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Leserbrief Die Ölindustrie lacht

13.04.2008 ·  Zur Leitglosse von Konrad Mrusek "Eine bekannte Malaise" in der F.A.Z. vom 5. April: Der Verzicht auf den Biokraftstoff E10 ist keine gute Nachricht für Klima und Kleinbauern. Unsere Mobilität basiert nach wie vor auf fossilen Brennstoffen.

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Zur Leitglosse von Konrad Mrusek "Eine bekannte Malaise" in der F.A.Z. vom 5. April: Der Verzicht auf den Biokraftstoff E10 ist keine gute Nachricht für Klima und Kleinbauern. Unsere Mobilität basiert nach wie vor auf fossilen Brennstoffen. Und allen Ankündigen zum Trotz lassen Hybrid-, Elektro- oder Wasserstoffautos weiter auf sich warten.

Und die Moral? In der Debatte um Biosprit werden oft ethische Aspekte angeführt. Betrachtet man jedoch einmal die Ethik des Öls, so erscheinen Biokraftstoffe mehr als harmlos: In Brasilien erzeugen Kleinbauern ein Drittel der Biomasse. GTZ und Entwicklungsministerium unterstützen eine Vielzahl dezentraler Bioenergieprojekte zur Stimulierung der regionalen Ökonomie. Indien und Madagaskar treiben den Einsatz der Energiepflanze Jatropha voran, die selbst unter widrigsten Umständen wächst und so erosionsgefährdete Böden vor Verwüstung schützt. All diese Vorhaben bringen arme Menschen in Arbeit und zeigen eine Entwicklungsperspektive für Regionen auf, an denen die Globalisierung bislang vorbeigerauscht ist. Die Globalisierung des Öls sieht hingegen so aus: Allein der Ölriese Shell machte 2007 31 Milliarden Dollar Gewinn, der Konzernumsatz liegt dreifach höher als die Wirtschaftskraft aller 140 Millionen Nigerianer zusammen.

Während gegen Biosprit nun die große Moralkeule geschwungen wird, lacht sich die Ölindustrie ins Fäustchen. Sicherlich: Ethanol und Biodiesel müssen ökologisch und sozial nachhaltig erzeugt werden. Wenn diese Chance zugunsten einer sich verschlimmernden Ölsucht vertan wird, hilft dies weder dem Klima noch den sozial Schwachen in Nord und Süd.

Daniel Dettling, Berlin

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