Home
http://www.faz.net/-gqg-101ag
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent Trichet: Keine bestimmte zinspolitische Neigung

07.08.2008 ·  In ihrer Zinsentscheidung hat die EZB den Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent gelassen. Doch wie wird der künftige Zinskurs sein? In seiner mit Spannung erwarteten Rede sagte EZB-Chef Trichet zwar, dass das Niveau der Inflation „besorgniserregend“ sei, machte aber keine klare geldpolitische Ausrichtung deutlich.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (4)

Obwohl die Inflation im Euro-Raum im Juli mit 4,1 Prozent ein Rekordhoch erreicht hat, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 4,25 Prozent belassen. Das teilte die EZB nach ihrer Sitzung in Frankfurt mit. Anfang Juli hatte die Notenbank im Kampf gegen die Inflation den Zins noch um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Die große Mehrheit der EZB-Beobachter hatte diesmal eine Beibehaltung des Zinssatzes vorhergesagt.

In seiner mit Spannung erwarteten Rede im Anschluss an den Zinsentscheid sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet es bleibe oberste Priorität für die Europäische Zentralbank EZB, mittelfristig Preisstabilität im Euro-Raum zu gewährleisten. „Die jüngsten Informationen haben bestätigt, dass die Inflationsraten noch längere Zeit hoch bleiben werden und weiterhin Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität bestehen“, sagte Trichet am Donnerstag. Er deutete zugleich an, dass sich der wirtschaftliche Ausblick für den Euro-Raum verschlechtert hat.

Keine bestimmte zinspolitische Neigung

Dennoch rechtfertigte er noch einmal die Zinserhöhung von Anfang Juli mit dem Ziel der Notenbank, breit basierte Zweitrundeneffekte zu verhindern. Allerdings sagte Trichet auch, dass die EZB für die kommende Zeit keine bestimmte zinspolitische Neigung habe. Der EZB-Präsident verwies darauf, dass die Einschätzung anhaltender Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung durch das kräftige monetäre Wachstum bestätigt werde, zumal es keine Anzeichen für eine größere Einschränkung des Kreditangebots gebe.

Er hob hervor, dass die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen fest auf einem Niveau verankert bleiben müssen, das mit Preisstabilität in Einklang stehe. Der geldpolitische Kurs der EZB werde zum Erreichen dieses Ziels beitragen. „Wir werden auch in nächster Zeit alle Entwicklungen sehr genau verfolgen“, sagte Trichet weiter.

„Der Spagat wird breiter“

Bankvolkswirt Kornelius Purps von Unicredit sagte in einer ersten Reaktion auf die Trichet-Rede: „Der Spagat wird breiter.“ Trichet sei von seiner scharfen Inflationsrhetorik trotz des jüngsten Ölpreisrückgangs keinen Millimeter zurückgewichen. „Auf der Wachstumsseite sagt er zwar, dass es kurzfristig schlechter wird, aber mittelfristig gibt er sich - ähnlich wie Bernanke - recht optimistisch.“

Analyst Heinrich Bayer von der Postbank sagte: „Das Dilemma der EZB hat sich verstärkt.“ Trichet habe sehr stark die Inflationsrisiken betont und noch einen weiteren Punkt angeführt: die steigenden Arbeitskosten. „Das war das letzte Mal nicht so klar in dem Statement enthalten.“ Die Abwärtsrisiken, auf die die EZB hinweise, hätten sich jetzt teilweise manifestiert, womit die EZB schon zugebe, dass sich der Ausblick für die Konjunktur verschlechtert habe. „Das kommt nicht ganz unerwartet“, sagte der Bankvolkswirt.

Bank of England tastet ihren Leitzins ebenfalls nicht an

Die britische Notenbank hat ihren Leitzins unterdessen ebenfalls unverändert gelassen. Der Leitzins beträgt weiterhin 5,00 Prozent, teilte der geldpolitische Ausschuss der Notenbank am Donnerstag in London mit. Der Ausschuss hat damit den Zinssatz zum vierten Mal in Folge nicht angetastet. Volkswirte hatten dies auch hier wegen anhaltender Inflationsgefahren bei zugleich schlechteren Wachstumsaussichten einhellig erwartet. Wegen der Abschwächung der britischen Konjunktur infolge der Finanzmarktkrise hatte die Bank of England (BoE) die Zinsen zuletzt im April um 0,25 Punkte gesenkt.

Im Juni war die Teuerung in Großbritannien auf ein 16-Jahres-Hoch von 3,8 Prozent geklettert und lag damit fast zwei Prozentpunkte über dem Zielwert der BoE von zwei Prozent. Zugleich war die britische Wirtschaft im zweiten Quartal so schwach wie seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Die Risiken einer Rezession hätten damit nochmals zugenommen, heißt es unter Analysten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 12 24

30.05.2012 13:16 Uhr
  Vortag
Dax 6.349,21 −0,74%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.383,71 −0,75%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2452 −0,29%
Rohöl Brent Crude 104,88 $ −1,84%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.