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Lehrstellen-Aktion Arbeitgeber freuen sich auf Hartz-IV-Empfänger

Im vergangenen Jahr blieben rund 60.000 Lehrstellen unbesetzt. Jetzt sorgen sich Arbeitgeber und Industrie um ihren Nachwuchs. Viele wollen gering qualifizierten Hartz-IV-Empfängern über 25 Jahren eine Chance geben.

© dapd Furcht vor dem Bewerbermangel: Arbeitgeber und Industrie wollen künftig Bewerbern eine Chance geben, die sie noch vor Kurzem zurückgewiesen hätten.

Arbeitgeber und Industrie empfinden den Mangel an Lehrstellenbewerbern als so starke Bedrohung, dass sie künftig auch Menschen ausbilden möchten, denen sie noch vor kurzem die Tür vor der Nase zugeschlagen hätten: gering qualifizierte Hartz-IV-Empfänger, die älter sind als 25. Mit Freude reagierten die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf eine entsprechende Initiative der Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Nadine Bös Folgen:

Die Bundesregierung hatte zuvor den Plan bekannt gegeben, 100.000 jungen Erwachsenen die Chance geben zu wollen, eine Ausbildung nachzuholen und somit der Sozialhilfe zu entkommen. Mit einem entsprechenden Programm soll zum einen die Zahl der Hartz-IV-Empfänger dauerhaft schrumpfen, zum anderen soll einem drohenden Fachkräftemangel begegnet werden. Zielgruppe sind Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren ohne Ausbildung, um die sich die Jobcenter in den kommenden Wochen verstärkt kümmern werden. Innerhalb der kommenden drei Jahre sollen rund 100.000 Personen eine Lehre beginnen.

Die Arbeitgeber hießen die potentiellen neuen Lehrstellenbewerber in einer ersten Reaktion herzlich willkommen: „Wir können es uns nicht länger leisten, dass über 40 Prozent der Arbeitslosen keine abgeschlossene Ausbildung haben und zugleich viele Unternehmen offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte nicht besetzen können“, erklärte die BDA in einer Stellungnahme. Viele junge Menschen hätten zwar keine abgeschlossene Berufsausbildung, brächten aber schon Arbeitserfahrung mit. Die BDA verwies in diesem Zusammenhang auf „wachsende Fachkräfteengpässe auch in bestimmten nicht-akademischen Berufen“.

60.000 Ausbildungsplätze blieben unbesetzt

„Die Betriebe haben riesige Probleme alle Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagte Esther Hartwich, Leiterin des Bereichs Ausbildung im Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK) zu FAZ.net. Die DIHK-Ausbildungsumfrage zeige, dass rund 60.000 Ausbildungsplätze im vergangenen Jahr unbesetzt geblieben seien. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels verschärfe sich die Situation rapide: „Die Betriebe suchen so händeringend, dass sie zunehmend bereit sind, auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben. Dazu können auch die zählen, die schon länger aus der Schule raus sind und eventuell Bedarf an fachlicher Nachhilfe oder anderen ausbildungsbezogenen Hilfen haben“, sagte Hartwich.

Die Hälfte aller ausbildenden Unternehmen böten laut DIHK-Umfrage ohnehin schon begleitende Nachqualifikation an etwa in Mathematik oder deutscher Rechtschreibung. Außerdem werde das Programm „VerA“ des Bundesbildungsministeriums zunehmend genutzt, in dem Menschen mit Problemen in der Ausbildung Unterstützung durch Mentoren erhalten.

DIHK-Pilotprojekt zur Ü-25-Ausbildung

Der DIHK sei nicht nur sehr erfreut über die Initiative der BA, sondern plane auch ein eigenes Pilotprojekt, um mehr Lehrstellen mit jungen Erwachsenen ohne Abschluss besetzen zu können, berichtete die Ausbildungs-Expertin weiter. Schon in diesem Jahr werde der Industrieverband in ausgewählten Regionen damit beginnen, eine so genannte Teilqualifizierung anzubieten. „Gering Qualifizierte über 25 können auf diesem Weg einzelne Bausteine einer Lehre absolvieren, ohne sofort eine komplette Ausbildung machen zu müssen“, erklärte Hartwich. „Wer einen Baustein erworben hat, erhält am Ende ein Zertifikat, was die Zulassung zur IHK-Abschlussprüfung erleichtern kann.„

Für die Zielgruppe interessant sei ferner oft eine Ausbildung in Teilzeit, da diese einen sanfteren Wiedereinstieg in das Berufsleben ermögliche, sowie Ausbildung und Kinderbetreuung besser vereinbar mache.

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zudem bei der Vorstellung der Initiative zur Ü-25-Ausbildung auf die Bedeutung einer Berufsausbildung für die Aussichten am Arbeitsmarkt hingewiesen: „Vor diesen jungen Menschen liegen noch fast 40 Jahre im Erwerbsleben.“ Heinrich Alt aus dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit betonte, dass es sich für Unternehmen lohne, auch etwas ältere Personen auszubilden. Derzeit seien in dieser Altersgruppe rund 300.000 Arbeitslose ohne Ausbildung.

Quelle: FAZ.net

 
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