Daher sollte die Lohnentwicklung „wieder mehr von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren“, verlangte der Vizekanzler. Ähnlich äußerte sich der SPD-Vorsitzende Kurt Beck. Die „Tarifspielräume“ könnten in der gegenwärtigen Aufschwungphase „besser genutzt werden als bei steigender Arbeitslosigkeit“, sagte Beck in einem Zeitungsgespräch.

Bild-Zeitung: Nettolöhne auf tiefstem Stand seit 20 Jahren.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mahnte dagegen eine Fortsetzung der moderaten Tarifpolitik an. „Eine Kompensation für eine steigende Steuer- und Abgabenlast hat in einer beschäftigungsorientierten Lohnpolitik nichts zu suchen.“ Vielmehr müsse der Staat die Abgabenlast senken und auf kostentreibende Leistungsausweitungen etwa in der Pflegeversicherung verzichten.

Sozialabgaben haben neuen Höchststand erreicht

Bei den Abzügen schlagen vor allem die Sozialabgaben zu Buche. Der durchschnittliche Betrag an Lohnsteuer bewegte sich zuletzt mit 4694 Euro auf dem Niveau von 1996. Hier wirkt sich unter anderem die Entlastung durch die rot-grüne Steuerreform aus. Die Sozialabgaben haben dagegen mit 4597 Euro je Arbeitnehmer im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Dass die absoluten Beiträge steigen, liegt vor allem an der Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen. Diese Obergrenze, bei denen die Zahlungspflicht in die Sozialkassen gedeckelt ist, betrug 1991 im Westen für die Renten- und Arbeitslosenversicherung noch 3323 und für die Krankenversicherung 2493 Euro, inzwischen liegt sie bei 5250 und 3563 Euro, das ist ein Anstieg um 58 und 43 Prozent. In Ostdeutschland hat sie sich für die Renten- und Arbeitslosenversicherung durch die schrittweise Anhebung auf Westniveau von 1534 auf 4550 Euro und von 1150 auf 3563 Euro für die Krankenversicherung jeweils etwa verdreifacht.

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Von Philip Plickert

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