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Lehrstellen Regierung verfehlt Arbeitsmarktziel

08.08.2005 ·  Die Vermittlung junger Arbeitsloser dauert mit 20 Wochen zu lange. Wirtschaftsminister und Bundesagentur für Arbeit streben an, daß bis Jahresende kein junger Mensch länger als drei Monate arbeitslos sein solle. Doch es klappt nicht.

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Die Bundesregierung droht ihre wichtigste Zielmarke im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu verfehlen. Im Juli lag die durchschnittliche Dauer der Jugendarbeitslosigkeit bei 20,4 Wochen. Das sind 1,3 Wochen weniger als im Juni. Die im Frühjahr geschlossene Zielvereinbarung zwischen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) für dieses Jahr sieht dagegen vor, daß bis zum Jahresende kein junger Mensch länger als drei Monate arbeitslos sein soll.

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen stieg zuletzt auf 630.000. Clement ist dennoch zuversichtlich, die selbstgesteckten Ziele im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu erreichen. „Die Voraussetzungen hierfür waren noch nie so gut wie heute“, sagte der Minister dieser Zeitung. Die Arbeitsmarktreformen hätten zu einer Finanzausstattung geführt, wie es sie noch nie gegeben habe. Allein in diesem Jahr stünden für die Integration von Jugendlichen in den Arbeitsmarkt rund 6,8 Milliarden Euro zur Verfügung.

Das zweite Ziel im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit, nach dem sich ein Betreuer nur noch um höchstens 75 jugendliche Langzeitarbeitslose kümmern muß, wird dagegen schon in fast allen der mehr als 300 bundesweiten Arbeitsgemeinschaften erreicht. In 43 Prozent der Einrichtungen werde der Wert sogar übererfüllt, sagte ein Sprecher der Bundesagentur dieser Zeitung.

Der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit steht in engem Zusammenhang mit der wachsenden Lehrstellenlücke. Im Juli gab es mehr als 169000 unversorgte Bewerber. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte die Unternehmen am Wochenende, die Zusagen des im vergangenen Jahr geschlossenen Ausbildungspaktes - jährlich 30000 zusätzliche Lehrstellen und 25000 Einstiegspraktika - zu erfüllen. Eine endgültige Bewertung sei erst am Jahresende möglich, sagte Schröder.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) und der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph Böhr regten die Schaffung von Ausbildungsbündnissen an. Auf betrieblicher Ebene könnten die Lehrlingsvergütungen gesenkt werden, wenn dafür im Gegenzug zusätzliche Ausbildungsplätze eingerichtet würden.

Schröder hatte schon im Wahljahr 1998 den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zur Meßlatte seiner Regierungsarbeit erhoben, nachdem die Zahl der Erwerbslosen im Januar 1998 mit 4,82 Millionen den bis damals höchsten Wert in der Geschichte der Bundesrepublik erreicht hatte. Unter Schröders Regierung wurde im Februar 2005, allerdings statistisch verzerrt durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV), mit 5,2 Millionen ein neuer Höchststand erreicht. Im Vergleich zum Wahlmonat September 1998 lag die Unterbeschäftigung im Juli um 202000 Personen höher als damals. Die Unterbeschäftigung spiegelt die Lage auf dem Arbeitsmarkt besser wider als die Zahl der registrierten Erwerbslosen. In dieser Rechnung sind die Erwerbslosen, die etwa in staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stecken, mitgezählt. Zusätzlich ist der Vergleich um den Hartz-IV-Effekt und um Personen in Trainingsmaßnahmen, die seit 2004 nicht mehr als Arbeitslose gezählt werden, bereinigt.

Quelle: svs./nf., F.A.Z., 08.08.2005, Nr. 182 / Seite 9
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