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Liechtenstein-Affäre Bargeld durch eine geheime Stahltür

05.08.2010 ·  Vor zweieinhalb Jahren brachte eine Liechtensteiner Steuer-CD den Skandal um den ehemaligen Postchef Zumwinkel ins Rollen. Jetzt hat sich der frühere Mitarbeiter der Datendieb Heinrich Kieber zu Wort gemeldet - und wundert sich, warum bislang nur der Fall Zumwinkel bekannt wurde.

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Die Liechtensteiner Steuer-Affäre um den früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel hat nach Angaben des Datendiebes Heinrich Kieber bisher unbekannte Ausmaße. Der durch geheime Informationen über deutsche Auslandskonten bekanntgewordene BND-Informant wundert sich über die geringe Zahl von Steuerstrafverfahren gegen Prominente. Er habe Informationen über 5.828 natürliche Personen, von denen 46 „politisch exponiert“ seien, sagte Kieber dem Magazin „Stern“ laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Der Fall des ehemaligen Postchefs Klaus Zumwinkel sei aber der einzige, der teilweise öffentlich geworden sei.

Vom Bundesnachrichtendienst (BND) erhielt Kieber laut eigenen Angaben fünf Millionen Euro für seine Informationen. Kieber, der die Konto-Daten an insgesamt 13 Staaten weitergegeben haben will, lebt an unbekanntem Ort im Zeugenschutzprogramm eines Geheimdienstes. Kieber bestätigte Berichte, nach denen der Bundesnachrichtendienst (BND) ihm fünf Millionen Euro für die Informationen zahlte. Er habe neben den Daten über natürliche Personen auch 3.929 über Stiftungen.

Nach Angaben von Kieber flossen Milliarden von Schwarzgeld aus der ganzen Welt nach Liechtenstein. Über Konten von Briefkastenfirmen, beispielsweise in Spanien oder Portugal, die indirekt der fürstlichen LGT Treuhand gehörten, sei das Geld in das Fürstentum gelangt.

Bargeld hätten die Kunden durch eine geheime Stahltür im öffentlichen Parkhaus der Liechtensteiner Hauptstadt Vaduz direkt in einen Tresorraum fahren können. Die Mitarbeiter der LGT Treuhand hätten über vertrauliche Gespräche mit ihren Klienten minuziös Buch geführt, sagte Kieber dem Magazin. Die Notizen seien mit den Kontodaten abgespeichert worden. „Die Treuhänder wissen mehr als manche Ehefrauen oder die Kinder oder die Geschäftspartner.“

Die Mitarbeiter der LGT-Bank seien teils über intime Details aus dem Privatleben ihrer Kunden informiert gewesen. In den Kundenunterlagen der Bank habe es interne Vermerke etwa „über Familienstreitigkeiten, Zweit- und Drittfrauen oder uneheliche Kinder“ gegeben. Der reichste Anleger war laut Kieber ein italienischer Industriellen-Erbe mit 450 Millionen Euro, der reichste Deutsche ein Düsseldorfer Geschäftsmann mit Anlagen von 35 Millionen Euro.

Affäre belastete Beziehungen zu Liechtenstein

Gestützt auf Kiebers Daten wurde im Februar 2008 in Deutschland eine bundesweite Razzia gegen mutmaßliche Steuersünder ausgelöst. Darunter war Zumwinkel, der zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldbuße von einer Million Euro verurteilt wurde. Außerdem leitete die Bochumer Staatsanwaltschaft Hunderte Ermittlungsverfahren ein. Viele Steuersünder zeigten sich auch selbst an, um den Ermittlungen zuvorzukommen.

Die Steueraffäre belastete die Beziehungen zwischen Deutschland und Liechtenstein schwer. Der Ton verschärfte sich vor allem in den Tagen direkt nach der Festnahme Zumwinkels deutlich. Das fürstliche Bankhaus gab später das Treuhandgeschäft auf und verkaufte seine LGT Treuhand.

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